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348 III, Mittelmeergebiet.
biuites Gemisch, so lassen sicli in der alpinen Region der Sierra
Nevada sechs verschiedene Reihen von Arten nach ihrer Herkunft
unterscheiden. Was sie unter einander verbindet und es möglich
macht, das Gesammtbild einer solchen Vegetation aufzufassen, beruht
auf der Gemeinsamkeit klimatischer Bedingungen, unter denen sie zu
leben bestimmt sind, und die sich in der Bildungsweise ihrer Vegetationsorgane
abspiegeln. Aber um die Grenzen der Regionen festzuhalten,
ist man genöthigt, einzelne, physiognomisch bedeutende,
vorherrschende Gewächse zu Grunde zu legen. Wo diese fehlen,
verwischen sich auch die Grenzen, je nachdem das Klima sich im
vertikalen Sinne allmälig ändert. So ist es erklärlich, dass, wo die
Bäume ihre klimatische Höhengrenze nicht mehr erreichen, diePiian-
2;en der alpinen Region tiefer hinabsteigen, bis am Saum des Waldes
die meisten plötzlich aufhören, in dessen Schatten sie, des Lichtes
bedürftig, nun nicht weiter einzudringen vermögen.
Die Gebirge der spanischen Halbinsel entwickeln die beiden,
einer höheren Breite vergleichbaren Regionen erst an den dem Tafellande
aufgesetzten oder dasselbe einschliessenden Gebirgsketten,
weil hier die breite Zone der eigenthümlich spanischen Vegetation
zwischen der Mediterranflora und dem Waldgürtel eingeschaltet ist.
Hierauf gründet sich die Bedeutung Spaniens für die Schafzucht, wo
die aromatischen Tomillares des Hochlandes während des Winters
einen trefflichen Weidegrund darbieten, wo dieHeerden Estremaduras
und Kastiliens, wie in den Hochsteppen Vorderasiens, im Mai auf die
entlegenen nördlichen Gebirge Asiuriens und Aragoniens getrieben
werden und im Herbste nach Süden zurückkehren. Wiewohl es über
die Regionen mancher spanischen Gebirgsketten an Nachrichten nicht
fehlt, so gewähren doch nur diejenigen, welche wir Boissier über die
Sierra Nevada v e r d a n k e n ^^4) ^ eine vollständige üebersicht der vertikalen
Anordnung der spanischen Flora :
0—2000'. Immergrüne Region der Zwergpalme;
2000 — 5000' (4500' am Nordabhang). Immergrüne, spanische
Region oder Region der Cisten;
5000 (4500) — 6500'. Waldregion (Region der Kiefer) :
6500—llOOO'. Alpine Region, darin Grenzen der grösseren
Sträucher bei 8000'.
Die Region der Zwergpalme besteht an der Küste von Granada aus
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Regionen der Sierra Nevada. 349
Maquis und Matten, einheimische Bäume sind selten, einjährige Gewächse
überwiegend. In der zweiten Region, in welcher die Städte
Granada und Ronda liegen, ändert sich die Physiognomie der Landschaft
nur wenig, aber lichte Waldungen von Nadelholz und immergrünen
Eichen treten auf, die Formationen der spanischen Steppe
wechseln mit den Maquis, in denen nun die Genisteen und Cisten
vorherrschen, die Sträucher und Stauden werden mannigfaltiger, als
die einjährigen Pflanzen, und in den Matten scheiden sich deutlicher
die Tomillares von der harten Rasendecke des Espartö und anderer
ähnlicher Grasformen. Die Selbständigkeit dieser dem spanischen
Tafellande entsprechenden Ragion, die klimatisch durch den winterlichen
Frost und Schneefall ausgesprochen ist, beruht also weniger
auf den Formationen, als auf gewissen Pflanzenformen und darauf,
dass die Bestandtheile der ersteren meistens andere sind und die
Zahl der endemischen Arten zunimmt. Unter den Kulturgewächsen
reichen die Agrumen so weit, wie die Zwergpalme, der Oelbaum und
der Weinstock umfasst den grössten Theil beider Regionen. Es ist
bemerkenswerth, dass die Höhengrenze der Oliven- und Weinkultur
beinahe zusammenfällt, obgleich ihre klimatischen Bedingungen doch
so ungleich sind. Am Südabhange der Sierra Nevada werden beide
Kulturen bis zu demselben Niveau von 4200 Fuss betrieben, an der
Nordseite steigt der Oelbaum bis zur Höhe von 3000 Fuss, der Weinstock
bis 3500 Fuss. Es beruht diese Uebereinstimmung wohl nur
darauf, dass sich die Entwickelungsperiode, deren lange Dauer dem
Oelbaum nöthig ist, in gleichem oder ähnlichem Verhältniss verkürzt,
wie die Sommerwärme abnimmt, deren die Traube zu ihrer
Zeitigung bedarf. In der dritten Region vertheilen sich die atmosphäschen
Niederschläge über das ganze Jahr, indem Nebel und Gewitter
im Frühling und auch den Sommer hindurch den Erdboden frisch
erhalten und zwar in höherem Grade am nördlichen, als am südlichen
Abhänge, woraus sich der grössere Pflanzenreichthum der Nordseite
des Gebirgs erklärt: damit sind folglich alle Vegetationsbedingungen
des nördlichen Europas gegeben. Diesen entsprechend besteht der
Waldgürtel aus der nordeuropäischen Kiefer, die auf der Serrania
de Ronda in demselben Niveau von der Pinsapo-Fichte vertreten
wird. Auch kommen in den Thälern kleine Wiesengründe vor, wo
die meisten mitteleuropäischen Pflanzen der Sierra Nevada sich vorw.