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446 IV. Steppengebiet.
längst verschwunden ist, besonders eine Art mit schlanken Zweigen,
deren Früchte im Herbst an fadenförmigen Stielen herabhängen
iPterococcus aphyllus).
In weit grösserer Mannigfaltigkeit, als im Mittelmeergebiet, sind
in den Steppen die Dornsträucher vertreten. Die Bildung von Dornen
gehört an den Stauden des Steppengebiets zwar überall zu den
häufigen Erscheinungen, aber sie ist noch allgemeiner in den Hochländern,
auf denen gesellige Sträucher von niedrigem Wuchs vorherrschen,
die mit stechenden Organen bewaffnet sind. In dem Gesträuch
der Sandwüste ist die Blattlosigkeit der Spartiumform, auf
dem salzigen Lehmboden die succulente Beschaffenheit der Blätter,
auf den Hochebenen und ihren Gebirgen die Form der Dornsträucher
überwiegend. Diese letzteren erinnern in dem Hervortreten der
Leguminosen an die klimatische Verwandtschaft des Orients mit
Spanien, wo solche Dornsträucher ebenfalls häufiger sind, als in
anderen Ländern am Mittelmeer. Dass die alle Jahrszeiten beherrschende
Trockenheit des Plateauklimas zu der Verbreitung der Dornsträucher
beitrüge, ist nicht wahrscheinlich, weil sie in Tibet weniger
mannigfaltig auftreten, als in Persien und Afghanistan, wo das
Niveau tiefer liegt und der Frühling feuchter ist. Schon früher
haben wir gesehen, dass die Traganthsträucher, welche die bei
Weitem artenreichste Reihe unter diesen Gebilden ausmachen, am
Mittelmeer vorzugsweise auf alpinen Höhen sporadisch wiederkehren,
und es wurde die Vermuthung ausgesprochen, dass der Winter zu
ihrer Vegetation in einer besonderen Beziehung stehe. Wenn der
schmelzende Schnee einen geneigten Boden findet, tränkt er die
Oberfläche in grösserem Umfange, als wo das gebildete Wasser nur
nach dem Untergrunde Abfluss findet. Auf den Gebirgshöhen und
in den wellenförmig gebauten Hochländern sind dadurch die Bedingungen
zu einer raschen und verhältnissmässig frühzeitigen Entfaltung
der Blätter gegeben, das gefiederte, dicht gedrängte Laub der
Traganthsträucher kann sich in kurzer Zeit ausbilden und thätig
werden. JDie Hochsteppen des Orients von Anatolien bis Afghanistan
sind auf diese Weise gebaut, Armenien ragte durch seinen
Schneereichthum hervor, und eben diese Gegenden bringen die zahlreichsten
Arten von Traganthsträuchern h e r v o r Centraiasien,
von Tibet,bis zum Altai und Daurien, wo viel weniger Schnee fällt.
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Dornsträucher. — Mimoseenform. 447
sind sie durch die Caraganen vertreten, bei denen die Stengelglieder
länger sind, und, indem die Blätter aus einander rücken, auch ein
langsamerer Fortschritt der Ernährung anzunehmen ist. In dem
Tieflande der kaspischen und Aral-Steppen fehlen sie ebenfalls jenseits
des Kaukasus ganz: hier fliehen die Sträucher überhaupt Sen
besseren Boden, fast nur unter den Halophyten kommen sie vor und
als blattlose Gebilde werden sie erst in der Wüste vorherrschend, wo
die so spärlich gegebene Feuchtigkeit Pflanzenformen fordert, die
noch viel langsamer vegetiren, aber sich dafür auch lange frisch erhalten.
Bei den Traganthsträuchern ist die Benutzung des vorübergehenden
Wasserzuflusses intensiver und dient einer reicheren Fülle
von Blüthen, sowie jener starken Gummierzeugung zur Vorbereitung,
wodurch sich ihre Rinde erneuert; ihre geringe Grösse, die Folge
der Unterdrückung der Stengelglieder, verschafi't ihnen den Vortheil
der winterlichen Schneedecke. Die übrigen Dornsträucher nähern
sich dieser Form des Wachsthums, wenn sie mit der Verbreitung der
Traganthsträucher übereinstimmen [Acantholimon] : in anderen Gegenden
ist die Zahl der Arten von dornigen Holzgewächsen gering,
aber die Organisation mannigfaltiger. Die Natur gefällt sich, die
stechenden Organe an den Sträuchern durch gehemmte Bildungen
verschiedenster Art zu erzeugen, bald aus erhärtenden Blattstielen
(Traganthsträucher, Caragana, Halimodendron), bald aus verkümmerten
Knospen [Alhagi, Eversmannia, Balanites), oder auch aus der
Blattspitze selbst [Acantholimon). Einen eigenthümlichen Fall bemerkt
man unter den Stauden Afghanistans: indem die Seitentheile
eines einfachen Blattes verwesen, bildet sich die Mittelrippe zu einem
Dorn aus, in einer Gattung, in welcher solche Formänderungen als
etwas ganz Fremdartiges erscheinen [Draba hystrix). Bei einem den
Kosen verwandten Strauch der Kirgisensteppe [Hulthemia) sind, wie
bei diesen, die Stacheln nur Auswüchse der Oberhaut, aber doch
beschränken sie die Laubentwickelung in dem Grade, dass statt des
Fiederblatts nur eine einfache Blattfläche übrig bleibt.
Durch die Dornsträucher ist das Steppengebiet vielfach mit den
Nachbarländern verknüpft, indem dieselben Arten aus einer Flora
in die andere übergehen, mit den angrenzenden Küsten des Mittelmeers,
wie früher bemerkt wurde, nnd mit den dürren Landschaften
Afrikas und Indiens, mit diesen letzteren besonders durch die
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