
516 V. Chinesisch-japanisches Gebiet.
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Leben anstrebt, gegeben. Auf solche Vorstellungen stützt sich die
Folgerimg, dass, je näher die Centren verschiedener Pflanzen geographisch
gelegen sind und je weniger daher ihre klimatischen Bedingungen
abweichen, desto ähnlicher auch ihre Organisation werden
musste, oder, was dasselbe ist, desto mehr Arten auch in derselben
Gattung entstanden sind. Diese Erscheinung zeigt sich in der That
überall, wo wir endemische Arten vergleichen können, deren Verbreitung
eine beschränkte blieb, aber auf den Inseln, die eine eigenthümliche
Vegetation besitzen, ist sie weniger ausgesprochen, als auf
den Kontinenten. Von irgend einem Punkte aus ändert sich das
Klima meist allmälig, gleichwie die Radien eines Kreises vom Mittelpunkte
zur Peripherie nach und nach weiter aus einander treten.
Auf einem Kontinent aber ist die ganze Raumfläche des Kreises als
geeignet zu denken, bestimmte Abänderungen der Organisation hervorzubringen
, auf einem Archipel wird sie durch das Meer unterbrochen,
und hier sind daher weniger einzelne Arten von ähnlicher
Bildung entstanden. Ein zweites Moment besteht darin, dass die
Gattungen , unter einander verglichen , ungleich veränderungsfähig
sind, ihre Arten demnach, um bei demselben Bilde zu bleiben, auf
den Radien jener Kreisfläche in weiteren oder engeren Abständen
geordnet erscheinen würden. Ist der Umfang des festen Bodens
gering, so werden leichter Monotypen entstanden sein, Gattungen,
die auf der einen Seite wenig oder gar nicht veränderungsfähig sind,
auf der anderen bei einem gewissen Masse des klimatischen Wechsels
nicht mehr bestehen können. Wiederholen sich in weiter geographischer
Entfernung die bedeutendsten klimatischen Momente,
deren sie bedürfen, noch einmal, so finden wir vielleicht in einem
anderen Erdtheile eine zweite Art, und auf diese Weise erklärt sich
überhaupt der Ursprung derjenigen Arten, die man vikariirende genannt
hat. Vollkommen gleicht sich indessen das Klima, als ein
Komplex der verschiedensten Erscheinungen, gegen welche die Organismen
sich receptiv verhalten, an zwei entfernten Punkten der
Erdoberfläche niemals. Und dies kann man als den Grund von der
Einheit der Vegetationscentren, das heisst davon ansehen, dass jede
Art von einem einzigen Entstehungsorte bei ihren Wanderungen
ausgegangen ist, womit die Möglichkeit vereinzelter Ausnahmen,
Absonderung der Centren. 517
die bei weniger receptiven Pflanzen denkbar sind, nicht ausgeschlossen
wird.
Rascher erfolgt der klimatische Wechsel von Süden nach Norden
, als auf demselben Parallelkreise des Aequators, oder in der
ersteren Richtung sind wenigstens die bestimmenden Einflüsse auf
die Organisation von grösserem Gewicht. Erstreckt sich daher ein
geographisches System von Vegetationscentren vorherrschend von
Westen nach Osten, so werden die Arten häufiger, als die Gattungen
verändert sein. Leichter wird die Zahl der Arten einer Gattung in
Asien, als in Amerika erhöht werden. Ein so grosser Artenreichthum,
wie bei den Astragalen der alten Welt, ist bei keiner amerikanischen
Gattung beobachtet. Das Gebiet der japanischen Flora
hat nun eben, wie Amerika, den Charakter einer grösseren Meridianausdehming
(30—49 0 N. B.) bei verhältnissmässig geringer
transversaler Breite : dies sind demnach ungünstige Bedingungen für
die Entstehung artenreicher Gattungen, günstige für die der Monotypen.
Nach diesen Ausführungen ist es also möglich, aus dem einfachen
und selbstverständlichen Grundsatze der klimatischen Anpassung
die wichtigeren Erscheinungen abzuleiten, welche sich auf
die Vertheilung verwandter Pflanzen beziehen.
Die meisten endemischen Gattungen Japans sind durch ihre
Organisation so bestimmt von denen abgesondert, die ihnen im System
am nächsten stehen, dass ihre Selbständigkeit nicht angefochten
werden kann. Auf Kontinenten sind die Grenzen der artenreicheren
Gattungen oft unbestimmter, wodurch, da jede Systematik bis zu
einem gewissen Grade willkührlich ist, leicht Meinungsverschiedenheiten
über ihren Umfang entstehen können. Auf Inseln hingegen,
die gleichsam durch, weitere Intervalle klimlitisch gesondert sind, ist
es nicht selten schwierig, ihre endemischen Gattungen im System
ihrer Stellung nach sicher einzuordnen. Die Grenzen der Familien
sind durch Organisationen von vermittelndem Bau ebenso schwankend,
wie die der Gattungen durch vermittelnde Arten. Von solchen
Mittelgattungen liefern die Inselfloren gerade in ihren eigenthümlichsten
Organisationen manche Beispiele, und auch in Japan begegnen
uns Schwierigkeiten dieser Art. Die Gruppe der Trochodendreen
[Trochodendron und Euptelea, letztere jedoch in der Ana-
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