
III. j\Iittclmeorgobiot.
Grundlage ist in einem grossen Tlieile des Mittelmeergebiets einförmiger
; harte Kalkgesteine, die häufig vorherrschen, sind weniger
geeignet, zu fruchtbaren Erdkrumen zu verwittern, und die Bewegung
der Nahrungsstoffe erleidet jedes Jahr in den dürren Monaten einen
Stillstand, wenn das fiiessende Wasser zu versiegen droht. Wie
nachtlieilig solche Einflüsse wirken, zeigt sich in den örtlich oft so
nahe gerückten Gegensätzen höchster Ergiebigkeit des Bodens und
öder Wüstenei, wovon Spanien zahlreiche Beispiele liefert. In den
durch Natur oder Kunst reicher bewässerten, freilich nur sparsam
über Südeuropa vertheilten Alluvialebenen~ sind die Felder noch
ebenso fruchtbar, wie zu den Zeiten der Römer und Araber. In der
Lombardei, deren Erdkrumen aus den Quellgebieten der Alpenflüsse
unaufhörlich erneuert werden, ist, wie schon der ältere Saussure als
denkwürdige Thatsache anführt, keine Abnahme der Fruchtbarkeit
seit den ältesten Zeiten nachzuweisen®^).
Die einheimischen Gewächse des Mittelmeergebiets ordnen sich
nur zu drei Hauptformationen, die den grössten Theil des nicht
beackerten Bodens einnehmen^ zu Wäldern, Gesträuchen und offenen
Matten. Im Spanischen werden sie am deutlichsten durch besondere
Bezeichnungen unterschieden : hier bedeuten Monte die bewaldeten,
Montebaxo die mit Gebüsch bekleideten, Tomillares die offenen, mit
Kräutern und Halbsträuchern bewachsenen Abschnitte der Landschaft.
Der spanische Montebaxo entspricht den Maquis Korsikas,
den Garrigues Südfrankreichs, die man in Italien Macchie nennt.
Auch im Griechisclien hat man eine charakteristische Bezeichnung
für die Tomillares : während man sie in Spanien nach den Labiaten
benennt, die ihren Duft in die Luft ausströmen, heissen sie in Griechenland
Xerovuni, weil die trockenen Hügel von solchen Matten
bedeckt sind . Diese Namen lassen sich sowohl auf die immergrüne
Region aller Halbinseln, als auch auf die Berglandschaften übertragen,
aber da die deutschen Ausdrücke in den beiden anderen Fällen genügen,
habe ich nur des bekannteren der Maquis zur Bezeichnung
der Gesträuchformationen mich bedient. In Spanien gewinnen ausserdem
die Formationen der Steppe eine besondere Bedeutung, die denen
des südlichen Russlands zu vergleichen sind. Die Wiesen des nördlichen
Europas fehlen dem Süden fast ganz, indem sie nur hier und da als
Seemarschen auftreten und selbst in den meisten Gebirgen selten sind.
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Wälder. 329
Die Wälder sind wahrscheinlich doch auf allen vier Halbinseln
noch nicht in dem Grade vermindert, wie in Frankreich. Indessen
fehlt es bis jetzt an statistischen Vergleichungen , so dass nur einzelne
Thatsachen anzuführen sind, auf die ich diese Meinung gründe.
Die Gebirge scheinen im Westen noch ziemlich waldreich su sein;
die Reisenden würden sonst die Kahlheit der Sierra Nevada und des
Atlas nicht als etwas Auffälliges hervorheben. Am Rande des spanischen
Tafellandes fand Willkomm §5) ausgedehnte Nadelholzbestände,
namentlich auf den Idubeden, dem Grenzgebirge von
Aragonien, Valencia und Kastilien ; reich sind sodann an immergrünen
Eichen die malerischen Thalebenen von Estremadura, z. B.
zwischen Plasencia und dem Tajo, ferner die Granitformationen der
Sierra Morena, und an der sandigen Südwestküste Andalusiens erstrecken
sich von Gibraltar bis zur Mündung des Guadiana die schon
erwähnten Hochwälder von Pinien und Korkeichen. Auch Portugal
ist an Waldungen nicht arm zu nennen, wenigstens nicht in den
Hügellandschaften, die dem Tajo nördlich liegen. In Nordafrika
sind am Atlas diejenigen Abhänge nicht ohne Wald, welche gegen
den trockenen, von Spanien kommenden Nordwestwind geschützt
liegen und desshalb die Feuchtigkeit im Sommer länger bewahren.
In Italien ist der südliche Apennin von den Abruzzen bis Kalabrien
noch jetzt reichlicli bewaldet, auf der griechischen Halbinsel das
nördliche Albanien, Euboea und der Pindus. Endlich besitzt auch
der Taurus im Süden von Kleinasien, sowie der Nordabhang des
pontischen Gebirgs bis zum westlichen Kaukasus zusammenhängende
W^aldregionen.
Es geht aus dieser Uebersicht hervor, dass, wenn auch viele
Gebirge, die ehemals bewaldet waren, gegenwärtig kahl sind, doch
die höher gelegenen Landschaften in dieser Beziehung vor der immergrünen
Region einen gewissen Vorzug bewahrt haben. Dieser
Unterschied aber wird dadurch noch bemerklicher, dass grosse, geschlossene
Hochwälder an den Küsten äusserst selten sind, da die
immergrünen Bäume meistens lichte Bestände bilden und denen des
Nordens an Höhe des Wuchses nachstehen. Aber auch in den Gebirgen
ist zerstreutes und niedriges Wachsthum der Stämme sehr
gewöhnlich. Dadurch werden beispielsweise die dichten La/icio-
Wälder von CuencaS^) den mit Juniperus-Stämmen nur schwach
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