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470 IV. Steppengebiet.
werden oft durch magere Gesträuchformatioiien unterbrochen, aber
in den höheren Lagen kommen auch liier reine Buchenbestände vor.
In der Verbreitung der kaukasischen Nadelhölzer ist ein schwieriges
Problem enthalten, welches einer sicheren Lösung sich noch
ganz entzieht. Dass die Coniferen nach dem kaspischen Meere hin
so sehr zurücktreten, ist eine Thatsache, deren U « rsache unbekannt
bleibt, aber viel merkwürdiger würde es sein ^ wenn es sich bestätigte,
dass die orientalische Tanne des pontischen Gebirgs und des
westlichen Kaukasus unter gleicher Breite am Thianschan wiederkehrt.
Auf diesem fernen Gebii-ge Centraiasiens wächst nämlich,
wie auch am Alatau, eine Conifcre, die sich von jener nur durch
längere Nadeln unterscheiden soll und also vielleicht dieselbe ist
P. Schrenh'a7m Dies wäre demnach ein ähnlicher Fall, wie
bei der Ceder, aber noch auffallender, weil nicht bloss eine Verbindung
der entlegenen Wohngebiete über die persischen Gebirge nicht
anzunehmen ist, sondern weil die orientalische Tanne, bis Ossetien
vordringend, wie Ruprecht ausdrücklich bestätigt hat, im östlichen
Kaukasus fehlt, ohne dass man einsieht, was sie hier zurückhalten
könnte. Bei diesem Anlass müssen wir auch noch einmaP^'^) auf den
asiatischen Wachholder {Juniperns foetidissima) zurückkommen, da
auch hier die nämliche Schwierigkeit, die Wanderungen der Bäume
aufzuklären, uns aufs Neue begegnet. Von der Krim geht der
Wachholderbaum über den westlichen und centralen Kaukasus zum
Taurus bis Persien, die äussersten Standorte nach Nordosten sind auf
den Vorbergen der Provinz Karabagh im Süden des Kur nachgewiesen.
Im östlichen Kaukasus scheint er gleichfalls zu fehlen^ wurde aber
dann in Centraiasien vom Himalaja aus nordwestlich bis zum Fontau
bei Samarkand • verbreitet gefunden. D.och soll ein nicht näher bezeichneter
Fundort in Turkomanien, also vielleicht an den südlichen
Ausläufern des Ural, den weiten Abstand beider Wohngebiete vermitteln
Man könnte in solchen Fällen wohl an Hypothesen
denken, die auf Zu tände -in früheren Zeiten zurückgehen, man
könnte bei beiden Coniferen ehemalige Verknüpfungen des Wohngebiets
über den persischen Blborus und die gegenwärtig waldlosen
Gebirge Kliorasans für möglich halten und darauf hinweisen, dass,
wie man aus Steenstrup's Untersuchungen weiss, in der Vegetation
der Bäume ein säkularer Wechsel eintritt, der durch Erschöpfung
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des Bodens an den der einzelne,i Art nöthigen Näl)rstoffen, wie benn
Fruchtwechsel des Landmanns, cndlich herbeigeführt werden muss.
Allein eine weitere Begründung solcher Vorstellungen wäre doch m
dem einzelnen Falle ausgeschlossen, und wir müssen aufsNeue dabei
stehen bleiben, dass die Schwierigkeit solcher weite Räume und selbst
geeignete Standorte überspringender Wanderungen nicht grösser ist,
L bei der Ceder. Der Abstand der Cederwälder des Atlas bis zum
Taurus und Libanon ist ungefähr ebenso gross, als vom westhchen
Kaukasus bis zum Thianschan und Fontau, ohne dass die Annahme
eines Waldwechsels zulässig ist, weil die Gebirgsverbindungen fehlen,
deren Vegetation sich hätte verändern können. Was darüber früher
gesagt wurde, findet daher auch auf den Wachholderbaum und vielleicht
auch auf die orientalische Tanne Anwendung.
Vom Thianschan sind fast nur die Kegionen des der songansehen
Steppe .„gewendete., Abhangs und der dureh das Plateau des
Lsik-Kul (42()0 Fuss] von dem Hauptkamm getrennten Ketten des
Ilatau bis jetrf genauer erforseht worden. Die be P - »
erst in einem viel höheren Niveau, als am Kaukasus (4000 luss),
amTabargatai zwischen dem Alatau und Altai sollen sie ganz fehlen
Schrenk«^^) der dessen höchsten Gipfel bestieg (9700 Buss), fand
daselbst nur steile, grüne Abhänge mit nackten Felsen, aber kmen
Wald Die Gebirge des Steppengebiets finden wir mir da mit zusammenhängenden
Waldregionen ausgestattet, wo sie einem 1 lef ande
frei gegenüber liegen, welches in Verbindung mit dem Meere, als der
allgemeinen Quelle des Wasserdampfs der Atmosphäre, diesen herbeiführen
kann. So verhält es sich mit dem Kaukasus über der russischen
so mit den Abhängen des Alatau und Thianschan über der
songarischen Kirgisensteppe. Wo dagegen ein höheres Gebirge vorliegt
welches den Wasserdampf bereits erschöpfen konnte, wie dem
Tabargatai der Altai, ist die Trockenheit der Luft erhöht, und ebenso
bleiben die Abhänge waldlos, wenn die atmosphärischen Strömungen
von einem Plateau aus zu ihnen übergehen. Fine andere Bedingung
des Waldschutzes besteht darin, dass der Neigungsgürtel der Berge
ein gewisses Mas. erreicht: hebt sich der Boden unmerklich, so
kühlt sich die Luft, die ihnen entgegenweht, nicht hinlänglich ab,
um Nebel und Wolken zu erzeugen. Desshalb bleiben die unteren
Regionen des Thianschan, wo die Erhebung des Landes vom Aral
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