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126 IL Waldgebiet des östlichen Kontinents.
Mitteleuropa uaclx Süden und nach Osten, in nordwestlicher Richtung
hört derselbe auf. Die Vegetationslinie geht von der Bretagne
(47^ 30') fast geradlinig über Lüttich an den Rhein (50 45') und
durch Niederhessen (51^^ 20') und Thüringen bis Schlesien (51» 55'),
sie liegt der natürlichen Polargrenze in den Donauländern parallel.
Dass sie in früheren Jahrhunderten einer weiter nordwärts gelegenen
Parallele entsprach , die vom südlichen England über Preussen bis
zu den russischen Ostseeprovinzen verlief, ist mit Recht darauf bezogen
worden, dass man im Mittelalter, als die Kommunikationen
des Handels in Europa noch wenig entwickelt waren, sich mit einem
Weine begnügte, den man heutzutage verschmäht. Im Süden wird
der Weinstock, wie es seine eigentliche Natur ist,^häufig an Bäumen
gezogen, die ihn beschatten: an der klimatischen Grenze seines
Kulturgebiets muss man das Gewächs den Sonnenstrahlen aussetzen,
um die nöthige Wärme zuzuführen, namentlich auch die ües
Septembers (wenigstens 12^), die zur Zuckerbildung in den Beeren
am meisten beiträgt. Auf das wecliselnde Mass der Wärme sind die
zahllosen, chemischen Abänderungen vorzugsweise zurückzuführen,
welche die Kultur nach und nach ins Leben gerufen hat, und auf
deren Beständigkeit das Feuer, das Aroma, die Güte des Weins beruht.
Der Boden ist nicht oJine Bedeutung, aber mit dem Klima an
Wirksamkeit nicht zu vergleichen. Wie so viel günstiger die Bedingungen
für solche Einflüsse werden, je mehr man sich der Heimath
des Weinstocks nähert, zeigt die Stellung der ungarischen Weine im
Verhältniss zu den deutschen. Wie aber diese Einwirkungen zunächst
an die Wärme des Klimas geknüpft sind, erkennen wir, wenn
wir die Weine des südlichen Frankreichs mit denen vergleichen, die
in der Nähe der Polargrenze des Kulturgebiets erzeugt werden.
Vegetationsformen. Baer hat die Ansicht durchzuführen
gesucht dass die Grösse der Gewächse vom Aequator zum Pol
stetig abnehme, aber dieser Satz ist, in einer so allgemeinen Form
ausgesprochen, nicht begründet und passt eigentlich nur auf das
Uebergangsgebiet von den Wäldern zu den arktischen Gegenden.
Nicht die Grösse der Bäume, sondern die Mannigfaltigkeit der Holzgewachse
steigert sich mit der Wärme des solaren Klimas. Schon
an der Baumgrenze selbst werden die Bäume oft sogleich hochstämmig,
und innerhalb der bewaldeten Zonen hat man den liöchsten
Baumforinen. 127
Wuchs nicht unter den Tropen, sondern zwischen den Parallelkreisen
50 ö und 30 ö in beiden Hemisphären, und zwar nicht als allgemeinen
Charakter dieser Breiten, vielmehr nur als Eigentlmmlichkeit einzelner
Baumarten angetrofien. In den tropischen Wäldern finden
wir eine vollständigere Benutzung des Raums durch Holzgewächse
aus verschiedenen, gemischt wachsenden Familien, während das
Wachsthum des einzelnen Baums weniger gefördert wird. Es lassen
sich vier Hauptformen von Bäumen in der Richtung von der nördlichen
Baumgrenze bis zum Aequator unterscheiden, von denen
zwei durch alle Breitengrade vertreten, die beiden anderen auf die
wärmeren Gegenden eingeschränkt sind. Die ersteren sind die
Nadelhölzer und die periodisch belaubten Laubhölzer, die letzteren
tragen immergrüne Blätter und zerfallen in dikotyledonische und
monokotyledonische Formen. Sämmtlich können sie eine Durchschnittshöhe
von 100 Fuss erreichen oder auoli überragen, aber nur
die Nadelhölzer und die dikotyledonischen Laubhölzer entwickeln
aus dem Gipfel ihres Stammes eine verzweigte Krone, an deren Aesten
das Laub vertheilt ist. Die monokotyledonischen Bäume vereinigen
ihre Blätter zu einer ausgebreiteten, das einfache Holzgerüst abschliessenden
Rosette, wo die Grösse des einzelnen Organs die Fülle
des dikotyledonischen Laubes ersetzen muss, wie bei den Palmen
und dem Pisang. Die klimatischen Bedingungen der Vertheilung
dieser Formen aus ihrer Organisation abzuleiten^ bieten sich im nördlichen
Waldgebiete die Nadel- und Laubhölzer in doppelter Beziehung
dar. Zuerst dadurch, dass sie für diese Zone typisch sind, indem
unter den Tropen die ersteren entweder ganz fehlen oder in die Gebirge
lünaufrücken und nur auf diesen den Aequator (in Sumatra)
erreichen, die letzteren die kürzere Vegetationszeit der Savanen aufsuchen.
Sodann aber sind sie innerhalb des Waldgebiets selbst in
einer regelmässigen Stufenfolge so angeordnet, dass die Laubhölzer
bis zur Baumgrenze nur durcli wenige Arten, wie durch die Birke,
vertreten sind, und dass man daher fast überall einen nördlichen, im
Gebirge einen oberen Gürtel von Nadelhölzern jenseits und oberlialb
der Laubwälder selbständig hervortreten sieht. Um in einem grossen
Ueberblick diese Vertheilung der Wälder von Lappland bis zum
Aequator aufzufassen, darf man sich vorstellen, dass die Zone der
nördlichen Baumformen im westlichen Europa bis zum 45. Breiten-
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