
510 V. Chinesisch-japanisclies Gebiet.
Anordnung zahlreicher Höhenzüge Aveite Strecken, die unbebaut geblieben
oder auch bewaldet sind. Die einzelnen Provinzen und Inseln
unterscheiden sich in ihren Erzeugnissen und in ihrer Fruchtbarkeit.
Die bergigen Küsten des südlichen Chinas haben ein unwirthbares
Ansehen, das nackte Gestein ist oft weithin anstehend. Entgegengesetzt
verhält sich das Innere der japanischen Insel Jeso, welches
durchaus von Wäldern bedeckt und ganz unbewohnt sein soll 24).
In dem grössten Theile Chinas und namentlich in den östlichen Provinzen
sind die Wälder durch die Kultur oder den Holzverbrauch
zurückgedrängt, in Japan haben sie auf den Höhen sich viel allgemeiner
behauptet, hier steht ein altes Gesetz in Kraft, dass, wer
einen Baum fällt, gehalten ist, einen neuen Baum zu pflanzen. Die
Schönheit der japanischen Landschaft auf Nipon und Kiusiu wird
von allen Reisenden wegen ihres Wechsels hoch gepriesen, indem
die Bergrücken und Abhänge mit Wald oder hohen Gesträuchen bekränzt,
die Thäler von reichen und wohlbewässerten Ackerfeldern
und Pflanzungen erfüllt sind. Aehnlich lauten die Schilderungen
vom östlichen Vorlande des tibetanischen Himalaja, aus Szetschuan,
einer der fruchtbarsten Provinzen Chinas, wo der Bodenertrag eines
Jahrs zehnfach zur Ernährung der dichten Bevölkerung ausreichen
soll 33), und von wo der Binnenhandel auf dem Yangtsekiang die
weniger ergiebigen Gegenden versorgt. Hier sind auch die Wälder
noch bedeutend, wenn auch nicht in gleichem Grade, wie in der
Mandschurei.
Die Zerstörung der Wälder hat in China nicht dieselben Nachtheile,
wie in anderen Ländern, weil die Minderung so intensiver
'Niederschläge das Wachsthum der Pflanzen noch nicht beeinträchtigt
und ein genügendes Mass von Feuchtigkeit durch den Wechsel
von Höhen und Thälern gesichert ist. Eben darin besteht ein hoher
Vorzug des östlichen Asiens vor den westhchen Mittelmeerländern,
dass dort diese Niederschläge in die wärmere Jahrszeit fallen, hier
die Sommerdürre um so frühzeitiger eintritt, je weniger der Waldreichthum
der Berge sich erhalten hat, der die Verdichtung des
Wasserdampfs befördert. In China fehlen die trockenen Matten, die
zum Weidelande dienen können, und die Maquis, deren niedriges
Gesträuch noch weniger benutzt wird ; der Anbau und die natürliche
Bewaldung ist nur durch den etwaigen Mangel an fruchtbaren Erd-
Mischung derVegetationsfovmen.-- Anordnung der Kulturpflanzen. 511
krumen und Humus eingeschränkt. Nur an den Grenzen der Mongolei,
wo die Monsunregen aufhören, ist die Steppe nach Süden vorgerückt,
seitdem die Chinesen anfingen, die dortigen Wälder zu zerstören ''?).
So weit auch die tropischen Bestandtheile der Flora nach Norden
reichen, so entspricht doch die Anordnung der Gewächse in den
Wäldern den klimatischen Bedingungen der gemässigten Zone und
hat nichts mehr mit dem gemein, was man die Ueppigkeit des Tropenwaldes
nennt, und was vorzüghch in der stärkeren Raumbenutzung
und der gedrängteren Mischung der Vegetationsformen besteht.
Eigenthümlich sind die ostasiatischen Formationen nur dadurch,
dass, wenn in den Wäldern Europas die Bäume und das Unterholz
durch eine gewisse Aehnlichkeit der Vegetationsoi'gane übereinstimmen,
hier verschiedenartige Formen in demselben Bestände verbunden
sind. In einer Schilderung der Insel Chusan erwähnt Cantor^s),
dass in den Eichen- und Nadelwäldern der Pisang nebst Zwergpalmen
{Rhapis) vorkomme, dass die Theepflanzungen von Himbeergesträuch
umgeben und vom Hopfen umrankt werden. In einer anderen
Darstellung 34) wird der gemischte Charakter der Vegetation
bei Canton dadurch bezeichnet, dass daselbst Veilchen im Schatten
von Melastomen blühen, dass mit der Kiefer die Bambusen auf denselben
Anhöhen wachsen, und auf demselben Felde Zuckerrohr und
Kartoffeln gebaut werden. Ein Baumschla«, der die Formen europäischer
Laubhölzer mit den tropischen Bambusen vereinigt, wird
auch in Japan bis Jeddo beobachtet 30). Die Wirkung der stärkeren
Niederschläge, denen dieses Eindringen der tropischen Bestandtheile
in die Formationen beizumessen ist, äussert sich auch darin, dass
die immergrünen Sträucher ein höheres Wachsthum erreichen können,
als in den südeuropäischen Maquis gewöhnlich ist. In der Nähe von
Chusan besuchte Fortune 3i) eine bewaldete Insel, wo das Unterholz
im Nadelwalde von Camellien gebildet wurde, die häufig eine Höhe
von 20 bis 30 Fuss erreichten.
Auf denselben Bedingungen, welche den Charakter der einheimischen
Formationen bestimmen, beruht es auch, dass die Kultur
tropische Erzeugnisse denen Süd- und Nordeuropas hinzufügt, dem
Weizen, dem Reis und der Baumwolle auch den Indigo und das
Zuckerrohr, in den Pflanzungen der Holzgewächse dem Maulbeerbaum
die Orange und den Tlieestrauch. Nach der Dauer und Strenge des
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