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438 IV. Steppengebiet.
den weiten mongolischen Hochebenen der Gobi keine Städte gegründet
wurden, sondern, wie in der Kirgisensteppe, mir wandernde
Hirtenvölker umherschweifen.
Dass in diesen mittleren und östlichen Theilen der Gobi ebenfalls
Wüsten und Steppen mit einander wechseln, ist wahrscheinlich.
Aber die Nomadenbevölkerung von mongolischen und türkischen
Stämmen, die eben von der Gobi aus zu wiederholten Malen in die
Kulturländer des Westens, wie des Ostens erobernd einbrachen, ist
viel zu zahlreich, als dass man nicht den Steppen und Weideländern
einen viel grösseren Umfang, als der Wüste, zuschreiben müsste.
Ohnehin wiederholen sich die Sandwüsten Hochturkestans nur selten
in den östlicher gelegenen Gegenden, wo die steinige und felsige Beschaffenheit
des Bodens bis nach Daurien überwiegt §6]. Auf dem
Wege von Kiachta nach Peking wurde die Gobi zwar streckenweise
wasserlos gefundeli, aber doch nur auf wenigen Tagemärschen, und
selbst hier von Weideplätzen mit Grundwasser in geringer Tiefe
unterbrochen. Timkowski^^) zog diese Strasse sowohl im Winter als
im Sommer; nach seinen Angaben scheinen die klimatischen Verhältnisse
denen in den Aralsteppen ähnlich zu sein. Es ist anzunehmen,
dass auch in der mongolischen Gobi das Relief und das
Verhalten des Wassers zum Boden für die Vegetation massgebend
sind, und dass in dem eingesenkten Räume die Wüste über die Steppe
die Oberhand gewinnt. Auf jener Strecke liegt die Mitte tiefer, als
die Ränder, und ist eben hier 17 g. Meilen breit wüst. Auch in den
Gegenden, wohin im Südosten von Hami mehrere versiegende Flüsse
sich wenden, wo also das Niveau sich senken wird, soll wasser- und
pflanzenlose Wüste sich ausbreiten s^).
Der Vegetationscharakter der daurischen Hochsteppen ist dem
der Kirgisensteppe ähnlich §8), wenngleich die Bestandtheile der Flora
sehr verschieden und darunter viele endemische Arten enthalten sind.
Die Tulpen Orenburgs werden durch Iris-Arten (/. halophih), die
Steppengräser durch neue Formen ersetzt [Elymus pseudoagropyrum);
die Stauden zeichnen sich durch schmale Blätter aus, aber im Gegensatze
dazu findet sich auch hier, wie fast im ganzen Umfange des
Steppengebiets, das mächtige Rheum: die Rhabarberwurzeln des
Handels sind eben ein eigenthümliches Produkt der Gobi von einer
noch nicht aufgefundenen Art, die in Hochturkestan einheimisch zu
Einfluss des Reliefs auf das Steppenklima. 439
sein scheint. Auch die Dornsträucher fehlen dem steinigen Boden
nicht, der in Daurien fast ohne Humusdecke vorherrscht, sie werden
hier,' wie in der Songarei, durch die bis Tibet verbreitete Gattung
Carlgana vertreten (C. microphylla). In den Senkungen der welligen
Oberfläche endlich herrschen auch hier die Halophyten, die
Chenopodeen und Artemisien, die erst im Herbste ihre Entwickelung
abschliessen. Uebrigens fällt ungeachtet der Schneearmuth des
Winters die Vegetationszeit der daurischen Steppen in den verspäteten
Frühling, im Mai und Juni sind sie mit Blüthen reichlich geschmückt.
üeberblicken wir nun nach der Uebersicht seiner vielfachen
Gliederungen noch einmal das ganze Steppengebiet, so müssen wir
erkennen, dass die austrocknenden Wirkungen des Sommerpassats,
von dem unsere Untersuchung ausging, nicht ausreichen, die übereinstimmenden
Erscheinungen des Pflanzenlebens zu erklären. Zwar
sind es nur wenige Landschaften, wo unter dem Einflüsse der Gebirge
der Verlauf der Jahrszeiten sich ändert und die Entwickelungsperiode
der Vegetation sich verlängern kann, aber die Richtung der
Luftströmungen ist, wenigstens in den unteren Schichten der Atmosphäre,
häufig derjenigen entgegengesetzt, welche die allgemeine
Konfiguration der Kontinente fordert. Wir haben aber ferner gesehen,
dass auch in diesen Fällen der Sommer meist ebenso trocken
bleibt, wie bei herrschenden Polarströmungen, und hierin liegt die
Ursache von der Uebereinstimmung der drei Jahrszeiten in den verschiedensten
Gegenden des Steppenklimas. Die Gegensätze des Reliefs,
die diesen Störungen allgemeiner Verhältnisse zu Grunde liegen,'
erheischen, nachdem sie im Einzelnen betrachtet wurden, nun
zum Schluss noch eine zusammenfassende Erläuterung. Um den
Einfluss des Niveaus auf die Bedingungen der Kultur zu ermessen,
braucht man nur seine Aufmerksamkeit auf die so unregelmässige
und sporadische Vertheilung der Städte in dem Steppengebiete zu
richten, wie sie am Fuss der Gebirge oder an den Flüssen reihenförmig
geordnet, zuweilen sogar zusammengedrängt liegen, und dann
wieder auf den weitesten Strecken, von Orenburg bis Peking, durchaus
fehlen, oder wie sie in den südlichen Hochländern von der Bedeutung
naher Gebirge und von deren schmelzenden Schneemassen
abhängig sind. Im Waldgebiete sehen wir die Fruchtbarkeit in den
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