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200 IL AValdiiebiet des östlichen Kontinents.
bereichert wird. Aber zwischen dem, wodurch die organische Natur
gestützt, und wodurch sie gehemmt wird, ist ein unendUcher Wechsel
der Beziehungen geboten, und diese Individualisirung der Thäler
und Gebirgsgruppen nach ihrer Lage, ihrer Grösse, ihrer Neigung
und ihren Felsgebildeu steigert den Reiz der Alpenlandschaft, der,
wo man ihn auch geniesst, immer wieder neue, farbenreiche Bilder
liefert. Es wäre vergeblich, einzelne Abschnitte des Gebirgs, wie
sie schon durch den verschiedenen Charakter seiner Bewohner angedeutet
sind, nach Massgabe der gebotenen natürlichen Hülfsquellen
zu unterscheiden: nur ganz im Allgemeinen lässt sich vielleiclit behaupten,
dass die südlichen Alpen weniger, als die nördlichen, begünstigt
sind, und dass beide Seitenketten von der mittleren übertroffen
werden, wenngleich auch sie, da wo sie am höchsten gehoben
ist, im Wallis und in Savoyen, gegen Tirol und Oesterreich weit
zurücksteht.
Begleiten wir die einzelnen Regionen von der Schneelinie bis
zum Fusse der Alpen, so erscheint die grosse vertikale Ausdehnung
der Alpenmatten und ihr Pflanzenreichthum zunächst bemerkenswerth.
Die alpinen Stauden mit dem sie begleitenden Grasrasen,
die auf den Firninseln noch über die Schneegrenze hinausgehen,
gedeihen, wenn auch nach den Arten wechselnd, »abwärts in der
Region der Sträucher bis zum oberen Saume des Waldes, und steigen
auf den Geröllabla-gerungen der Thäler vielfach noch viel tiefer
hinab, während sie von den Bergwiesen der unteren Gehänge grösstentheils
ausgeschlossen sind. Schon diese grossen Niveauabstände sind
eine Ursache der hohen Mannigfaltigkeit in den Bestandtheilen der
Vegetation. Hier wird der Pflanzenfreund durch den anmuthigsten
Blüthenschmuck, durch die reichste Ausbeute erfreut: es ist auf
fruchtbaren, wohl befeuchteten Alpen, wie auf dem Fimberjoch in
Tirol oder der Pasterze am Glockner, nicht schwierig, mehrere Hundert
verschiedener Arten von Gewächsen einzusammeln. Die Form
der Stauden und ihre Anordnung im Gramineenrasen entspricht in
den höheren Lagen den Verhältnissen der arktischen Flora und geht
abwärts allmälig in den höheren Wuchs der Aconitenregion an der
Baumgrenze über. Der öürtel von kryptogamischen Gewächsen an
der Schneelinie fehlt, weil, wie schon bemerkt wurde, im Sommer
die Masse des durch das Schmelzen des Firns gebildeten Wassers in
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den Gletschern und Thalgrüuden gesammelt wird und derjenige Antheil,
der den Humus der Gehänge tränkt, während seiner langsamen
Bewegung sich hinreichend zu erwärmen Zeit hat, um der phanerogamischen
Vegetation bis zum Saume des Schnees und Eises das
Gedeihen zu sichern. Ebenso fehlen nach dem Typus der Bergformen
die Bedingungen zur Versumpfung des Bodens und die Sträucher
ziehen sich grosseutheils an das Ufer der Bäche zurück. Uebrigens
richtet sich die Grösse der Holzgewächse ebenso, wie die der
Stauden, nach der mit der Höhe des Niveaus abnehmenden Vegetationszeit.
Die alpinen Rhododendren, die Alpenrosen, bei denen
eine Fülle rother Blumen in dem dunklen Grün der gedrängten,
immergrünen Blätter prangt, bilden, in den östlichen Alpen mit dem
karpatischen Krummholz verbunden, den unteren Gürtel der Sträucher,
steigen aber auch mit dem Wasser in die Thäler hinab. Weiter
aufwärts sind unter den kleineren Sträuchern auch die Vaccinien und
die Zwergweiden des Nordens vertreten, und zuletzt bleiben nur noch
die Stauden und Gräser übrig.
In der Waldregion ist der obere Nadelholzgürtel von dem abwärts
folgenden Laubholz und namentlich der Buche durch eine
regelmässige Abstufung geschieden. Nicht als ob die Fichte den
unteren Abhängen fremd wäre, die vielmehr auf den Hochflächen am
Fusse der nördlichen Alpen noch ebenso wohl gedeiht, aber von den
oberen Wäldern ist das Laubholz ausgeschlossen. In den südlichen
Alpen ist der Buchengürtel noch bestimmter als untere Waldregion
zu unterscheiden oder bildet, wenn die Nadelhölzer fehlen, einen
Uebergang zu den Regionen des Apennin, wo derselbe an die Baumgrenze
hinaufrückt. In den Thälern endlich, die nach Italien und
Frankreich führen, tritt man zuletzt, ehe die Ebene erreicht ist, noch
in den Gürtel des Kastanienwaldes ein, der allmälig andere, südliche
Pflanzenformen aufnimmt, die unter dem Schutz der Felswände, in
dem warmen Klima der dem Nordwinde entzogenen Gründe nicht
bloss den Saum des Gebirgs schmücken, sondern auch tief in das
Innere dessen Ströme aufwärts begleiten, einzelne von ihnen dieEtsch
bis Bötzen, das Rhone-Ufer bis ins Wallis. So wird der Eintritt in
das' Mediterrangebiet durch anziehende Uebergänge vorbereitet,
bald durch die Wälder, wenn sie, wie im Isonzo-Thal, sich ungestörter
erhalten haben, bald durch die Kultur südlicher Pflanzen, die
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