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148 IL Waldgebiet des östlichen Kontinents.
abgesonderten Räumen nnterbrecheu, fast ohne Ausnahme auf die
Circulation des fliessenden Wassers oder anf dessen gehemmten Abfluss
zurückführen. Denn wo der Boden zu feucht wird, gedeihen
die meisten Bäume nicht, und die wenigen, bei denen dies der Fall
ist, werden leiclit durch andere Pflanzenformen verdrängt. Sieht
man auch jetzt noch zuweilen- in den Morästen der baltischen Ebene
vereinzelte Bestände von Kiefern oder Fichten fortbestehen, so sind
es doch nur die Ueberreste aus einer Zeit, die der Sumpfbildung
vorausging, oder die oberflächlichen Schichten des Torfs, in welchen
diese Bäume wurzeln, werden durch günstiges Gefälle vor übermässiger
Feuchtigkeit bewahrt, und selten verjüngt sich der Wald
unter solchen Verhältnissen, wo er einmal zu Grunde ging. Die
Weidensträucher treten am allgemeinsten an dem Ufer der Flüsse
anf, wo der Boden durch deren Grundwasser am stärksten gelockert
ist, und wo sie die Aufgabe erfüllen, das Erdreich zu binden und vor
dem Einsturz zu bewahren. Wie aber die Weidengattung aus zahlreichen
Arten besteht, deren Lebensbedingungen ungleich sind, und
von denen einzelne die verschiedensten Gegenden der Erde bewohnen,
so fehlt es auch nicht an solchen, die bald statt des fliessenden
Wassers den Sumpfboden aufsuchen, bald in die Wälder als Unterholz
eintreten oder auch im trockensten Dünensande ihr Gedeihen
finden. Manche unter diesen gehören nach ihrer Blattfoim nicht zu
der Weidenform im engeren Sinne, und doch scheint allgemeiner,
als dem Laube die schmale Gestalt, ihrem Wurzelgeflecht die Fähigkeit
zuzukommen, den lockeren Boden zu befestigen, zu welchem:
Zwecke sie selbst auf dürrem Sande technisch benutzt werden. Die
Dünen entstehen dadurch, dass das Wasser seine Ufer durch Strömungen
und Wellen untergräbt, nun aber das eingestürzte Erdreich
eine Seitenfläche bietet, die dem Winde keinen hinreichenden Widerstand
leistet, so dass hiedurch aufgewehte, bewegliche Sandhügel
entstehen, deren oberflächliche Humusschicht verloren ging. Diesen
zerstörenden Kräften können ausgedehnte Wurzelgeflechte ein Ziel
setzen, und so sind in Deutschland und Holland die Dünen an der
Nordsee vorzüglich durch Weidengesträuch, an der Bai von Biscaya
durch die Seestrandskiefer befestigt worden. Die Uferweiden unterscheiden
sich von denen der arktischen und alpinen Flora durch ansehnhchere
Grösse, die des Sumpfbodens sind zumTheil ebenso klein^
Tamariskenform. — Wiesengräser. 149
wie diese. Die ersteren haben meist eine sehr ausgedehnte Verbreitung,
z. B. die Korbweide {S, viminalis) , sodann die wenigen,
baumförmigen Arten (z. B. S, alba fragilis] : einige Uferweiden
stehen jedoch unfer eingeschränkteren, klimatischen Bedingungen
(z. B, S, amygdalina im Buchenklima; acutifoUa in der Eichenzone
ßusslands, bis Schlesien verbreitet). Im Südwesten des Gebiets
bis zur Donau und zum nördlichen Fuss der Karpaten wächst
€ine fremdartige Strauchform als Begleiter der Uferweiden, die der
Tamarisken, die durch ihre noch mehr verkürzten, oft saftreichen
Blattnadeln und durch abweichende Lebensbedingungen von
den ähnlichen Eriken geschieden ist. Nur durch einen einzigen,
ruthenförmig wachsenden, geselligen Strauch [Myricaria germanica)
ist sie daselbst vertreten, dessen Eigenthümlichkeit darin besteht,
dass die Tamariskenform übrigens an den Salzgehalt des Steppenund
Küstenbodens gebunden ist, die deutsche Myricaria aber ohne
solche Nahrungsbedürfnisse den Uferweiden sich gleich verhält.
Oberhalb der Baumgrenze der Gebirge treten Strauchformen
mif, welche den Typus der arktischen Flora wiederholen oder dieser
und den alpinen Regionen gemeinsam sind. Da von diesen schon
in dem Abschnitt über das arktische Gebiet die Rede war, so bleiben
nur noch diejenigen Vegetationsformen zu betrachten übrig, welche
keinen Holzkörper entwickeln, die Gräser, die Cyperaceen, die
Stauden und die Farnkräuter.
Unter den Gramineen sind die rasenbildenden Gräser die bedeutendste
Erscheinung; auf ihrem Wachsthum beruht der Charakter
•der Wiesenformation, die in keinem der Nachbargebiete auf gleiche
Weise ausgebildet ist. Ueber dem zusammenhängenden, dicht gedrängten
Wurzelgeflecht formt sich der Grasrasen aus einer Masse
von verkürzten Zweigen, deren Knoten zahlreich, deren Glieder
linterdrückt sind; die schmalen, kieselreichen und doch biegsamen
Blätter vermehren sich, eins an das andere gereiht, unaufhörlich, so
weit Raum und Beleuchtung es irgend gestatten; erst zur Zeit der
Blüthe entstehen gestreckte Halme, an denen dieselben aus einander
rücken. Die Höhe und Dichtigkeit des Rasens ist zwar von den
Grasarten abhängig, die ihn zusammensetzen, aber sie wächst auch
in geradem Verhältniss zu den im Boden zugeführten NahrungsstofFen.
Welche Arten und Gattungen in einem Lande vorwalten,
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