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326 III. Mittelmeergebiet.
beginnt die Bliithe des Acantlius schon im April, zugleich mit der
des weissen Asphodelns und einer gelben Doldenpflanze {Fertila),
deren kräftiger Stengel zuvor zu Mannshöhe aufgeschossen ist. Je
näher die trockene Jahrszeit heranrückt^ desto mannigfaltiger wird
der Blumenflor von Synanthereen und von aromatischen Labiaten,
und, je später sie blühen, desto mehr neigen die unteren Stengeitheile
zur Holzbildung, so dass solche Gewächse, die man Halbsträucher
zu nennen pflegt, sich leichter im Sommer zu erhalten vermögen.
Auch diese Art des Wachsthums gehört zu denen, die in
den Savanen der tropischen Zone noch viel allgemeiner werden und
die Matten der Mediterranflora mit ihnen verknüpfen. So üppig aber
auch und so mannigfaltig die Vegetation dieser Matten unter dem
Einfluss der Feuchtigkeit Averden kann, so ist doch ihr Werth für die
grössere Thierwelt nur gering. Sie scheinen von der Natur viel mehr
für die Insekten, als für die Säugethiere bestimmt zn sein. Nicht
die Hirsche der nordischen Wälder, nicht die Antilopenheerden der
afrikanischen Savanen, sondern Ziegen und Schafe nähren sich auf
den steinigen Weidegründen Südeuropas.
Fassen wir nun zum Schluss die Pflanzenformen der immergrünen
Eegion in einem Rückblicke zusammen, so tritt uns aus ihrer
Gesammtreihe überall dasErgebniss entgegen, wie die Natur bestrebt
ist, in dieser Zone des Winterregens durch allmäligeüebergänge den
Norden mit den tropischen Bildungen zu vermitteln. Allein dies geschieht
in den einzelnen Kontinenten nicht auf dieselbe Weise und
wir werden daher sowohl in Asien, wie in Nordamerika eigenthümliche
Vergleichungspunkte und Unterschiede aufzusuchen und zu erklären
finden. Am Mittelmeer ist die Anzahl der Holzgewächse, die
in den feuchteren Tropenlandschaften den überwiegenden Theil der
ganzen Flora bilden, gegen Mitteleuropa schon bedeutend vermehrt,
und andere Pflanzenformen, wie die Rohrgräser, zeigen, der verlängerten
Entwickelungsperiode entsprechend, eine höhere Kraft, zu
gesteigerter Grösse emporzuwachsen. Auf der anderen Seite sind
aber auch die einjährigen Gewächse in der Mediterranflora an gewissen
Orten überwiegend zahlreichst). Zu der gewohnten Vegetation
der gemässigten Zone treten von tropischen Formen die immergrünen
Laubhölzer und Palmen, von den letzteren jedoch, sofern
man das ursprünglich Gegebene in's Auge fasst, nur der schwache
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Wälder. 327
Abglanz der Zwergpalme. Aber noch viel unbedeutender erscheint
der Antheil tropischer Familien an der Zusammensetzung der Mediterranflora,
wenn mau die Vegetation des östlichen Asiens und der
wärmeren Gegenden Nordamerikas gegenüberstellt. Am Mittelmeer
giebt es nur einzelne Arten von Myrtaceen, Laurineen, Terebinthaceen,
Palmen und Acanthaceen, während in den beiden anderen
Kontinenten solche Uebergänge zu den tropischen Organisationen
viel zahlreicher in die gemässigte Zone eindringen. Es scheint, dass
der breite, afrikanische Wüstengürtel der Vermischung mit den Erzeugnissen
tropischer Klimate entgegenstand, indem die einzige Verbindungsstrasse
mit dem Sudan, die des Nilthals, die Mediterranflora
unmittelbar kaum berührt.
T e g e t a t i o n s f o r m a t i o n e n . Die Physiognomie der Natur ist
durch den Einfluss des Menschen im südlichen ebenso sehr, wie im
mittleren Europa,, aber in anderer Weise geändert worden. Die ursprünglichen
Wälder haben sich in noch weiterem Umfange vermindert,
aber ausgedehnte Baumkulturen, die Pflanzungen von Oel- und
Maulbeerbäumen bieten einigen, gewiss auch klimatischen Ersatz.
In vielen Gegenden hat nicht so sehr der Anbau des Bodens die
Wälder verdrängt, als dessen Vernachlässigung und der Holzbedarf
so vieler Jahrhunderte. Oder wo einst, wie in Sicilien, der Ackerbau
blühte, der immer am vortheilhaftesten auf Kosten des Waldbodens
siel; entwickelt, haben mit den Rückschritten der Kultur nicht
wieder Bäume, sondern andere Gewächse die unbebauten Fluren
eingenommen. Lange Zeiträume hindurch schützen die Wälder sich
selbst, aber, ist einmal dieser Schutz hinweggefallen , so bedarf es
noch viel längerer Perioden, bis die stetige, aber so langsam fortschreitende
Erneuerung der unorganischen Nahrungsstoffe im erschöpften
Erdreich so weit fortgeschritten ist, dass das Baumleben
wieder aufs Neue erwachen und sich verjüngen kann. So ist es
geschehen, dass weit grössere Räume im Süden, als im Norden von
Europa brach liegen und im natürlichen, wie im industriellen Kreislauf
der organischen Bildungen die Quellen des nationalen Reichthums
seit dem Alterthum gesunken sind.
Doch tragen auch ursprünglich gegebene Verhältnisse dazu bei,
ungeachtet des reicheren Klimas im Süden die Wagschale zu Gunsten
des mittleren und westlichen Europas zu senken. Die geognostische
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