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430 IV. Steppengebiet.
Oebirg-ssysteme zu unterscheideu i"';!) : denn die Ketten des Himalaja,
des Knrakornm und des Künlün verhalten sich zu einander, wie die
drei Hauptzüge der Alpen, indem sie überall durch ihre Gliederungen
zusammenhängen. Wie mit fortschreitender geographischer Kunde
sich der Begrift' der Anden erweitert hat, so möchte ich aucii dieses
ganze System Hochasiens als Himalaja bezeichnen, wobei die südliche
Kette als die indische zu unterscheiden wäre. In diesem Sinne
erstreckt sich das höchste Gebirge der Erdeöi) über mehr als zwölf
Breitenai-ade (4 0"—27« von den Grenzen Bucharas bis zu dem
indischen und chinesischen" Tieflande. Wie es im Osten gegen das
letztere sich abdacht, ist geographisch noch unerforscht; genauere
Kunde hat man jenseits der nach Indien führenden Pässe nur von
Klein-Tibet und den nördlich angrenzenden Landschaften. In diesen
Meridianen finden sich Hochebenen nur im Bereich der beiden
nördlichen Ketten (30—37 0 N. B.), und auch diese sind meist von'
geringem Umfang. Abgesehen von einzelnen Seebecken breiten sich
weder das Hauptthal des Indus in Klein-Tibet os), noch dessen Nebenthäler
irgendwo zu Tafelländern aus, sondern die weithin gedelinten
Bergketten treten dicht an die Furchen des iiiessenden Wassers, und
ein geneigter Boden ist daher allgemeiner Charakter dieses Theils
von Centraiasien. Aber die Hochthäler Tibets theilen dennoch die
Vortheile des Plateauklimas: die Verhältnisse sind dem Flächenraume
nach so grossartig, die Böschungen so sanft, dass, wie Gerard
sich ausdrückte««), die schneebedeckten Gipfel in der Weite ihrer
Entfernung erbleichen, wie ein Bild, das in der Erinnerung nur eine
dämmernde Vorstellung zurücklässt.
Die tibetanischen Hochthäler«^) senken sich von 14000 bis
10000 Fuss, ohne dass die Flora sich ändert, und noch höher liegen
die nördlichen Hochebenen (15000 Fuss). In dem hohen Niveau
der Thäler wird dennoch an den Flüssen Getraidebau betrieben (bis
über 13000 Fuss), selbst einzelne Bäume kommen fort (hochstämmige
bis 12600 Fuss). Hier haben die Irrigationen nicht bloss die
excessive Trockenheit und Dürre des Steppenklimas zu überwinden,
sondern die geringe Sonnnerwärme««) scheint mit dem Anbau ebenfalls
schwer in Einklang zu bringen, so sein- auch die sanfte Neigung
des Keliefs die Abnahme der Temperatur verzögert. Zwar finden
wir in Leh, der Hauptstadt von Klein-Tibet (10800 Fuss), den
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Tibet. 431
Sommer noch ebenso warm, wie in Stockholm (12«,7), aber wenn
man in Hochasien auf 800 Fuss Erhebung eine Wärmeabnahme von
einem Grad rechnet «O), so würde an der oberen Grenze des Getraidebaus
die Vegetation unter noch ungünstigeren Bedingungen stehen,
als da, wo derselbe in Lappland aufhört. Nirgends auf der Erde
giebt es einen deutlicheren Beweis, dass die Insolation in den oberen
Schichten der Atmosphäre zunimmt, wenn sie eine so erwärmungsfähige
Fläche trifft, wie hier, und dies dient daher auch zur Aufklärung
über die Kiüturbedingungen in den hochgelegenen Thälern
Afghanistans. Unstreitig wird die Wärme auch durch die Trockenheit
der Luft erheblich gesteigert, indem die Sonnenstrahlen auch im
aufgelösten Wasserdampf an Kraft verlieren. Moorcroft^«) sah zu
Leh in der Julisonne das Thermometer auf 50« steigen, selbst des
Nachts fiel es zu dieser Zeit nur auf 19 «, und sogar in der Mitte des
Winters beobachtete er ein Steigen des Quecksilbers auf 2 3 « in den
Sonnenstrahlen. Die starke Insolation kompensirt nicht bloss die
Abnahme der Mittelwärme, sondern auch die Kürze des Sommers,
und bringt das Getraide zuweilen rascher zur Keife, als in Lappland.
Frost und Schnee beginnen in Leh zu Anfang September und
dauern mit wenig Unterbrechung bis Anfang Mai, so dass hier allerdings
vier Monate für die Bestellung des Ackers frei sind und der
Weizen daher gut fortkommt. Auch wird die Gerste gewöhnlich
erst in der zweiten Hälfte des Mai gesäet und im September geerntet'i),
allein Moorcroft erwähnt auch den Fall, dass dieselbe im
Niveau von 10000 Fuss schon zwei Monate nach der Saat zur Ernte
reif wurde, in dem eingeschlossenen Thale von Pituk, wo die Insolation
durch reverberirte Strahlen gesteigert ist.
Ein grösseres Hinderniss, als in der Temperaturabnahme, findet
der tibetanische Ackerbau in der Trockenheit der Luft und der
Seltenheit des Regens. In dem Hauptthale des Indus finden keine
Niederschläge statt, die den Boden vollständig benetzen ; auch im
Winter fällt wenig Schnee, und die Flüsse empfangen ihr Wasser aus
den mehr als 10000 Fuss höheren Bergketten, an denen sich der
Wasserdampf zu einer weitläuftigen Region ewigen Schnees ansammelt.
Noch viel ungünstiger sind die Verhältnisse in Gross-Tibet''2),
wo im Winter gar keine Niederschläge zu erfolgen scheinen. Die
Punditen, welche von Nepal aus in dessen Hauptthal gelangten und
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