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45(5 IV. Steppengebiet.
daher auch die Natriumsalze ebenso wenig, wie die erstere Formation,
bewahrt hat, geht je nach der Reinheit der Kieselerde, ans
welcher sie besteht, oder j e nachdem anstehende Gesteine auftreten
und diese leichter oder schwerer verwittern, in die Wiistenbildungen
über, die bald von beweglichen Dünen bedeckt, bald von feiner gekörnten
Erdkrumen entblösst sind, indem die Oberfläche aus dem
nackten Felsboden selbst oder aus Gerollen gebildet wird. Die Salzsteppe
endlich, welche die Natriumverbindungen in grösserer oder
geringerer Menge dem Boden beigemengt enthält, und deren Feuchtigkeit,
von dem Thongehalt der Erdkrume abhängig, nur durch
Verdunstung verloren geht, oder in anderen Fällen sich längere Zeit
erhalten kann, begreift auch die unfruchtbaren Ablagerungen des
Lehms in Turkestan, die in Ermangelung hinlänglicher Vegetation
keinen Humus erzeugen, aber doch vereinzelter Halophyten nicht'
ganz entbehren. Auch die Salzsteppe wird, wenn sie sich über
grosse Räume ausdehnt, zur Wüste, weil ihr Wasser nicht trinkbar
ist und ihre Vegetation zur Weide nicht dienen kann, und auch sie
besteht zuweilen aus anstehendem, unverwittertem Gestein, wenn
dasselbe die Feuchtigkeit zurückhält. Die Weideländer der Nomaden
beschränken sich demnach auf die Grassteppen, und auf dem besseren
Theil der Sandsteppen finden die Heerden auch noch einige
Nahrung.
Die Grassteppe unterscheidet sich da, wo die rasenbildenden
Gramineen vorherrschen, von den Wiesen des Nordens dadurch,
dass der Rasen die Oberfläche des Bodens niemals vollständig bedeckt.
Im Gouvernement Taurien findet man von den Ufern des
Dnjepr bis dicht an die Gärten von Simferopol nirgends grünenden
Rasen von einiger Ausdehnung. Die Gräser wachsen nur fleckweise
und nur auf einem Drittheile der Gesammtfläche : das üebrige
bekleidet sich nur im Frühlinge mit zarten Kräutern, die bald versengt
einen todten Boden zurücklassen. Man besitzt Planzeichnnngen
von Corniess loo) aus den südrussischen Steppen, auf denen das geometrische
Verhältniss des dauernd bewachsenen und nackten Erdreichs
nach der Natur eingetragen ist, ,, sowie die verschiedenen
Pflanzenarten in den einzelnen Rasen durch das Kolorit bezeichnet
sind. Es ergiebt sich aus dieser Darstellung, dass die Güte der
Steppenweide von den Grasarten abhängt, welche vorkommen, und
Grassteppe. 457
es lässt sich aus ihrer, sowie aus der Stauden ungleichmässiger Vertheilung
auf feine Unterschiede in der Bodenmischung schliessen.
Ferner kommt in Betracht, dasa auf dem schlechtesten Steppenlande
die Stauden sich verlieren und der Thyrsa Platz machen, die zur
Weide kaum benutzt werden kann: dagegen scheint das Raumverhältniss
der Rasen zu den nackten Zwischenräumen überall ziemlich
dasselbe zu sein. Man unterscheidet drei Grade des Bodenwerths,
die sich nach dem Gewichte des gewonnenen Heus ungefähr wie
1 •• Vs: Vß verhalten, und die als ergiebigstes, mittleres nnd schlechtestes
Steppenland bezeichnet werden. Auf dem ersteren herrschen
die zarteren Gräser vor [Festuca ovina) und kleinere, nahrhafte
Stauden sind häufig (z. B. Medicago fahata, Thymus). Auf dem
Boden mittlerer Güte wird die Thyrsa zahlreicher und drängt den
feineren Rasen zurück, die Stauden verschwinden, sind aber doch
noch stellenweise vorhanden, und einige bessere Gräser {Triticum)
gedeihen in ziemlicher Menge. Der Boden dritter Klasse erzeugt
fast nur Thyrsa, und die wenigen Stauden, welche übrig sind, werden
als Futterkräuter wenig Werth haben. Aber auch auf dem ergiebigsten
Steppenlande sind die Zwischenräume nackten Erdreichs
so gross, die Gräser so gering im Ertrage, dass die besten Schläge
in den fruchtbarsten Jahren nach dem deutschen Bonitirungssystem
der untersten Klasse der einschürigen Wiesen entsprechen, welche
Thaer mit dem Prädikat «ganz schlecht« belegt (60 Pud Heu oder
etwa 20 Centner auf die Desjätine).
In den nackten Zwischenräumen des Rasens der russischen
Grassteppe sprossen, wie gesagt, nur im ersten Frühjahr einige Gewächse,
die bald wieder in Staub zerfallen und neun Monate lang
den Boden völlig kahl zurücklassen. Auch bei den übrigen, den den
Rasen selbst bildenden Steppenpflanzen, dauert die Vegetationszeit
nur drei Monate, etwa von der Mitte des April bis Mitte Juli, aber
der ausgedörrte Rasen kann doch auch in den übrigen Jahrszeiten,
so lange derselbe nicht mit Schnee bedeckt ist, zur Weide dienen.
Allein weit günstiger, als in diesen flachen Landschaften, sind die
Bedingungen der Viehzucht in den Hochsteppen, wo zwar -die Dornsträucher
den Werth des Bodens verringern, aber die alpinen Matten
der Gebirge und die Wiesen an ihren Gewässern einen Wechsel der
trefllichsten Weidegründe nach den Jahrszeiten gestatten. Was liesse
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