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134 II. Waldgebiet des östlichen Kontinents.
seiner klimatischen Grenze ein Banm die grössten Dimensionen in
beiden Richtungen bewahren kann.
Ungeachtet der den Nadelhölzern eigenen Vorzüge, wodurch
sie den kürzesten Vegetationsperioden, welche das Bjyimleben erirä.
gt, angepasst erscheinen, bleibt doch das Problem, weshalb die
immergrünen Laubwälder dem nördlichen Gebiete fehlen, nicht hinreichend
aufgeklärt. Warum sollten nicht auch bei ihnen feste
Knospenhüllen und andere Einrichtungen der Organisation möglich
sein, die doch selbst die arktische Flora bei ihren immergrünen Sträuchern
zulässt? Vielleicht könnte man dabei stehen bleiben, dass die
Strenge des Winters und die Schwankungen der Temperatur, welche in
den höhern Breiten den Uebergang der Jahreszeiten zu begleiten pflegen
, von niedrigen Sträuehern, die bis zum Sommer von Schneelagen geschützt
sind, leichter ertragen werden, als von Bäumen, deren breite
Blattflächen der kalten Luft ausgesetzt sind und die, wenn ihr Saft
sich wieder regt, noch den Spätfrösten des Frühlings oder, ehe die
Winterruhe eingetreten, der Ungunst des Herbstes widerstehen müssten.
Ob hiedurch die Frage schon erschöpft sei, kann erst später, wenn sie
uns im Mittelmeergebiete aufs Neue begegnet, erörtert werden. In dieser
einleitenden üebersicht der Baumformen genüge es, dieThatsache
auszusprechen, dass die immergrünen Laubhölzer erst da auftreten,
wo die Unterbrechungen der Vegetationsperiode nicht mehr bloss auf
der Winterkälte, sondern auch auf trockenen Jahreszeiten beruhen.
Diese beginnen aber in denjenigen Breiten, wo die Winter milde
werden, und hier finden wir die Nord grenze der Lorbeer- undOlivenform.
Wo sie ausnahmsweise das Bereich des trockenen Sommers
überschreiten, sind es Arten von langer Vegetationszeit, die schon
deshalb dem Norden fremd bleiben müssen. Die Gefährdung, welche
das Blatt durch Verdunstung bei mangelndem Wasserzufluss aus dem
Boden erleidet, wird am einfachsten durch die verstärkte Inkrustation
seiner Oberhaut beseitigt. Ehe diese vollendet ist, sind die
Temperaturschwankungen am nachtheiligsten, und auch deshalb
suchen die immergrünen Laubhölzer die Gegenden des milden Winters
auf. Noch empfindlicher gegen die Kälte sind endlich die monokotyledonischen
Bäume, weil der Verlust der Gipfelknospe den
Untergang des einfachen Stammes zur Folge hat. Nur die Bambusenform,
welche durch ihre Seitenknospen sich von den übrigen
Nadelhölzer. 135
Formen unterscheidet, erträgt in einem einzelnen Falle den Winter
der kurilischen Inseln (46 ^^ N. B.). Die monokotyledonischen Bäume
haben ihre eigene Oekonomie, die sich am meisten in dem ersparten
Holzwachsthum ausspricht. Wenn Nägeli S") meinte, dass die Holzbildung
der dikotyledonischen Bäume »als eine arge Verschwendung
erscheine«, so ist zu erinnern, dass die während einer unbestimmten
Zeit beständig fortdauernde Vergrösserung der Baumkrone eine stetig
wachsende Last ist, welche eine entsprecliende Stütze fordert. Der
durch Krankheit und Alter hohl werdende Baum leistet wenig mehr,
sich den Sturmwinden gegenüber zu erhalten. In dem gesunden Organismus
ist stetiges Dickenwachsthum der Säule, welche die Krone
zu tragen hat, nothwendig, wogegen die Laubrosette der Palme eine
frühzeitig in ihrem Gewicht abgeschlossene Grösse ist, deren Stütze
sich zwar verlängert, aber den einmal erlangten Querdurchmesser
nicht weiter mehr verändert.
An einzelnen Vertretern der Nadel- und Laubholzformen stehen
die Wälder des östlichen Kontinents dem westlichen und vielen anderen
Florengebieten nach. Und doch hat mit den einfachsten Mitteln
die Natur über nnsere Länder einen grossen Schmuck ausgebreitet.
Unsere Bäume gehören zu den schönsten der Erde, jeder
hat sein eigenes, bedeutendes Gepräge, und die Kunst schöpft
ohne Unterlass aus diesen unversieglichen Quellen, wo individuelle
Gestaltung und Gruppirung die Mannigfaltigkeit der Organisation so
reichhaltig ersetzen. Von Nadelholzbäumen zählte ich nur elf sicher
umgrenzte Arten 88), unter denen mehrere nur örtliche Erscheinungen
sind, und die übrigen grösstentheils schon in dem ersten Abschnitt
nach ihren klimatischen Bedingungen gewürdigt wurden. Aber es
bleibt übrig. Einzelnes hinzuzufügen und auch andere Seiten ihrer
geographischen Anordnung in Betracht zu ziehen. Ausser dem
Taxus, der dem Buchenklima entspricht, gehören diese Coniferen
sämmtlich zu der Gattung Pinus nach deren ursprünglicher Umgrenzung.
Ueber die Kiefern, die immergrünen Pinus-Arten mit zwei
oder mehreren Nadeln in derselben Scheide, herrscht noch einige
systematische Unsicherheit, aber nicht über die beiden Arten, denen
eine grössere geographische Wichtigkeit zukommt [P. sylvestris u.
Cemhra). Die drei Tannen, bei denen clie Nadeln einzeln, aber gedrängt
stehen, sind leicht von einander zu unterscheiden: die Fichte