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412 IV. Steppengebiet.
güsseii. Schon in Lenkoran, dem Hauptorte am Gestade vonTalüsch,
finden wir einen Niederschlag von 48 Zoll^^), zu Rescht in Gilan von
54 Zoll 26). Ueber Masenderan hinaus, an der Bucht von Asterabad,
wo die Küste sich nach Norden biegt, grenzt dieses feuchte Klima
ebenso unmittelbar an die dürren Steppen Turkestans. Da die
Winterkälte durch die Wolkenbildungen gemässigt ist und die Sommerwärme
noch höher steigt, als in Transkaukasien, so sind hier
noch einmal die Bedingungen einer Mediterranflora gegeben. Die
Kultur der Orangen, der Baumwolle, des Zuckerrohrs wird hier betrieben
; selbst die Dattelpalme, wiewohl ihre Früchte nicht mehr
reifen sollen, wurde im Mittelalter eingeführt und einige Stämme
haben sich bei Sara in Masenderan erhalten . Die Küste ist dicht
bewaldet, aber der Sommer ist doch die minder feuchte Jahrszeit,
indem nicht die allgemeinen Luftströmungen, sondern die wechselnden
Land- und Seewinde den Gang der Niederschläge zu bestimmen
scheinen. Auch dieses Litoral hat daher eine klimatisch durchaus
abgeschlossene Stellung, es verbindet gleichsam die Wärme des andalusischen
Sommers mit einem irländischen Winter, und ist daher,
wie der Kaukasus, geeignet, Gewächse aus den kälteren, wie aus den
wärmsten Gegenden Europas aufzunehmen.
Die südlichen Tafelländer reichen fast überall bis zu den äussersten
Grenzen des Steppengebiets: nur die Thalfurche des Euphrat
lind Tigris unterbricht von Mesopotamien abwärts ihren Zusammenhang.
Durch die Gebirgsketten, welche ihnen aufgesetzt sind, und
durch die Verschiedenheit ihres Niveaus sind aber auch diese Hochsteppen
selbst zu mehreren, selbständigen Abschnitten gegliedert.
Hier sind die Vegetationscentren, die diesen Gliederungen entsprechen,
viel bestimmter von einander abgesondert, als im Tieflande,
und doch fehlen gewisse gemeinsame Züge, wie sie im Klima gegeben
sind, auch den Pflanzenformen nicht: namentlich zeigt sich dies in
der Reihe der Dornsträucher, in den zahlreichen Arten von geselligen
Traganth-Astragalen, die von Kleinasien bis Afghanistan auftreten
und bis zum Kaukasus gefunden werden, aber dem kaspischen
Depressionsgebiete fehlen.
Die durch Taurusketten gebildete Wasserscheide, welche den
Halys (Kisil-Irmak) vom Euphrat trennt, kann man als die Grenze
der Floren des anatolischen und des armenischen Hochlands be-
Tafelländer. — Anatolische Hochebene. 4 i a
trachten, deren Bestandtheile höchst bedeutsam von einander abweichen.
Anatolien verhält sich zu Armenien, wie ein System von
tiefer gelegenen Terrassen, die [durchschnittlich 3000 Fuss hoch28)]
gegen Westen nach dem ägäischen Meere zu stufenweise sich herabsenken.
Hiedurch und durch die Flussthäler, welche aus dem Inneren
nach der jonischen Küste verlaufen, geht in dieser Richtung
die Vegetation der Hochebene allmäliger in die Meditevranflora über,
als im Süden, wo der hohe Taurus sie absondert und unmittelbar an
dieses Randgebirge die Salzsteppe von Konia grenzt. Die Gebirgsflora
ist in Anatolien ungleich mannigfaltiger, als die der dürren
Hochflächen, denen durch den Taurus die Feuchtigkeit der Südwestwinde
entzogen wird, üebrigens ist die Kenntniss von dem Klima
des Inneren noch sehr ungenügend. Meteorologische Messungen
liegen nur von Kaisaria vor [39« N. B. 29)] , wo auch im Winter
Nordostwinde wehen, weil der nahe Argäus die Luftströmung aus
der entgegengesetzten Richtung abhält. Das wichtigste Ergebnis^
aus diesen Beobachtungen besteht darin, dass das Klima bei Weitem
nicht so kontinental ist, als in dem übrigen Steppengebiet. Die
Wasserscheide gegen den Euphrat bildet hier den Wendepunkt, der
strenge und schneereiche Winter Armeniens ist nicht bloss eine Folge
des höheren Niveaus, sondern auch davon, dass die Temperatur in
Kleinasien durch das Meer, welches die Halbinsel von drei Seiten
umgiebt, gemässigt wird. Hierin und in der viel geringeren Wasserfülle
Anatoliens muss man die vorzüglichsten Ursachen von der Verschiedenheit
der Floren beider Länder erblicken. Das Klima Kleinasiens
steht dem spanischen weit näher, als irgend eine andere des
Steppengebiets. Bei wenig niedrigerer Sommerwärme ist der Winter
in Kaisaria zwar beinahe vier Grade kälter, als in Madrid, aber jene
Stadt liegt auch beträchtlich höher (3680 Fuss). Unter so nahe
übereinstimmenden klimatischen Bedingungen würde die Verwandtschaft
der spanischen und anatolischen Flora weit grösser sein, wenn
nicht der Austausch durch die weite Entfernung beider Halbinseln
so sehr erschwert würde. Dass wir das Hochland Spaniens als ein
Glied der Mittelmeerflora betrachten, das anatolische hingegen zu
dem Steppengebiet rechnen, findet eben nur in der engen Verbindung
mit den Nachbarländern seine Berechtigung.
Die Ruinen der lycischen Städte und andere Alterthümer geben