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388 III. Mittelmeorgebiet.
Gewicht darauf legen, wie sehr die Wälder sowohl in Südeuropa als
in Vorderayien gelichtet und verwüstet sind; so dass diese Nadelhölzer
in den zwischenliegenden Ländern, wo sie gegenwärtig vei*-
misst werden; ehemals vorhanden gewesen sein könnten. Dadurch
würde auch die Schwierigkeit beseitigt, dass der Hindukusch, der die
einzige Verbindungsbahn zwischen dem Himalaja und dem persischen
Elborus bildet, in seinem westlichen Theile gegenwärtig ganz waldlos
sein soll. Allein immer würden doch die durch das ganze Mittelmeer
vom Orient abgesonderten Ceder- und Wachholderwälder des Atlas
und Spaniens als eine räthselhafte Erscheinung übrig bleiben, als
eine geographische Thatsache, die uns nöthigt, entweder Ausnahmen
von der Einheit der Vegetationscentren zuzulassen, oder eine atmosphärische
Verbindungsbahn anzunehmen. Nicht leicht entschliesst
man si()h indessen zu der Vorstellung, dass durch Mitwirkung von
Sturmwinden oder Vögeln keimfähige Samen den weiten Raum zwischen
dem Atlas und Taurus übersclu'eiten konnten, wo keine Gebirge
einen Ruliepunkt bilden, auf denen sie sich hätten entwickeln
können. Nur der Aetna und dei* Taygetus erheben sich zu geeigneter
Höhe, um eine solche atmosphärische Bahn zu erreichen, und
haben doch wohl schwerlicli jemals Cederwälder besessen, deren
etwaige Reliquien aufzusuchen freilich auch nicht unternommen ist.
Zu Gunsten einer historischen Wanderung dieser Coniferen lässt sich
anführen, dass der Samen von Holzgewächsen seine Keimkraft in
vielen Fällen lange bewalirt, dass derselbe bei der Ceder grosse
Flügelanhänge besitzt, die im Winde wie ein Segel getrieben werden,
und dass die Vögel, denen die Beeren des Wachholderbaums
zur Nahrung dienen, dessen wolilerhaltene Keime beherbergen und
zu weit entlegenen Orten, wohin ihre Wanderung sie führt, verpflanzen
können. Eine Grenze, bis zu welchen Entfernungen solche
Wirkungen möglich sind, ist gar nicht anzugeben, und da man weiss,
in wie kurzer Zeit Zugvögel oder Brieftauben Hunderte von Meilen
zurücklegen, oder über wie weite Räume Meteorstaub und vulkanische
Aschen vom Winde getragen werden, so hat man eigentlich
keinen Grund, die Lücken des natürlichen Wohngebiets, wie gross
sie auch sein mögen, mit dem einheitlichen Ursprünge eines Gewächses
als unvereinbar anzusehen, Dass der geographische Abstand
in der Sonderung der Pflanzen eine so bedeutende Rolle spielt
Vergleichung der Vegetationscentren 389
und grosse Lücken des Verbreitungsbezirks nur bei so wenigen Arten
vorkommen, liegt nicht daran, dass es dem Samen an Beweglichkeit
fehlt, sondern ist eine Folge der Schwierigkeiten, die der Ansiedelung
an entfernten Standorten entgegenstehen, wo es nur selten
unter den günstigsten Umständen gelingen kann, die daselbst bereits
vorhandenen Gewächse von dem Schauplatze ihres Lebens zu verdrängen.
Unter diesem Gesichtspunkte sind die Zweifel, welche
gegen die Migrationen durch die Atmosphäre oder über das Meer
aufgeworfen worden sind, nicht gerechtfertigt. Sie stützen sich fast
nur auf negative Beobachtungen dass man aus der Luft keine
Samenkörner niederfallen sehe, dass der Austausch für gewisse Arten
selbst durch schmale Meeresarme dauernd gehemmt sei. Eine einzige,
positive Thatsache wiegt schwerer, sie widerlegt jede Verneinung,
die nur auf die Seltenheit der Gelegenheiten zu wirklichen
Beobachtungen sich stützen kann. Neben den Nachweisungen über
die Mitwirkung der Zugvögel bei der Verpflanzung der Gewächse in
entfernte Gegenden möchte ich daher ein grosses Gewicht auf eine
noch nicht veröffentlichte Beobachtung Berthelof s legen, welche
beweist, wie weit keimfähiger Samen durch den Wind bewegt werden
und an neuen Standorten zur Entwickelung gelangen kann. Auf
den kanarischen Inseln, deren Flora ihm so genau bekannt war, sah
dieser Reisende unmittelbar nach einem heftigen Orkan eine einjährige
Synantheree [Erigeron ambiguus), die in der Mediterranflora allgemein
verbreitet ist, plötzlich an den verschiedensten Standorten
keimen und dauernden Besitz vom Boden ergreifen. Zahlreiche
Samen dieser Pflanze, die vermöge ihrer Haarkrone in der Luft
schweben, waren demnach durch ein ungewöhnliches Naturereigniss
den Inseln aus Afrika oder von Portugal mit einem Male zugeführt
worden.
Von den mannigfachen Ansiedelungen aus fernen Ländern,
durch welche die Mittelmeerflora im Laufe der Jahrhunderte verändert
worden ist, sind diejenigen bereits angeführt worden, welche
auf die Physiognomie der Landschaft einen bedeutenderen Einfluss
haben. In einigen dieser Fälle, wo die Verpflanzung sich auf einzelne
Abschnitte der Mediterranflora beschränkte, sprechen sich in
diesem Verhältnisse die klimatischen Beziehungen zu dem Heimathlando
aus, oder es liegt ihnen auch nur der engere Wechselverkehr
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