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282 III. Mittelmeergebiet.
tungen über die Wachsthurnsperiode der Pflanzen sind, theils sich
auf die klimatischen Messungen beziehen, denen ich die Mitteltemperatur
des betreffenden Jahresabschnittes, soweit sie bekannt
ist, beifüge :
B Monate.
5 Monate.
4 Monate.
Nizza. Jan. — Juni = 10^ R.
Lissabon. Jan. — Mai = 11 1.
Cadix. Jan. — Mai = l H.
Madrid. März — Juni = 12^2.
Dalmatien. Febr. — Mai.
Janina. März — Juni. 10'^.
Cypern. Jan. — April.
3 Monate. Algier. Jan. — März. 10 I.
2 Monate. Konstantinopel. April, Mai. 10^,4.
Man erkennt aus dieser Üebersicht, dass die Mittelwärme der ersten
Vegetationsperiode nur geringen Schwankungen unterliegt und sogar
weniger hoch ist, als die Phytoisotherme im nördlichen Europa. Der
Frühling des Südens ist blüthenreicher, aber nicht so warm, wie der
Sommer des Norden«. Nur in Syrien würde man einen gleich hohen
Werth erhalten (für Beirut 12^,2 oder 13 ^^ 3, je nachdem die Vegetationszeit
bis zum April oder Mai gerechnet wird). Die Mittelwärniie
dieser Hauptperiode der vegetativen Entwickelung möchte ich als die
Phytoisotherme betrachten, welche die Flora des Mittelmeergebiets
als gemeinsames, klimatisches Moment verbindet. Die Unterschiede
in den Vegetationsbedingungen der einzelnen Länder liegen hauptsächlich
in der ungleichen Dauer der Entwickelungsperiode. Die
längste Vegetationszeit hat die ligurische Küste, wo die Niederschläge
ei'st im Juli aufhören, die kürzeste Algier und Konstantinopel, wodurch
die Nähe der Sahara sich ausspricht und die Aufnahme von
Steppenpflanzen in der thracischen Flora erklärlich wird. Allein
gerade am Bosporus ist die kurze Frühlingsblüthe durch eine längere
Herbstperiode ausgeglichen. Ueberall erkennen wir, dass in der
Abstufung der Dauer, der Vegetationszeit die klimatische Ursache
liegt, wodurch Wanderungen der Mediterranpflahzen beschränkt
wurden. Bei grosser Aehnlichkeit in den Vegetationsformen und
Formationen und grossen Verbreitungsbezirken gewisser Arten sind
doch die Erzeugnisse der einzelnen Halbinseln in weit höherem Grade
abgesondert, als im nördlichen Europa. Eine grössere Reihe von
Immergrüne Laubliölzer. 283
Vegetationscentren lässt sich hier noch in ihrem ursprünglichen Verhältniss
nachweisen.
Vegetationsformell. Der bedeutendste Charakter, durch
den sich die Mediterranflora von der nordeuropäischen unterscheidet,
ist das immergrüne Laubblatt der Holzgewächse, welches, m den
feuchteren Tropenlandschaften vorherrschend, in höheren Breiten
bis hieher wenigstens an gewissen Bäumen sich findet und im Gesträuch
noch allgemeiner ist. Zwar haben wir die immergrünen
Laubsträucher selbst noch in der arktischen Flora angetroffen und
gesehen, wie sie auch an den atlantischen Küsten des westlichen
Europas gedeihen, während das kontinentalere Klima der östlicher
gelegenen Meridiane sie in der alten Welt fast völlig auszuschliessen
scheint. Aber im Süden stehen sie unter neuen Lebensbedingungen,
und die immergrünen Laubholzbäume der Lorbeer- und Olivenform
erreichen fast sämmtlich in dem Gebiete des Mittelmeers ihre äusserste
Polargrenze. Alle diese Formen, sowohl die hochstämmigen als die
vom Boden aus verzweigten, stimmen in dem starren Gefüge ihrer
Belaubung überein, dessen Eigenthümlichkeit bereits darauf zurückgeführt
wurde, dass die Ablagerungen fester Inkrustationsschichten auf
der Oberhaut verstärkt sind oder doch einen höheren Kohaesionsgrad
besitzen, und dass, da das Gewebe wenig saftreich ist, den Blättern
bald die Biegsamkeit des Leders, bald die Sprödigkeit des Pergaments
zukommt. Damit ist zugleich verbunden, dass die meisten
dieser Holzgewächse durch reiches, tiefes Grün und durch den Glanz
der geglätteten Blattfläche geschmückt sind. Die Menge der Saftkügelchen,
wodurch die intensive Färbung vermittelt wird, beweist
den energischen Trieb, in einem so günstigen Klima reiche Bildungsstoffe
zu erzeugen, und die ebene Fläche der Oberhaut macht diese
durchsichtig genug, das Grün des inneren Gewebes lebhaft in die
Erscheinung treten zu lassen. Durch die Grösse der Oberfläche aber
unterscheidet sich dieses immergrüne Laub von der Blattnadel der
Goniferen, und diese Ausbreitung der der Luft und dem Lichte ausgesetzten
Gewebtheile verschafft ihnen einen erweiterten Spielraum,
die atmosphärischen Nahrungsstoffe in organische Bildungen umzuwandeln.
So würde das dunkle, glänzende Laub der Orange sich
das ganze Jahr hindurch erneuern, es würden zugleich in steter Folge
sich Blüthen und Früchte gleichzeitig entwickeln, wenn der Boden
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