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398 IV. Steppengebiet.
über das ganze Jahr gleichmässiger vertheilen. Man muss annehmen,
(lass der Passatwind der Trepen um so höher in die Atmosphäre
hinaufreicht, je melir er sich dem Aspirationsgürtel nähert. Der
Pik von Teneriffa (28 ^ N. B.) ist hoch genug (11440 Fuss), um in
den Antipassat hinaufzuragen. Die Apenninen und andere südeuropäische
Gebirge sind, weil sie in einer Breite liegen, wo die
Höhe des Sommerpassats bereits sehr gemindert ist, ungeachtet ihrer
weit geringeren Erhebung geeignet, diese Luftströmung nordwärts
abzuschliessen. Auf die russischen Steppen hingegen kann die Aspiration
Afrikas bis zu einer viel höheren Breite wirken. Hier weht
der Sommei'passat über das ägäische und schwarze Meer j ausser in
Anatolien hemmt ihn keine Gebirgsschranke, die den Antipassat auffangen
und die Mischung beider Luftströmungen einleiten könnte. So
rückt mit dem Passatwinde der regenlose Sommer an der Wolga
(53*^ N. B.) bis zu der höchsten Breite, ebenso weit nach Norden,
wie irgendwo in Asien. Dass aber weder der anatolische Taurus
noch der Kaukasus eine hemmende Wirkung auf die Ausdehnung
des Raums äussere, der vom Sommerpassat beherrscht wird, scheint
darin seinen Grund zu haben, dass über den Hochflächen Vorderasiens
die Bahnen der beiden Luftströmungen in grösserer liöhe sich
bewegen, als über dem mittelländischen Meer, weshalb auch in den
unteren Schichten der Atmosphäre der Nordostwind oft gar nicht
bemerkt wird.
Der Einfluss Afrikas und Arabiens auf die Ausdehnung des
Sommerpassats zu höheren Breiten reicht der geographischen Lage
gemäss ostwärts bis zu den Gebirgen, die das chinesische Centraiasien
von Buchara und der Kirgisensteppe trennen. Persien und
Afghanistan liegen Arabien und Sudan noch nordöstlich gegenüber,
aber jenseits des persischen Meerbusens beginnt das Gebiet der indischen
Monsune, die den grössten Theil des östlichen Asiens beherrschen.
Wenn nur die eine der beiden Tropenzonen dem Festlande
sich öffnet, die andere dem Ocean angehört, erweitert sich der
Raum, über welchen nach den Jahrszeiten der Aspirationsgürtel sich
bewegt, bis zu höheren Breiten, weil der Kontinent im Sommer stärker
erhitzt, im Winter bedeutender abgekühlt wird, als das Meer. Der
halbjährige Wechsel von Nordost- und Südwestwinden ist die Folge
dieses Verhältnisses in Asien. Die Monsune dieses Kontinents be-
Gliederung der Steppenflora. 399
ruhen eigentlich nur auf der gesteigerten Ausweichung des aufsteigenden
Luftstroms, der über allen drei Kontinenten und hier auch
über dem indischen Ocean zu beiden Seiten des Aequators sich dem
Stande der Sonne gemäss verschiebt, aber in Afrika weniger weit
nach Norden wandert, als in Asien. Der Uebergang ist, wie die
Konfiguration der Küsten es fordert, ein plötzlicher. Während
Arabien den tropischen Sommerregen nur an seinen südlichen Küsten
(bis 15« N. B.) empfängt, reichen dieselben in Punjab bis zum
Himalaja (32 O). Ueber die Breiten, welche Afrikas wüste Passatzone
einnimmt, ist in Indien die Quelle tropischer Fruchtbarkeit ausgeschüttet.
Während dort zwischen dem Sommerregen Sudans und
dem Winterregen des Mittelmeers die breite Sahara eingeschaltet ist,
bleibt am Ganges kein Raum für regenlose Landschaften übrig. Die
tropische Regenzeit Indiens reicht ebenso weit nach Nordwesten,
wie der Winterregen Afghanistans nach Südosten. Der indische
Kamm des Himalaja ist die Südgrenze nicht eines ununterbrochen
wehenden, sondern nur eines Sommerpassats, der sich in nordöstlicher
Richtung über ganz Hochasien bis zur Gobisteppe wenigstens
in einzelnen Andeutungen bereits nachweisen lässt, aber in den unteren
Luftschichten nicht immer bemerklich ist. Hochgelegene
Steppen, die im Winter oder Frühling befeuchtet werden, sind bis zu
den Grenzen Sibiriens und des chinesischen Tieflandes innerhalb der
vielfach verzweigten Gebirgsketten über Centraiasien ausgebreitet.
Ein neues Vegetationsgebiet beginnt erst da, wo die Erhebung des
Himalaja aufhört und die Tiefländer Hinterindiens und Chinas durch
die plastische Bildung ihrer Oberfläche weniger geschieden sind.
Hier erst erreicht die Ausweichung des Aspirationsgürtels die höchste
Breite (45 o), und der Wechsel der Monsune kommt daher der gemässigten
Zone in weit grösserem Umfange, als anderswo, zu Statten.
Aber die Aspiration scheint in China- durch die nordwestlich vorliegende
Gobisteppe so abgelenkt zu werden, dass in dem jenseitigen
Amurgebiete kein Sommerpassat zu Stande kommt.
Die klimatische Einförmigkeit des Steppengebiets, dessen
Pflanzenformen auf so weiten Räumen denselben Charakter bewahren,
lässt doch eine höchst mannigfaltige Gliederung einzelner Abschnitte
zu, die als engere Florenbezirke nun zu betrachten sind.
Diese Absonderungen, die am Mittelmeer durch trennende Küsten-
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