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250 III. Mittelmeergebiet.
der immergrünen Region tiefer liegen, als in Spanien, beschränkt
sich die Mediterranflora häufig auf anmuthige Thaleinschnitte und
enger begrenzte Litoralbildungen. Das Klima der Gebirgsregionen
selbst ruft in den nördlichen Provinzen Portugals, wie auf den höchsten
Erhebungen Spaniens, dieselben nordeuropäischen Pflanzenformen
hervor, von deren Lebensbedingungen im Süden bei Italien
die Rede sein wird.
Die einzige Landschaft Spaniens, wo die Vegetation wenig
Eigenthümliches darbietet, ist Catalonien. Wiewohl die Pyrenäen
sie ebenso bestimmt von dem südlichen Frankreich trennen, als dies
in Aragonien und Navarra der Fall ist, so hat diese Gebirgskette .hier
doch auf die Vertheilung der Pflanzen keinen bemerklichen Einfluss.
Die catalonische Flora stimmt mit der von Roussillon und Langüedoc
fast ganz überein Das ähnliche Klima und der Zusammenhang
der Küste liegen dieser Erscheinung zu Grunde. Ebenso steht die
südfranzösische Flora längs des ligurischen Litorals mit der italienischen
in Verbindung. Die Grenzen dieser ebenso reichen, als eigenthümlichen
Vegetation scheinen in Spanien auch die Küste von Valencia
einzuschliessen , in Italien umfassen sie ein schmales Litoral
bis zu den Maremmen von Toskana. Aber im Süden von Valencia
nimmt die Flora immer mehr eigenthümliche Bestandtheile auf, je
wärmer und trockener das Klima wird, während Jn Toskana die
Mannigfaltigkeit der ligurischen Vegetation rasch verschwindet, weil
hier im entgegengesetzten Sinne der Sommer feuchter und der Winter
kälter ist"). Dass nun aber auch im Rhonegebiet die Mediterranflora
weiter nach Norden rückt, als in Italien, dass gerade hier durch
die Alpen und Cdvennen eine der schrofi'sten Vegetationsgrenzen von
ganz Europa entsteht, bedarf einer ausführlicheren Erörterung.
Nirgends kennen wir einen plötzlicheren Uebergang aus einem
Florengebiet in das andere, als da, wo zwischen Montelimart und
Orange (44 o 25' N. B.) im Rhonethal die Olivenkultur beginnt.
Der Eindruck ist um so bedeutender, weil man nicht, wie beim Eintritt
in Italien, die Alpen überstiegen hat, sondern die südlichen
Pflanzenformen der Mediterranflora in der engen Thal ebene von
Donzere unmittelbar mit der Vegetation des nördlichen Europas zusammentreifen,
und zwar in solcher Fülle, dass man in Frankreich
über 600 Gewächse zählt i»), die auf das Dreieck zwischen Nizza,
Mediterranklima Südfrankreichs. 251
Orange und Perpignan eingeschränkt sind. Gerade da, wo dieser
Berührungspunkt zweier Florengebiete liegt, wird eine plötzliche
Abnahme des Sommerregens beobachtet 19), hier, wo Cevennen und
Alpen am nächsten zusammentreten, ist der Ursprung jenes herrschenden
Thalwindes, der, als Mistral bekannt, der Provence ihr
trockenes Klima verleiht. Wiewohl das südliche Frankreich in einzelnen
Wintern von strenger, aber rasch vorübergehender Kälte 20)
betroffen wird, so beträgt doch der Wärmeunterschied der heissesten
und kältesten Monate in Nizza durchschnittlich nur etwa drei Grade
mehr, als in Lissabon i^). Das Klima der Mittelmeerregion ist hier
also vollständig ausgeprägt, die Lage der umschliessenden Gebirgsketten
bewirkt, dass in diesem längs der Küste geöff"neten Bassin der
Passatwind des Sommers weiter nach Norden reicht, als zu beiden
Seiten, als im Bereich der Cevennen und Alpen. Aber dieser Wind
erhält hier zugleich einen eigenthümlichen Charakter, seine Richtung
wird durch die Pyrenäen und andere Einflüsse abgelenkt zum Nordwest,
oft steigt seine Heftigkeit zu stossweise wirkendem Sturm und
auch in den übrigen Jahrszeiten, auch im Winter wehen ganz ähnüche,
trockene Luftströme vom Gebirge zur Küste, der Mistral beherrscht
das Klima überall, wo die Seealpen keinen örtlichen Schutz
gewähren. Den Brustkranken, die der milde Winter in Hyeres und
Nizza versammelt, gereicht die trockene Luft dieses Windes zum entschiedensten
Nachtheil, nur das völlig geschützte Mentone ist eine
Zuflucht, ihm zn entgehen. Im Rhonethal,, zwischen Orange und
Avignon sieht man alle Cypressen von diesen so häufig wiederkehrenden,
stürmischen Winden bogenförmig nach Südost gekrümmt.
In Marseille weht der Mistral durchschnittlich 176 Tage im Jahre,
im Winter ebenso oft wie im Sommer 2i). Dieser Wind, der freilich
den Reiz des Klimas in diesem Lande so sehr beeinträchtigt, ist doch
eine Hanptursache von der Milde desselben, von dem Schmuck dieser
blüthenreichen Vegetation. Denn wenn er im Winter und Frühling
weht, stets von heiterem Himmel oder nur leichtem Gewölk begleitet,
wirkt die Sonne auch in diesen Jahrszeiten schon mächtig auf die
Temperatur ^2). Dass der Januar in Nizza beträchtlich wärmer ist,
als in Florenz oder Lucca, dass die Mediterranflora an der Südseite'
der Seealpen so viel höher emporreicht, ist Italien gegenüber nicht
bloss aus der westlicheren Lage, nicht bloss von der schützenden