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214 IL Waldgebiet des östlichen Kontinents.
Bodenverhältnisse und je abgeschlossener die einzelnen Gebirgsgriippen
durch-ihre Hebnng sind, desto reicher wird ihre Flora.
Aus diesen Beziehungen, der Grösse, der Lage, dem Klima und dem
Bau der einzelnen Gebirge lassen sich die meisten Verhältnisse ihrer
Flora in Europa erklären, aber keineswegs sind sie die einzigen :
denn in anderen Theilen der Erde werden wir erfahren, dass die Vegetationscentren
auch ganz unabhängig von gegenwärtig wirksamen
Bedingungen reich oder arm sein können. In Europa selbst geben
hievon schon die Gebirge von Schottland und Wales eine Andeutung,
die ungeachtet ihrer abgesonderten Lage und der eigenthümlichen
Entfaltung ihres Seeklimas doch keine einzige endemische Pflanze
besitzen.
Die Alpen selbst, nach ihren einzelnen Gebirgsgruppen verglichen,
bieten einen reichen Stoif, über die Ausgangspunkte der
Pflanzen Wanderung nachzudenken. Sie enthalten über 800 Gewächse
(815), die dem Tieflande fehlen, und von denen die nicht endemischen
Arten (625) bald auf die meisten, bald auf einzelne mittel- oder
südeuropäische und andere Gebirge übergehen, während diejenigen,
welche der alpinen Region und der arktischen Flora gemeinsam sind,
noch nicht den fünften Theil der Gesammtzahl ausmachen (143).
Nach der Art und Weise der Verbreitung kann man nicht selten beurtheilen,
ob der Ursprungsort in den Alpen selbst oder anderswo
gelegen war, wenn man von dem Satze ausgeht, dass dieser in klimatischer
Beziehung der günstigste ist und also in der Peripherie des
Wohngebiets die Fundorte sporadisch werden. So giebt es einzelne
Arten, die, wie das Krummholz, auf den Karpaten allgemeiner vorkommen
und in westlicher Richtung auf den Alpen verschwinden,
^ d e r e , die von den Pyrenäen aus nur noch einzelne Berge des
Dauphine eri%ichen (z. B. Genüana Burseri), Allein solche Fälle
sind fast verschwindend selten denen gegenüber, wo die Alpen im
Mittelpunkte des Wohngebiets liegen, und somit wäre nach dieser
Betrachtungsweise das mächtigste Gebirge Europas auch das bei
Weitem reichste Heimathsland seiner Gewächse. Indessen lassen
diese Schlussfolgerungen doch noch immer dem Einwurfe Raum, dass
durch Erzeugung klimatischer Varietäten gerade das später eingenommene
Wohngebiet der Massenvermehrung von Individuen einer
Art vortheilhafter werden kann, als das ursprüngliche. So könnte
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Vegetationscentren der Alpen. 215
das Krummholz, welches auf der Alpengruppe des Orteies zu einem
stattlichen Baume wird und diesen veränderten Wuchs dem westlicheren
Klima zu verdanken scheint, in seiner gewöhnlichen Gestaltung
als degenerirt gelten und doch in dieser verkümmerten Form
auf den Karpaten und Sudeten eine Formation von geselligen, jede
andere Vegetation verdrängenden Sträuchern erzeugt haben, während
es da, wo es unter günstigeren Bedingungen sich individuell
vollkommner ausbildet, den kräftigeren Fichten gegenüber sich nur
zu vereinzelten Waldungen entwickelt. Nach dieser Auffassung
läge der Ausgangspunkt der Wanderung im Westen, wo das Klima
das günstigere ist, und dennoch das Massencentrum der Individuen
im Osten, wo die klimatische Varietät im Kampfe mit anderen Gewächsen
erfolgreicher sich vervielfältigte. Hiedurch aber würde
ferner die Meinung derjenigen Botaniker unterstützt werden, nach
welcher eine pyrenäische Kiefer (P. uncinata) für die Stammform des
Krummholzes (P. montana) zu halten wäre und man also dazu geführt
würde, die ursprüngliche Heimath desselben noch viel weiter
nach Westen, an den von den Karpaten entferntesten Standort zu
verlegen. Fälle dieser Art sind ohne Zweifel selten und scheinen
eine gewisse Aenderung der Organisation vorauszusetzen, aber da
sie möglich sind, so kann durch die Häufigkeit des Vorkommens die
Heimathsfrage nicht entscheidend erledigt werden. Es ist daher
wünschenswerth, dass noch andere Hülfsmittel zu dieser Untersuchung
benutzt werden, und je übereinstimmender die Ergebnisse
ausfallen, desto mehr erhöht sich die Sicherheit des Urtheils. Die
systematische Verwandtschaft der Erzeugnisse verwandter Vegetationscentren
und die Bedingungen der Wanderung, sofern dieselben
auf der Organisation der einzelnen Gewächse und auf ihrer ungleichen
Empfänglichkeit gegen physische Einflüsse beruhen, sind
beachtenswerthe Momente, besonders geeignet, den Austausch zwischen
den Alpen und der arktischen Flora zu erläutern.
Aus den Untersuchungen über die Vegetation der geographisch
am strengsten abgeschlossenen Floren hat sich ergeben, dass auf den
Inseln desselben oceanischen Archipels die Arten einer Gattung
häufig abgesondert vertheilt sind, und dass in denjenigen Ländern,
die durch eigenthümliche Erzeugnisse am meisten hervorragen, nicht
allein gewisse Gattungen durch den Reichthum an Arten sich aus-
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