
500 V. Chinesisch-japanisches Gebiet.
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sehen Vegetationsgebiets auffasse, auf der einen Seite die am Wendekreis
sich ändernde Vertheilung der Jahrszeiten, auf der anderen die
Polargrenze der Monsunwinde. Allein wenn auch innerhalb dieses
Gebiets ein allmäliger Wechsel der Vegetation eintritt, ähnlicli wie
bei dem üebergange der südlichen in die nördlichen Landschaften
des nordamerikanischen Waldgebiets, so bleiben doch selbst auf der
Insel Sachalin noch deutliche Unterschiede von der Flora höherer
Breiten übrig, die von Maximowicz i^) bereits angedeutet, von
Schmidt 8) vollständiger nachgewiesen sind. Dieser Botaniker fand
den Vegetationscharakter in den nördlichen Theilen der Insel bis zum
Golf der Geduld mit dem der Küstenländer des ochotskischen Meerbusens
ganz übereinstimmend Auf der südlichen Halbinsel Sachalins
(49^—46 0 N. B.), die von jenen durch Gebirgszüge abgesondert
und gegen die nördlichen Winde geschützt sei, schliesse sich die
Flora der nordjapanischen durch eine Keihe identischer Arten und
durch Zunahme der Holzgewächse an. Nach dem Verzeichniss der
von ihm beobachteten Pflanzen halte ich indessen diese Folgerung
für zweifelhaft; das Auftreten der mongolischen Eiche und das Verhältniss
der Holzgewächse zu den übrigen Pflanzen selbst (1:5)
weisen vielleicht auf nähere Beziehungen zu der Amurflora, als zur
japanischen hin. Es müssen nähere Nachrichten über Jeso abgewartet
werden, die Maximowicz in Aussicht stellt, ehe die Frage entschieden
werden kann, ob die beiden nördlichsten Inseln Japans
passender mit der Flora des Amur oder mit Nipon zu vei^binden sind.
Da aber die Form der holzigen Gräser gerade bis zu derselben Breite
reicht (49 ^^ an der geschützten Westküste 5 1 w o ein schrofferer
Wechsel der Flora eintritt, so schliesse ich mich vorläufig den Ansichten
jener Reisenden an und betrachte das südliche Sachalin als
eine Uebergangslandschaft zwischen Japan und Sibirien. Jedenfalls
hängen auch hier die Florengrenzen mit den von Schmidt hervorgehobenen
klimatischen Gegensätzen zusammen. Dasselbe lässt
sich auch im Süden von Hongkong behaupten, wo die Polargrenzen
mancher tropischen Familien (z. B. der Guttiferen und
der Mangroveform) am Wendekreise ziemlich sicher beobachtet
worden sind.
Neben der Lorbeerform sind in Japan auch die übrigen Baumformen
des Mittelmeergebiets sämmtlich und zuweilen durch ähnliche
Laubhölzer mit periodisch. Belaubung. - Oleander- u. Myrtenform. 501
Arten vertreten. Beispiele bieten uns die japanesische Buche [Fagns
Sieholdn), welche man irrthümlich mit der europäischen für identisch
gehalten hat, die Kastanie [Castanea japónica), eineUlmacee [Plañera
Kiahí), deren Bauholz in Nipon geschätzt wird. Auch die übrigen
Laubholzformen mit periodischer Blattentwickelung, die Linden,
Eschen, Sykomoren, enthalten in China und Japan besondere Arten,
meist aus denselben Gattungen, wie in Europa. Am zahlreichsten
^ind die Ahornbäume [Acer), deren Farbenwechsel bei der Entlaubung
in Nipon ähnlich, wie in Kanada, der Physiognomie der Herbstlandschaft
zum Schmucke dient. Dass unter diesen Laubhölzern
manche Arten mit denen der Amurflora sich als identisch erwiesen
haben, erschwert auf s Neue die Feststellung einer natürlichen Vegetationsgrenze
zwischen dem östlichen Sibirien und China. Die Mandschurei
ist ebenfalls, wie das nördliche Japan, eine Uebergangslandschaft,
wo mit der zunehmenden Dauer des Winters die chinesischen
Pflanzenarten allmälig verschwinden und die nördlichen sich südwärts
verbreiten können. Bis in die Nähe von Peking scheinen die Wälder
noch ziemlich ausgedehnt zu sein. Der grosse Forst, der dem Kaiser
von China zu seinen Jagden in der Mandschurei dient, soll 100 Stunden
von Ost nach West messen . Von den Küsten des Golfs von
Petscheli aus werden die Verhältnisse des Ackerbaus und der Viehzucht
den sibirischen und europäischen ähnlicher, und dies ist ohne
Zweifel eine Folge von dem Aufhören des Monsunklimas. Aber
botanisch ist die südhche Mandschurei noch fast ganz unbekannt, und
künftige Forschungen werden vielleicht zu einem ähnlichen Ergebniss,
wie in Europa, führen, dass die chinesische Flora von der des
Amur durch die immergrünen Eichen naturgemäss abzugrenzen sei.
In diesemFalle wäre die jetzt nach Analogie mit Japan angenommene
Grenze von der südlichen Biegung des Amur bis Peking (40 ^ N. B.)
zurückzuschieben.
Durch die Oleander- und Myrtenform ist die physiognomische
Aehnlichkeit der ostasiatischen Flora mit dem Mittelmeergebiet auch
in der Reihe der Sträucher ausgedrückt. Von herrschenden Maquis,
die den Boden einnähmen, ist freilich nicht die Rede, aber um so
mehr von dem Reichthum und der Blüthenschönheit der immergrünen
Gebüsche, die den europäischen Treibhäusern die Camellien und andere
werthvolle Zierden dargeboten haben, und unter denen der