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206 IL Wakk-ebiet des östlichen Kontinents.
sind. Man erkennt dagegen ihre allgemeine Verbreiinng in der
ganzen Erstreckung der Pyrenäenkette schon daran, dass an so
vielen Orten die Genesung Snchenden sich versammeln, aber noch viel
zahlreicher sind die Thermen, als sie zu Heilquellen benutzt werden,
und zuweilen sieht man in abgelegenen Thalgründen Dampfwolken
aus dem erhitzten Wasser sich erheben. Für die Vegetation hat die
verhältnissmässig grössere Schroffheit des Gebirgs die Bedeutung,
dass die Erdkrume sich schwieriger ansammelt, die Wälder daher
weniger leicht Wurzel fassen und, wo sie einmal verloren gingen,
die Gerolle viel verderblicher wirken. DieThäler von Arriege, deren
Waldgürtel zur Zeit der Revolution fast vollständig zerstört wurde,
sind seitdem beinahe vollständig verödet und kein Mittel kennt man,
den Baumwuchs unter solchen Bedingungen wiederherzustellen. Der
westliche Theil der französischen Pyrenäen ist besser bewaldet, als
der östliche, aber nackt oder nur mit Gebüsch bewachsen erscheint
in den meisten Gegenden die cantabrische Kette, so dass die Bestimmungen
ihrer klimatischen Baumgrenzen nur unsicher ausfallen
können. Die alpinen Matten der Pyrenäen stehen ebenfalls denen
der Alpen in der Ueppigkeit des Wachsthums bei Weitem nach, und
schon Ramond^^^) stellte die Dürftigkeit des Viehs und die Armuth
der Sennwirthe dem Wohlstande der Schweiz als charakteristisch
gegenüber. Die geringe Ausbreitung des Firns und der Gletscher
trägt dazu bei, diese Nachtheile zu erhöhen, die dem Botaniker freilich
leicht entgehen können, indem er sie durch den Reichthum an
endemischen Erzeugnissen, durch die Mannigfaltigkeit der Arten von
iilpinen Gewächsen ersetzt sieht.
Die Regionen der centralen Pyrenäen, von denen doch auch
schöne Laub- und Nadelwaldungen nicht ausgeschlossen sind, lassen
sich mit deinen der übrigen Gebirgsabschnitte schwierig vergleichen,
da die einzelnen Baumarten sich verschieden verhalten. Die Baumgrenze
am Camigou in den Ostpyrenäen liegt i'ast in demselben Niveau
, wie die des centralen Theils der Kette, aber sie wird dort
durch die Fichte, hier durch die Kiefer gebildet. In den Centraipyrenäen
scheint die Region der Pichte herabgedrückt zu sein (gegen
den Canigou um mehr als 1400 Fuss), wogegen die Buche höher ansteigt
(gegen 700 Fuss). Auf der cantabrischen Kette wurde die
Fichte gar nicht bemerkt, aber die Kastanie (— 2500 Fuss) und die
Pyrenäen. 207
Edeltanne (— 6000 Fuss) steigen daselbst bis zu gleicher Höhe, wie
am Canigou. Es möchte noch nicht an der Zeit sein, die Verbreitung
der Bäume in den Pyrenäen mit den klimatischen Eigenthümlichkeiten
der drei Gebirgsabschnitte in nähere Beziehung zu setzen. Es
ist wohl denkbar, dass die verlängerte Vegetationszeit oder die Milde
des Winters an der Bai von Biscaya auf gewisse Arten ähnliche
Wirkungen hervorbringt, wie das mediterrane Klima im Osten, auf
andere aber nicht, und dass in den centralen Pyrenäen, wo die Vegetation
der nordeuropäischen ähnlicher ist, auch die Lage der Regionen
der in den Alpen mehr entspricht. Allein theils sind die
Beobachtungen zu wenig umfassend, theils durch die eingeschränkte
Bewaldung zu sehr erschwert, als dass es möglich erschiene, solche
Betrachtungen auf eine sichere Grundlage zu stützen. Viel bestimmter,
als in der Anordnung der Regionen, tritt der Gegensatz der drei
Gebirgsabschnitte in der Vegetation selbst hervor. Die westlichen
und cantabrischen Pyrenäen gleichen in ihrer Bekleidung der atlantischen
Küste des südlichen Frankreichs, deren Flora mit ihren Ge-
Sträuchdickichten aus hohen Eriken und ülex, mit der reichlicheren
Beimischung von immergrünen Holzgewächsen sich gleichmässig von
der Gascogne bis zum nördlichen Portugal erstreckt und mit den
höheren und östlicher gelegenen Gebirgsabschnitten nur durch einzelne
Charakterpflanzen, wie den Buxus, vermittelt ist. Indessen
steht die Temperaturkurve am Fuss der centralen Pyrenäen, in
Pau^^S), wo die Küstenvegetation noch nicht bemerkt wird, ebenso
sehr wie dort unter dem Einfluss des atlantischen Meers, und die
Eigenthümlichkeit der Flora an der Bai von Biscaya scheint daher
mehr von der Feuchtigkeit als von der Wärme des Klimas beeinflusst
zu sein. Das Litoral der spanischen Nordküste ist ein romantisches
Bergland, wo auf einer schwachen Erdkrume das feuchte Klima und
der Quellenreichthum des Bodens eine sehr üppige Vegetation entwickeln.
Neben den vorherrschenden Gesträuchen der Gascogne
tragen die Wiesen daselbst doch durchaus den mitteleuropäischen
Charakter und sind grösstentheils aus den Wiesenpflanzen Deutschlands
zusammengesetzt: auch scheinen die aus Spanien und Portugal
hieher eingewanderten, südlichen Pflanzenarten nicht eben zahlreicher
zu sein, als in dem benachbarten, südwestlichen Frankreich.