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4 1 0 IV. Steppengebiet.
Sommer unterworfen sind und der Waldgürtel erst in grösserer Höhe
beginnt. Durch den orographischen Zusammenhang der Bergketten
an den Grenzen des Tief- und Hochlands ist der Wanderung nordischer
Gewächse die Bahn geöffnet, auf welcher gewisse Arten,
selbst von Bäumen, aus dem fernen Westen bis zum Himalaja gelangt
sind. Auch am Fusse des Kaukasus und des Elborus scheiden
sich vom Tieflande der Steppen zwei kleinere, eigenthümliche Abschnitte
aus, die den üebergang zu den europäischen Floren vermitteln,
das Flussgebiet des Kur in Transkaukasien und die Südküste
des kaspischen Meers, beide durch einen abweichenden Verlauf der
Jahrszeiten ausgezeichnet.
Aus den meteorologischen Beobachtungen im russischen Armenien
geht hervor, dass die Luftströmungen der Steppe über
den Kaukasus hinwehen und der nordöstliche Sommerpassat die
jenseitigen Hochlande ungebrochen erreicht. Zwischen den armenischen
Randgebirgen und dem Kaukasus sind die beiden grossen
Thaleinschnitte Transkaukasiens eingeschaltet, der östliche des Kur
und der westliche des Rion, von denen der letztere bereits als ein
Glied der pontischen Flora berücksichtigt wurde. Die mesgische
Kette, welche diese Thäler scheidet und beide Hochgebirge verbindet,
ist hier die scharfe Vegetationsgrenze zwischen zwei Klimaten,
von denen das östliche oder georgische abwärts bis zum kaspischen
Meere dem Steppengebiete angehört. Die Wälder an dem westlichen
Abhänge der mesgischen Bergkette sind unvergleichlich üppiger, als
die georgischen; die immergrünen Holzgewächse fehlen im Osten
der Wasserscheide, die Olive kommt bei Tiflis nicht mehr fort.
Allein durch die nahen Hochgebirge, welche Georgien und Schirwan
von Norden und von Süden umschliessen, erfährt in diesen Thälern
auch das Steppenklima eigenthümliche Abänderungen. Die Jahreswärme
ist am Kur geringer, als am Rion, indem die Kälte gegen
Osten in höherem Grade zunimmt, als die Sommerwärme steigt, aber
der Winter ist doch weit gelinder , als in den übrigen kaspischen
Steppen, und entspricht in Baku etwa dem des nördlichen Italiens.
Noch viel abweichender aber vertheilen sich die atmosphärischen
Niederschläge, die in Georgien den Sommer hindurch am häufigsten
fallen, während gegen die Küste des kaspischen Meers die Dürre zunimmt
und im Sommer am grössten ist. In Georgien sind daher alle
Transkaukasien. — Kaspische Südküste 4 1 1
Bedingungen für die Aufnahme von Pflanzen Mitteleuropas vorhanden,
und diesen Charakter zeigen auch die gemischten Laubwälder
an den südlichen Ausläufern des Kaukasus 24). Da ferner die Sommerwärme
ungefähr der Siciliens gleichsteht, so fehlt es auch an
Gewächsen der Mediterranflora nicht, die noch zahlreicher sein würden,
wenn der Winter nicht noch länger dauerte, als in der Lombardei.
Gegen das kaspische Meer hin aber geht die Vegetation in
die reinen Steppenformationen über, weil die Trockenheit der Luft
zu gross wird und die Sommerregen aufhören. So können wir im
Kurgebiete den Üebergang von drei Floren verfolgen, deren Bestandtheile
es vom Kaukasus, von Kleinasien und aus den Steppen entlehnt,
und da dasselbe von Gebirgen eingeschlossen wird, ist es zugleich
mit endemischen Erzeugnissen ausgestattet. Die Ursachen
einer so abgesonderten klimatischen Stellung sind mannigfaltig. Der
Sommerpassat entladet die Feuchtigkeit, die er aus der Verdunstung
des kaspischen Meers empfängt, an den Nordgehängen des Kaukasus
in Daghestan : in den Steppen am unteren Kur wurde daher die Luft
ungemein trocken gefunden. Die Sommerregen Georgiens sind wohl
nur eine Folge von dem reicher gegliederten Relief dieses Landes
und den Niederschlägen in den Gebirgen des Steppengebiets an die
Seite zu stellen. Dass hingegen die Aequatorialwinde des Winters
von heiterem Himmel begleitet sind, ist daraus zu erklären, dass sie
von dem hohen Tafellande Armeniens herabwehen, ihier ihre Feuchtigkeit
verloren haben und sich in dem tiefen Thaleinschnitt erwärmen.
Die Polarströmungen, die vom kaspischen Meere kommen,
s i n d hier verhältnissmässig feuchter, als diejenigen Winde, die den
Einfluss des excessiven Plateauklimas erfahren. Es herrscht der
entschiedenste Gegensatz gegen den Schneefall an der Ostseite des
Binnenmeers, wo die westlichen Winde des Winters dessen Feuchtigkeit
mit sich führen.
Eine noch viel auffallendere Wirkung vom Wasserdampf de&
kaspischen Meers erfährt dessen Südküste, deren feuchtes Klima
jenseits der Kurmündung den schroffen üebergang zur Flora von
Talüsch hervorruft und die eigenthümliche Stellung des persischen
Litorals von Gilan und Masenderan bedingt. Hier wehen die Seewinde
senkrecht gegen die steil aufsteigende Elborus-Kette und entladen
die Feuchtigkeit des kaspischen Meers in mächtigen Regenf
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