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322 III. Mittelmeergebiet.
mehrere Arten, die ScämmtUcli iiidische Feigen [Ftci indicU), in
Spanien aucli Tuna genannt werden. Die grössere, nur in den
wärmsten Gegenden gedeihende Opuntie (0. fims indica) hat einen
aufrechten Stamm, der 8 — 12 Fuss hoch wird, und dessen fast dornenlose,
ovale Gliederungen über einen Fuss lang und etwa einen Zoll
diclv sind; eine ähnliche Art [0. ami/daea) trägt lange Dornen. Die
gewöhnlichste und am weitesten nach Norden gehende Opuntie
(0. vulgaris) ist ebenfalls dornig; ihr Stamm bedarf einer Stütze und
schmiegt sich den Felsen an, seine Glieder werden nur wenige Zoll
laug. Ebenso wie die Familie der Cacteen hat auch die Agavenform
sich erst aus fernen Ländern in der Mediterranflora angesiedelt.
Diese Succulenten unterscheiden sich dadurch von der Cactusform,
dass es hier die zu einer Eosette vereinigten Blätter sind, die sich
fleischig, das heisst zu einem saftreichen Gewebe verdicken. Die
Agavenform ist durch die Agave selbst [Agave americana) und durch
eine Aloe [Aloe vulgaris) vertreten, welche man beide irrig unter der
letzteren Bezeichnung zusammenzufassen pflegt. Sie finden sich,
wie die indischen Feigen, vorzugsweise an warmen Felsküsten. Die
Agave ist das bekannte Gewächs, dessen schmale, zugespitzte, dornig
gezähnte Fleischblätter sich bogenförmig wohl 6 Fuss Aveit ausbreiten
können und eine Rosette bilden, aus welcher zuweilen die nackten
Blüthenschäfte 10 bis 20 Fuss hoch rasch emporwachsen und in eine
überhängende Rispe von gedrängten, gelblichen Blumen ausgehen.
Die Agaven stammen aus dem tropischen Amerika, die Gattung Aloe
hingegen aus Afrika. Die am Mittelmeer angesiedelte Aloe ist gleichsam
eine Agave in verjüngtem Massstabe, deren Blüthenschaft nur
,1 — 2 Fuss hoch aus der Blattrosette sich erhebt. Ihr Heimathsland
ist wahrscheinlich der kanarische Archipel, von dem sie über das
Meer sowohl nach Westindien, als nach Europa gelangt ist. Die
Chenopodeenform, welche die halb-succulenten Gewächse begreift,
bei welchen nur die Blätter flei&chig, die Stengel- und Stammorgane
aber an dieser Bildungsweise meist unbetheiligt sind, ist als ein Erzeagniss
salzhaltigen Bodens theils am Seestrande, theils in denjenigen
Gegenden Spaniens entwickelt, die nach ihrem Klima, wie
nach der Beschaffenheit der Erdkrume den russischen Steppen zu
vergleichen waren. Die Salsoleensträucher hatten am mittelländischen
Meere früherhin eine gewisse Bedeutung, indem sie zur Fabri-
Lianen. — Rohr- und Steppengräser. 323
kation der Soda benutzt wurden, aber mannigfaltiger als dort sind
sie in der spanischen HalophytenVegetation. Unter diesen letzteren
sind einige Arten endemisch, andere auch in Nordafrika und in der
Sahara einheimisch, sowie auch durch eine andere Gattung [Mesem-
Irxjanthemum), deren Centrum am Kap liegt, und von welcher zwei
Litoralpflanzen am Mittelmeer vorkommen, eine gewisse Verwandtschaft
mit dem afrikanischen Kontinent angedeutet ist.
Eine anderweitige Verknüpfung mit tropischen Pflanzenformen
zeigt sich darin, dass in den Wäldern und Gebüschen die -Vegetation
der Schlinggewächse eine einigermassen erhöhte Bedeutung erhält.
Oft überranken sie das lichte Unterholz, welches den Raum zwischen
zerstreut wachsenden Bäumen ausfüllt, im tiefen Schatten des Hochwalds
winden sie sich zu den Kronen, um das Licht zu suchen. Bei
einigen ist das Laub derb und glänzend, wie an immergrünen Gewächsen
[Smilax), bei andern, wo es zart und zuweilen fast durchsichtig
ist [Tamus), entzieht es sich gern der helleren Beleuchtung.
Beide Hauptformen, sowohl der holzige Stamm der Lianen, als der
schwache, kletternde Stengel des Convolvulus gehören zu den Bildungen
der Mediterranflora. Einige Gegenden sind reicher an
Schlinggewächsen, als andere, so besonders die dichten Waldungen
am Pontus, wo, wie auch in Thracien, der Weinstock seine ursprüngliche,
von hier bis zur Donau reichende Heimath hat und
überall an den Baumstämmen emporrankt.
So erinnert auch das Rohrgras Südeuropas durch die Höhe
seines Wuchses an die Bambusenform der tropischen Zone. Das
spanische Rohr [Arundo Donax), welches schon in der Lombardei
auftritt, wird 12 bis 15 Fuss hoch und hat einen holzigen Halm, wie
diese, aber nicht ihre büschelförmige Seitenverzweigang. Dieselbe
Grösse von 15 Fuss erreicht auch eine Hirse [Sorghum saccharatum) ^
die, in der Po-Ebene als Futtergewäclis m neuerer Zeit häufig angebaut,
in diesen ergiebigen Fluren mehr als irgend eine andere
Kulturpflanze den Eindruck höchster Fruchtbarkeit des Bodens hervorruft.
Diesem entgegengesetzt und dem trockenen Klima dürrer
Hochflächen entsprechend erscheint das Bild des spanischen Esparto-
Grases [MacrocMoa), einer in grossen, steifen Rasen die weiten Flächen
des Tafellandes gesellig bekleidenden Stipaceengattung, die hier die
verwandten Formen der russischen Steppengräser ersetzt.
F.