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436 IV. Steppengebiet.
entspricht (4000 Fuss) und auch, wie diese, tiefer eingesenkte Landschaften
einschliesst.
Auf das Klima üben die Randgebirge einen bedeutenden Einfluss.
Im mongolischen Osten, wo jene offene Verbindung mit Sibirien
besteht und auch die Polhöhe zunimmt (42—50 0 N. B.) ist die
kontinentale Wärmevertheilung stark ausgeprägt, im turkestanischen
Abschnitt zwischen dem Thianschan und Künlün (37—43^) finden
wir mit gleichfalls hoher Sommerwärme einen so milden Winter gepaart,
wie man im Herzen von Asien und auf hoher Grundfläche
(4250 Fuss) durchaus nicht erwarten sollte. Diese Erscheinung,
durch die Kulturprodukte des Landes angedeutet, beschäftigte Humboldt82)
lebhaft. Den Weinbau von Kami (43« N. B.) zu Grunde
legend, hielt er es für wahrscheinlich, dass der Boden daselbst das
Niveau von 2640 Fuss nicht erreiche. Die Produkte s^) von Khotan
und Kaschgar sind in der That fast die nämlichen, wie im Tieflande
von Buchara; ebenso wie dort beruht ihre Erzeugung auf Ii'rigationen;
mit dem Weizen wird Mais und Reis, auch Baumwolle wird
gebaut, neben dem Wein und dem Morus finden wir unter denFrüch- '
ten des Landes den Pfirsich und die Aprikose, selbst Oliven und
Granatäpfel bezeugt. Nach chinesischen Quellen soll Hami sogar
Orangen hervorbringen . Dennoch hat sich die Vermuthung Humboldt's,
dass der Boden am Fusse der Gebirge eingesenkt sei, wenigstens
in Khotan nicht bestätigt; es liegen jetzt Johnson's umfassende
Höhenmessungenvor, nach denen die weiten Ebenen, in denen
jene Kultur stattfindet, in einem noch etwas höheren Niveau liegen,
als die Gobi zwischen Peking und Kiachta. Die Bodenerzeugnisse
dieses Tafellandes müssen daher aus den klimatischen Bedingungen
ihrer Kultur selbst erklärt werden. In dieser Beziehung geben
neuere Nachrichten über den Verlauf der Jahrszeiten in Kaschgar
näheren Aufschluss. Der Winter ist so milde, dass weder die Flüsse
gefrieren, noch der spärlich fallende Schnee über drei oder vier Tage
liegen bleibt. Auch Nebel und Regen werden im Winter selten beobachtet
: vom September bis zum März regnete es nur an zwei Tagen,
und auch dann nur mit Unterbrechungen, obgleich die herrschenden
Winde aus Westen kamen. Die Belaubung der Bäume
begann Anfang März, dann blühten auch Tulpen und Anemonen,
erst Ende Oktober fingen die Blätter an abzufallen. Den Sommer
Gobi. 437
hindurch soll eine drückende Hitze herrschen, während dichte Staubwolken
die Luft erfüllen und Regenschauer äusserst selten sind.
Das Klima ist also hier, in der Breite von Valencia (39 o N. B.), dem
des Mittelmeergebiets zu vergleichen, aber es unterscheidet sich
durch eine hohe Trockenheit der Luft in allen Jahrszeiten, und dadurch,
nicht durch den Winter, wird das Land zur Steppe und
Wüste. Es würde jene Produkte nicht erzeugen können, wenn es
nicht von den drei es umschliessenden Schneegebirgen aus mit Gewässern
reichlich versorgt würde, die sich zum Tarim vereinigen, einem
Flusse, der in den Lop-Noor sich ergiesst. Das fliessende Wasser
stellt eine Vegetation von acht Monaten zur Verfügung, und die hohe
Sommerwärme vermehrt den Zuckergehalt der Früchte. Die Trockenheit
des Klimas ist leichter zu begreifen, als die Milde des Winters :
denn die Richtung der Luftströmungen ist hier von keiner Bedeutung,
weil sie auf den Gebirgsketten ihren Wasserdampf verlieren,
und die einzige geöffnete Seite, die östliche, die der Gobi selbst ist.
Aber auch vor den kalten, sibirischen Polarwinden schützt der
Thianschan diese Hochebene, der auf die an seinem Fusse gelegenen
Städte Aksu, Hami und andere ähnlich wirken wird, wie die Alpen
auf die lombardischen Seeufer. Die Seltenheit der Wolkenbildungen
lässt der Insolation 'dei> freisten Spielraum, und die Höhe des Niveaus
verstärkt dieselbe auch im Winter, wenn auch in geringerem
Grade, als oben von Leb erwähnt wurde. Dies scheinen die Bedingungen
zu sein, unter denen hier am Aussenrande der Hochebene
eine beträchtliche Zahl grosser Städte und Mittelpunkte der Bodenkultur
sich entwickelt haben, im Gegensatze zu den vom Gebirge
entfernteren Gegenden, die wüst und unbewohnt sind, obgleich sie,
nach dem Laufe der Flüsse zu urtheilen, in einem tieferen Niveaii
liegen. Denn, wie in Buchara, grenzt unmittelbar an den irrigirten
Kulturboden eine Wüste mit beweglichen Dünen aus Flugsand, fast
völlig von Vegetation entblössts^) und mit salzhaltigen Thonschichten
wechselnd. Auch hier scheinen, wie in Persien, die tiefsten Niveaus
der Wüste anzugehören, deren Umgebungen aus Steppen zu bestehen;
aber die vielfältige Bewässerung durch zahlreiche Gebirgsflüsse bewirkt,
dass fruchtbare Landschaften, selbst mit Baumdickichten
begrünt, sich »wie blühende Inseln« in die Oede hinabziehen. So ist
es auch hier nur das Gebirge, welches Oasen erzeugt, wogegen in
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