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320 III. Mittelmeergebiet. Succulcntcii. 321
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milie ist. In dieser Pflanzenform geht zwar der Stamm der Palmen
gewöhnlich ganz verloren und wird zn einem grösstentheils nnterirdischen
ITolzgeritst, aber die Rosette langgestielter, immergrüner
Blätter, die dasselbe zu stützen hat, ist ebenso wie bei jenen gebildet
nnd gleicht ihnen in dem ausgespannten, tief getheilten ümriss.
Zuweilen erzeugt die südenropäische Zwergpalme {C/mmaerops humilis)
wohl einmal ausnahmsweise einen niedrigen Holzstamm [var.
arhorescens), aber wo diese Pflanzenform mit Ausschluss fast jeder
anderen Vegetation gesellig verbunden ist und oft über weite Strecken
sich ausdehnt, beruht die Physiognomie der Landschaft darauf, dass
die gedrängten, einige Fuss hohen Rosetten von schirmförmig getheilten
Blättern fast unmittelbar dem Boden entsprossen scheinen.
Am häufigsten ist die Zwergpalme, die man in Spanien Palmito nennt,
in Andalusien nnd Nordafrika. Man sollte denken, dass sie, schon als
einheimisches Gewächs und weil ihre Organisation manche Vortheile
vor den hochstämmigen Palmen voraus hat, dem Mediterranklima
besser entspräche nnd ein grösseres Gebiet umfasse, als die Kultur
der Dattelpalme. Allein dies ist durchaus nicht der Fall, sie steigt
nicht höher in das Gebirge nnd geht nicht einmal so weit nach Nordosten.
Beide Palmen sind auf die immergrüne Region eingeschränkt
und der Palmito soll am Aetna sogar in einem tieferen Niveau aufhören,
als der Dattelbaum78). An einigen Küsten, wo die Zwergpalme
von älteren Schriftstellern erwähnt ward, scheint sie verschwunden
zn sein, nnd ihre Polargrenze ist so unregelmässig, dass
man annehmen möchte, sie sei von örtlichen Einflüssen noch abhängiger
als vomKhma oder reiche nicht so weit nach Norden, als dieses
gestatten würde. Dies ist besonders auffallend am tyrrlienichen
Meere, wo sie auf der kleinen Insel Capraja besonders üppig gedeihen
soll und auch am Argentario^») in den Maremmen von Toskana
, sowie an einzelnen Punkten der Riviera vorkommt, dagegen
weder in Südfrankreich, noch auf Korsika, das doch so viel südlicher
liegt. Von Algarvien verläuft die Polargrenze des Palmito längs der
Sierra Morena nach Valencia und umfasst, abgesehen von einzelnen,
jenseits gelegenen, sporadischen Standorten, nur die Balearen, den
südlichen Theil Sardiniens und die neapolitanische Küste nebst Sicilien;
am adriatischen Meere reicht sie in Italien bis Brindisi. An
der albanischen Küste wird sie noch einmal, zwischen Durazzo nnd
Valona erwähnt, die wenigen, weiter ostwärts gelegenen Standorte
sind zweifelhaft.
Von sncculenten Gewächsen ist die Cactusform, bei welcher die
Blätter durch saftreiche Stämme ersetzt werden, in den südwestlichen,
d e r S a h a r a benachbarten Gegenden ursprünglich eine äusserst
seltene Erscheinung gewesen. Denn sie wird nur durch zwei blattlose
Salsoleensträucher in der spanischen Salzsteppe, sowie durch
eine den Stapelien des Kap verwandte Asclepiadee [Apteranthes] vertreten,
von deren vereinzeltem Vorkommen bei den Vegetationscentren
die Rede sein wird. Gegenwärtig aber ist die Cactusform
ein wichtiges Glied der Mediterranflora geworden. Die Dürre sonnigen
Felsbodens ist es, wo in Amerika, der Heimath der Cacteen,
diese Familie zur grössten Mannigfaltigkeit des Baus sich entwickelt,
und unter diesen Bedingungen haben die indischen Feigen, nachdem
sie schon zur Zeit der Eroberung Mexikos nach Spanien verpflanzt
waren, eine grosse Bedeutung für die Physiognomie der südwestlichen
Landschaften gewonnen und in geselligem Wachsthum sich auch
weiterhin an den Küsten des Mittelmeers freiwillig angesiedelt, so
dass sie gegenwärtig den einheimischen Gewächsen gleichstehen und
namentlich in Andalusien, Nordafrika und Sicilien weite Landstrecken
bekleiden. Der Zweifel, ob eine Pflanzenform, deren heutiges Wohngebiet
im Westen bis zu den warmen Thälern der südlichen Alpen,
im Osten bis Palästina und Arabien sich erstreckt, nicht sclion vor
der Entdeckung Amerikas in der alten Welt bekannt gewesen sei,
ward von Schouw durch die Untersuchung der pompejanischen
Wandgemälde besei t igt , aus denen sich der Charakter der italienischen
Vegetation zur Zeit des römischen Alterthums erkennen lässt.
Aber es fehlt auch nicht an historischen Zeugnissen über die Einführung
der indischen Feigen nach Europa, die wegen ihrer essbaren
Früchte und da sie durch ihr Wachsthum und ihre Dornen sich
eignen, ein sicheres Gehäge herzustellen, häufig angepflanzt wurden,
und in der Folge anfingen, auf günstigem Boden die einheimische
Vegetation zu verdrängen. Unter den verschiedenen Stammformen,
die den amerikanischen Cacteen eigen sind, ist in der xMediterranflora
nur die der Opuntien heimisch geworden, die sich vom Bodoi aus
verzweigt, und deren flache, blattähnliche Stengelglieder wie die
Abschnitte einer Kette an enuinder gereiht sind. I^Inn unterscheidet
(j risobacli , Yogolatiou dor'Krcle. 1. 21
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