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311 in. Mittelmeergebict.
gehören. Sie zerfallen in zwei Hauptformen, j e nachdem die Blattnaclel
ausgebildet (Pinus) oder unterdrückt ist (die Cypressenform). Unter den
Pinus-Arten bewohnen zwei fast den ganzen Umfang der immergrünen
ßegion, die Pinie und die Aleppo-Kiefer (P. Pinea u. halepenm). Die
Pinie, ein hoher, schöner Baum, der mit seinen aufwärtsstrebenden
Aesten einen dichten Schirm von Blattnadeln bildet, gehört zu den
ausgezeichnetsten Gestaltungen der Mediterranflora und wird, wie er
zum Schmuck der Landschaft dient, von keinem Maler der südlichen
Natur vernachlässigt. Mit der Ceder theilt er die Eigenthümlichkeit,
dass die Nadeln sich an das Ende der Zweige drängen, aber bei der
Pinie ist die Krone gewölbt, bei der Ceder pflegt das Schirmdach
der Nadeln zu einer flachen Ebene ausgebreitet zu sein. In beiden
Fällen ist es unverkennbar, dass die Nadeln sich da am leichtesten
entwickeln, wo ihnen die stärkste Beleuchtung zu Theil wird, oder
dass der Wuchs der Krone mit der Anordnung und Dichtigkeit der
Blattorgane in einem angemessenen Verhältniss steht. Es scheint,
dass die Pinie der Sonne und des heiteren Himmels bedürftig ist, und
wir sehen sie daher fast nirgends die Grenzen der immergrünen Re -
gion überschreiten. Nur in Italien ist dies der Fal l , wo der grosse
Pinienwald von Ravenna sich bis zum Delta der Po-Mündung (441I/L2O
N. B.) e r s t r e c k t A u c h in Toskana ist ein Zweig der Apenninkette
am linken Ufer des Arno zwischen Florenz und Pisa mit wilden
Pinien b e d e c k t . So häufig dieser Baum in allen wärmeren Gegenden
Südeuropas angepflanzt wi rd, so sind doch ursprüngliche
Pinienwälder, die wahrscheinlich einst in weit grösserem Umfange
vorkamen, jetzt nur noch in gewissen Bezirken, aber durch das ganze
G.ebiet, von Spanien bis zur Küste von Anatolien anzutreffen. Ich
sah solche Bestände selbst in der Provence und am ägäischen Meere
und finde sie namentlich in Andalusien und von da bis zur centralen
Sierra de Gredos, ferner auf den beiden östlichen Halbinseln bis
nach Bithynien und Cilicien erwähnt: nur der Krim und der pontischen
Küste scheint die Pinie ganz zu fehlen. Die Aleppo-Kiefer
steht an Grösse den übrigen Pinus-Arten nach und hat die Neigung,
strauchartig zu wachsen. Sie findet sich von Spanien bis zum Pontus
und Syrien, ist indessen häufig mit zwei anderen Arten verwechselt
w o r d e n w e l c h e ebenfalls die immergrüne Region bewohnen, aber
klimatisch doch nicht unter gleichen Bedingungen stehen. Die beiden
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/ENadelhölzer
und Cypressenform. 315
letzteren sind durch ungemein lange Blattnadeln ausgezeiclinet und
können als westliche und östliche Seestrandskiefer unterschieden werden,
indem die eine (P. Finaster) von Algerien bis zu den französischen
Küsten reicht, hier am atlantischen Meere die Grenzen des
Gebiets überschreitet, aber ostwärts nicht über Dalmatien hinausgeht
, die andere hingegen (P. maritifma Lamb.) der immergrünen
Region der beiden östlichen Halbinseln eigeuthümlich ist. Die Reihe
der Kiefern, d. h. der Pinus-Arten, bei denen zwei Nadeln in einer
Scheide vereinigt sind, umfasst ausser diesen noch zwei Gebirgsbäume,
von denen die eine mit der nordischen Kiefer identisch ist
[P. sylvestris), die andere in mannigfaltig veränderter Gestaltung auf
allen höher gelegenen Theilen des Festlands und auf den grösseren
Inseln einen beträchtlichen Theil der Bergwälder bildet, endlich in
Oesterreich und Ungarn auch in die mitteleuropäische Flora übergreift
[F. Laricio). Wie die Kiefern uns ein Beispiel bieten, dass die Gewächse
der nördlichen Tiefebenen im Süden das angemessene Klima
im Gebirge finden, so ist dies auch mit dem Taxusbaum der Fal l
[Taxus haccata), der ganz Europa von Skandinavien bis zur Sierra
Nevada bewohnt. Bei den Tannen zeigt sich die Abhängigkeit von
klimatischen Einflüssen noch bestimmter. Man darf vielleicht annehmen,
dass die Coniferen um so höher in das Gebirge ansteigen,
j e kürzer die Entwickelungsperiode der einzelnen Arten ist. Nun
ist es auffallend, dass die Rothtanne, die Fichte des Nordens, über
die Alpen hinaus im Süden nirgends wiederkehrt und im Mittelmeergebiet
durch die Edeltanne (P. Picea L.) ersetzt wird. Wir werden
sehen, dass, wo die Gebirge Südeuropas auch hoch genug 'sind und
die Schneelinie beinahe erreichen, dieselben doch in demjenigen Ni -
veau , welches der Fichtenregion der Alpen klimatisch entspricht,
keine' Wälder mehr hervorbringen können. Die Edeltanne '.aber bewohnt,
wie in Mitteleuropa, auch hier mit der Buche gleiche Höhen
uDd bildet daher ebenso oft wie diese die Baumgrenze des Gebirgs.
J a sie hat, wenn man nach der Mannigfaltigkeit ihrer Variationen
auf den östlichen Halbinseln urtheilen da r f , auf diesen südlichen
Bergen den günstigsten Schauplatz üires Gedeihens. Die Pinsapo-
Tanne [P. Pinsapo) ist dadurch merkwürdig, dass s ie, wiewohl
gleichfalls zu Wäldern vereinigt, sich von ihrer ursprünglichen Heimath
fast gar nicht entfernt hat. Von dieser Tanne kannte man
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