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344 III. Mittelmeer2"ebiet.
der Olivenkultur, die eine so viel längere Entwickelungsperiode fordert,
beruht auf denselben klimatischen Bedingungen, wie die der
Buche, und, wenn sie in Lycien und Cilicien höher ansteigt, als an
der Kordküste des ägäischen Meers, »so erkennt man darin den Eiuliuss
der südlicheren Breite auf die Dauer der Vegetationszeit. Die
Kastanie, die durch ihr festeres Laub den Gewächsen der immergrünen
Kegion verwandter ist als die Buche, und von der man daher
erwarten sollte, dass ihre Verbreitung ein Verbindungsglied zwischen
dieser und dem Oelbaum bilde, zeigt auf den Gebirgen des Südens
nur wenige Andeutungen von einer durch kürzere Entwickelungsperioden
bedingten Depression ^^O). ludem ihre Verbreitung in nordöstlicher
Eichtung weit iiinter der der Buche zurückbleibt, findet bei
iliren Höhengrenzen fast nur das einfachere, klimatische Verhältniss
seinen Ausdruck, dass die Wärme sowohl nach Süden als mit dem
Abstände vom atlantischen Meere wächst. In Andalusien, Sicilien
und an der Westküste Kleinasiens steigt daher die Kastanie am
höchsten in das Gebirge und bietet, wenn man damit die westliche
Depression in Portugal vergleicht, eine ebenso charakteristische
Nachweisung für den Gegensatz der Temperatur-Variation in Südeuropa,
wie der Oelbaum. Es ist einleuchtend, dass unter den
mannigfachen, klimatischen Momenten, die man unter der Bezeichnung
See-Klima zusammengefasst hat, und die, j e nachdem sie auf
die Temperatur der verschiedenen Jahrszeiten oder auf die Dauer
der Vegetationszeit sich beziehen, so ungleich auf das Pflanzenleben
Avirken, nur die Verminderung der Sommer wärme es sein kann, von
der die Depression der Vegetationsgrenzen am atlantischen Meere
gerade so wie die der Schneelinie abgeleitet werden kann. Wenn
man aber sieht, wie ausserordentlich gross der Unterschied der
Höhengrenzen von Algarvien und Granada ist (bei dem Oelbaum
2800 Fuss, bei der Kastanie 2700 Fuss), und doch die klimatischen
Messungen der Sommerwärme von Lissabon von denen der spanischen
Mittelmeerküste kaum in entsprechendem Verhältniss, sondern
nur um abweichen so könnte es zweifelhaft erscheinen , ob
jene Angaben aus Portugal wirklich auf klimatische GrenzAverthe zu
beziehen sind. Berücksichtigen wir indessen, dass die Sierra Nevada
aus dem Plateau von Granada sich erhebt und die Wärmeabnahme
durch-dessen Einfluss eine langsamere sein muss, als auf dem
Hühengrenzen des Oelbaums, der Kastanie und der Buche. 345
Küstengebirge Algarviens, so wird dieses Bedenken wenigstens theoredsch
beseitigt. Denn jedes Plateauklima ist als solches kontinental,
die Sommerwärme hoch, weil der Boden von der Sonne um so stärker
erhitzt wird, j e ebener die erwärmungsfähige Fläche ist, der Winter
zwar auch kalt, weil die nächtliche Ausstrahlung durch die Heiterkeit
der Luft befördert wird, aber doch durch die auch dann fortwirkende
Insolation des Tages gemildert. In der That ist die
Sommerwärme von Madrid bei einem Niveau von beinahe 2000 Fus s
fast ebenso hoch, als an der Küste von Malaga, und da das Tafelland
von Kastilien sich unmittelbar in das von Granada fortsetzt, so
ist dadurch die Elevation der Vegetationsgrenzen und der Schneelinie
in der Sierra Nevada vollkommen erklärlich. Gegen die Meinung
Willkomm'sS4), der die Depression dieser Werthe in Algarvien
von dem Granit der Serra de Monchique ableiten wollte, machte ich
daher geltend, dass die Erscheinung dem Aufhören des Plateau-
Einflusses zuzuschreiben sein möchte. Ich glaubte, dass das benachbarte
Meer und das Tiefland Portugals eine normale Abnahme der
Temperatur in vertikalem Sinne zulasse, wogegen Spanien sich in
dieser Hinsicht abnorm verhalte und die Vegetationsgrenzen übermässig
in die Höhe rücken. Allein jetzt bin ich im Stande, diese
Sätze noch zu erweitern und sie nicht bloss auf theoretische Betrachtungen,
sondern auf thatsächliche Beobachtungen zu begründen.
Zuerst ist festzustellen, dass der Oelbaum und die Kastanie in Algarvien
wirklich ihre klimatische Höhengrenze erreichen. Ein solcher
Nachweis kann auf dreifache Weise geführt werden, entweder durch
Kulturgewächse, deren Anbau so weit getrieben wird, als derselbe
möglich ist, oder dadurch, dass die Bäume an ihrer klimatischen
Höhengrenze sich zu Sträuchern oder Krummholz umformen, oder
endlich indirekt, wenn die Ergebnisse der Messungen mit denen anderer
Orte, wo jene Beobachtungen möglich waren, in einem angemessenen
Verhältniss der klimatischen Werthe stehen. Für den
Oelbaum ist nun, wie schon früher erwähnt wurde, in Algarvien von
B o n n e t d i e s e Nachweisung vollständig geliefert, indem es sich dabei
um einen Kulturbaum handelt und dieser nach ihm nur bis zum
Niveau von 925 Fuss (300 kräftig vegetirt und von da an kaum
bis 1400 Fuss (450 verkümmernd fortkommt. Ferner geht aus
den meteorologischen Beobachtungen inMafra^i^)^ welches 700 Fuss
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