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402 IV. Steppengebiet.
Natriumsalze unzweifelhaft hervorgeht, verlegt dieser Naturforscher
in eine frühere geologische oder doch vorhistorische Periode und erklärt
sie für längst abgeschlossen. Hiebei stützt er sich auf die
Angaben Herodot's, nach denen das kaspische Meer vor mehr als
2000 Jahren denselben Umfang hatte, wie jetzt, und er weist zugleich
nach, dass die russischen Steppen durch ihr fliessendes Wasser
längst ausgesüsst sind, was auf einen langen Zeitraum schliessen
lässt, seit welchem die Auslaugung begann, da ein frisch entblösster
Meeresboden die Flüsse, die ihn durchströmen, nothwendig salzen
muss. Das süsse Wasser der Wolga und der übrigen russischen
Ströme beweist, dass das Salz in der Steppe nur da zitrückgeblieben
ist, wo es nach der Beschaffenheit des Bodens dem fliessenden Wasser
unzugänglich war.
Die Wüsten am Aralsee können ebenfalls nicht als ein Beweis
betrachtet werden, dass die Niederschläge daselbst seltener seien,
als in der Steppe. Aber um dies deutlich zu machen, muss der Begriff
der Wüste näher festgestellt werden. Es ist gerathen, hiebei
nur dem gewöhnlichen Sprachgebrauche zu folgen, da die mannigfachen
Versuche, dem Worte eine wissenschaftliche und dadurch
engere Bedeutung beizulegen, nur zu Missverständnissen führen
können. Denn etwas physikalisch Gemeinsames liegt den Wüsten
der Polarländer und denen der Kontinente Asiens und Afrikas überhaupt
nicht zu Grunde, sondern es wird durch diese Bezeichnung
nur die Unbewohnbarkeit von Landstrecken ausgedrückt, wo auch
die Thiere keine genügende Nahrung finden. Die Steppen sind von
Nomaden bewohnt, die Viehzucht treiben, die Bevölkerung der
Wüsten ist auf Oasen eingeschränkt, die abgelegen ihre Oede unterbrechen.
Gewöhnlich ist. Wassermangel die nächste Ursache dgr
Unbewohnbarkeit und des geringen Pflanzenwuchses, aber auf die
Polarwüsten mit ihrem die Oberfläche durchfeuchtenden Eiswasser
passt auch diese Beschränkung des Begriffs nicht, und ebenso wenig
auf die Salz führenden Moräste, die mit dem Flugsande am Aral
abwechseln, und deren Wasser nicht trinkbar ist. Wüsten ohne regelmässig
eintretende atmosphärische Niederschläge, wie die afrikanische
Sahara, wo es oft eine Reihe von Jahren hindurch nicht
regnet, kenne ich wohl in Arabien, im Innern von Asien dagegen nicht.
Dennoch kann aber auch in Asien der Wassermangel ebenso gross
Kaspisches Depressionsgebiet. 403
;sein, wenn es nicht möglich ist, das Grundwasser im Boden zu erreichen.
Allein diös hängt von der Beschaffenheit des Erdreichs,
nicht von dem jährlichen Regen- oder Schneefall ab. Ist die Oberfläche
thonhaltig oder liegen die Thonschichten, die den Abfluss des
Wassers nach abwärts verhindern, in nicht zu grosser Tiefe, so
bleibt der Boden, nachdem der Schnee geschmolzen, feucht genug,
um eine üppige Vegetation von Gräsern und Stauden zu erzeugen,
aind diese wiederum, indem sie Humus zurücklässt, trägt auch hiedurch
dazu bei, die Feuchtigkeit zurückzuhalten. Wo aber mächtige
Sandmassen und Gerölle oder Felsen, die das Wasser durchlassen,
abgelagert sind, da versiegen die Zuflüsse, welche den Wurzeln der
Pflanzen erreichbar sind. Dann wird die Steppe zur Wüste, die
•Karavanen finden nicht mehr wie dort einen Brunnen, ihr Vieh zu
tränken und suchen über die unwirthbare Fläche eilends hinüber zu
kommen. Das sind die Landschaften, wo selbst die fliessenden Gewässer
sich in der Tiefe des lockeren Bodens verlieren. Die Circulation
des Wassers ist auch in der Wüste nicht gehemmt, m^g der
Schnee des Winters, wie in der gemässigten Zone Asiens, auf sie
lierabfallen, oder der Boden nur durch die seltenen Gewittergüsse
der Sahara benetzt werden. Denn zu so grosser Tiefe das Grundwasser,
welches durch diese atmosphärischen Zuflüsse gespeist wird,
^uch hinabsinken mag, der Boden des Meers ist doch noch viel tiefer,
^uf den es, über undurchdringlichen Schichten hinabgleitend, doch
zuletzt in verborgenen Quellen sich ergiessen kann, um in den Kreislauf
zwischen Ocean, Atmosphäre und Festland endlich zurückziikehren.
Wenn der Schnee der Steppen und Wüsten schmilzt, sinkt
die Feuchtigkeit im Frühling mit ungleicher Geschwindigkeit zu den
unterirdischen Behältern: die Wüste ist daher reicher an Holz-
.gewächsen, als die Steppe, weil deren Wurzeln tiefer in den Boden
.eindringen. Da sie aber zerstreut wachsen und wenig Blätter, wenig
periodische Organe besitzen, so bilden sie zu wenig Humus, um den
Abfluss zu verlangsamen, und bald steht ihnen nur noch die Feuchtigkeit
zu Gebote, welche sie im Anfange ihrer Entwickelungsperiode
in ihr Gewebe äufgesogen hatten. So ist die Vertheilung der Pflan-
^enformen des Depressionsgebiets durch die wechselnde Mischung
•der Erdkrumen erklärlich, auch wenn die Oberfläche darüber keinen
Aufschluss giebt. Diese kann in den Steppen ebenso wohl aus Sand,
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