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514 V. Chinesisch-japanisches Grebiet.
zwischen den britischen Inseln und Europa ein vollständiger Austausch
der Vegetation stattgefxmden hat, so lässt sich die Verbindung
Chinas mit Japan, so entschieden auch hier die übereinstimmenden
Züge hervortreten, doch nicht in gleichem Umfange nachweisen :
freilich ist auch die chinesische Flora weit weniger bekannt, als die
japanische. Die Untersuchungen über den Endemismus im östlichen
Asien müssen sich daher vorzüglich auf Japan stützen.
Zuccarini-^) zählte 44 endemische Gattungen in Japan auf, die
grösstentheils monotypisch sind, aber jetzt sind nur noch 18 davon
übrig, indem die anderen entweder auch auf dem Kontinent gefunden
wurden oder sich nicht als selbständig bewährten. Indessen ist durch
spätere Entdeckungen die Zahl der nur in Japan beobachteten und
anerkannt eigenthümlichen Gattungen seitdem wieder auf 35 gewachsen
. Dennoch spricht Miquel bereits die Vermuthung aus,
dass, nachdem so viele japanische Pflanzen in China oder im
Himalaja aufgefunden wären, auch bei den noch übrigen endemischen
Gattungen Japans dasselbe zu erwarten sei. So unthnnlich
nach solchen Erfahrungen allerdings eine Absonderung der
japanischen von der chinesischen Flora erscheinen muss, so halte
ich es doch für wahrscheinlich, dass Japan auch seine besonderen
Centren besitzt, die sich von denen des Kontinents getrennt
erhielten.
Schon Zuccarini legte bei seinen Erörterungen über den Charakter
der japanischen Flora ein besonderes Gewicht auf die Mannigfaltigkeit
der Gattungen und die auch durch die grosse Anzahl der
Monotypen angedeutete, verhältnissmässige Armuth der Gattungen
an Arten. Unter mehr als 900 Gattungen von Gefässpflanzen, die
in Miqitel's Werk über Japan unterschieden werden, zähle ich nui-
16, welche ein Dutzend oder mehr Arten enthalten-i»'). Auch unter
den nicht endemischen Gewächsen Japans finden sich manche Monotypen,
und noch häufiger begegnen uns Gattungen, welche hier nur
durch eine einzelne Art, in anderen Floren durch eine Mehrzahl
vertreten sind. Das durchschnittliche Verhältniss der Arten zu den
Gattungen beträgt in Miquel's Flora etwa 2,5 :1 ^i) und würde noch
kleiner ausfallen, wenn diejenigen ausgeschlossen würden, deren
Selbständigkeit zweifelhaft ist. Im nördlichen Deutschland ^i), auf
einem Gebiete von ähnlichem Umfang, finde ich das höhere Verhält-
Absonderung der Centren. 515
niss von 3,2 ; 1. Den Schlüssel zu dieser Erscheinung in Japan
bietet das von Hooker ermittelte G e s e t z , dass der Umfang der
Gattungen einer Flora um so grösser ist, je mehr die endemischen
Arten die eingewanderten an Zahl übertrefien, ein Verhältniss, welches
freilich durch die Monotypen in umgekehrtem Sinne abgeändel-t
wird. Nun \^ächöt im Innern des alten Kontinents, dem Heerde
einiger der artenreichsten Gattungen, dieses Verhältniss in weit stärkerem
Masse, als nach den Küsten hin : nach de Candolle«) steigt
es im russischen Reiche auf 6,9 : 1. Es ist also anzunehmen, dass
Japan an eingewanderten Pflanzen reicher ist, als an solchen, die
hier entstanden sind, und ebenso Europa. In einem solchen Falle
müssen die in Japan so zahlreichen Monotypen auf dag Verhältniss
der Arten zu den Gattungen in gleichem Sinne"einwirken. Die Vorstellung
von einer starken Einwanderung nach Japan wird fernei'
dadurch unterstützt, dass hier so viele tropische Gattungen durch
einzelne indische Arten noch vertreten sind, und dass ebenfalls ein
nicht unbeträchtlicher Austaüsch mit den höheren Breiten sowohl des
alten wie des neuen Kontinents stattgefunden hat. Die am wenigsten
durch das Klima bedingten Arten gehen auf diese Inseln über,
während die zarter organisirten zurückbleiben. Ich findedass
von 26 tropischen Familien Japans sechs auch in das europäische
Mittelmeergebiet eintreten, ausserdem zehn in die südlichen Staaten
Nordamerikas, dass dagegen bei den zehn übrigen dies nicht der Fall
ist. Von einem Theil derselben (8) sind in Japan nur je eine oder
zwei Arten aufgefunden, von einigen aber doch eine grössere Anzahl.
Durch diese das Monsunklima so deutlich bezeichnende, stärkere
Vertretung tropischer Familien wird indessen ebenso wenig, wie
durch die beschränktere Einwanderung aus Sibirien und Nordamerika
das niedrige Artenverhältniss allein hinreichend erklärt. Die grössere
Anzahl der Monotypen wiederholt sich in den insularen Floren der
ganzen Erde, die Seltenheit grösserer Gattungen ist in noch höherem
Grade eine Eigenthümlichkeit Japans.
Den Entstehungsort einer Pflanzenart können wir als den vollkommensten
Ausdruck der Uebereinstimmung zwischen den physischen
Lebensbedingungen und ihrer Organisation betrachten. Denn
mit dieser Anpassung an gegebene Einflüsse dei- unorganischen
Natur ist das höchste Mass ihrer Erhaltungsfähigkeit, welche das
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