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256 III. Mittelmeergebiet.
ja auch als eine Fortsetzung der Seealpen betrachtet werden kann.
Die immergrüne Region an den lombardisehen Seen ist daher nicht
als ein normaler Ausdruck des Klimas, sondern als eine örtliche
Ausnahme von dem Vegetationscharakter der Po-Niederung zu betrachten
, die in der durch den Schutz der Alpen gegen nördliche
Winde gesteigerten Wärme ihre Erklärung findet. Auch ist es eine
ganz offene und fast nur willkührlich zu entscheidende Frage, ob
man die norditalienische Ebene noch zu der mitteleuropäischen Flora
rechnen oder, wie es hier geschehen, nach Massgabe so mancher
südlicher Pflanzenformeu als ein üebergangsgebiet zu den südlicheren
Gagenden der Halbinsel auffassen will. Von den Landschaften, die
jenseits des nördlichen Apennins liegen, unterscheidet sich dasselbe
durch einen strengeren Winter , und hierin Scheint die Ursache ?;u
liegen, dass der Oelbaum schon von Bologna aus nicht mehr gedeiht.
Die Unterschiede der Temperatur des wärmsten und kältesten Monats
betragen im Pogebiet mehr als 18 ; sie überschreiten den
Grenz Werth der immergrünen Region, wie aus der Vergleichung mit
dem Klima der illyrischen Küste und Griechenlands hervorgeht. Die
Alpen wirken also auf den benachbarten Theil Italiens in der Weise,
dass sie an ihrem Fusse zwar den Nordwind und die Winterkälte
abhalten, dass aber schon in geringer Entfernung die nördlichen
Luftströmungen, durch ihre Schneeregionen erkältet, die Ebene erreichen
und bereits in Mailand sich so sehr fühlbar machen, dass hier
die Januarwärme nur noch einen halben Grad über dem Gefrierpunkte
liegt.
An der Küste Illyriens reicht die Mediterranflora mehr als anderthalb
Breitengrade (— 46 ^ N. B.) weiter nach Norden, als im
Rhonethal, bis in die Gegend von Görz, so dass vielleicht nirgends
in den Alpen die Physiognomie des Südens malei-ischer und bedeutender
entgegentritt, als bei dem Uebergange von den waldigen Gehängen
des wasserreichen Isonzo zumLitoral des adriatischen Meers.
Hier, am Fusse der karnischen Alpen, liegt überhaupt der nördlichste
Punkt, den die Mediterranflora irgendwo erreicht. Diese
Erscheinung wird noch auffallender dadurch, dass die beiden Küsten
des adriatischen Meers sich entgegengesetzt verhalten. Das italienische
Gestade ist, wie wir sahen, noch über drei Breitengrade weit
von den meisten Pflanzenformen des Südens entblösst, während eine
Griechisches Klima. 257
immergrüne Region die Ostküste vom Golf von Triest bis Dalmatien
hin und weiter fast ununterbrochen bekleidet. Es ist nicht bloss der
Schutz der die illyrische Kütte bis Albanien stetig umsäumenden
Alpenketten, wodurch die Temperatur des Winters freilich auch
hier, wie an den lombardisehen Seen, erhöht wird, sondern abweichende
Regenverhältnisse lassen sich ebenfalls, wie anderswo,
nachweisen. Wenn man freilich den Sommer von Triest und Venedig
vergleicht, scheint sich diese Ansicht durch die Messungen des
Niederschlags nicht zu bestätigen, wiewohl in den Umgebungen
dieser beiden so nahe gerückten Küstenstädte jener Unterschied des
Vegetationscharakters bereits vollständig ausgeprägt ist. Nicht bloss
ist in Triest die Grösse des Niederschlags wegen der Nähe des Gebirgs
überhaupt bedeutender, als in Venedig, sondern auch im Sommer
beträgt sie etwas mehr [dort 9",4, hier 8",629)]. Aber die
Zahl der Sommerregentage ist in Venedig ebenso gross, als in Mailand,
und dass in Triest, wo über diesen Werth die Nachweisungen
fehlen, dies nicht der Fall sei, kann man daraus schliessen, dass zu
Ende der warmen Jahrszeit die Vegetation daselbst ebenso verdorrt
ist wie M Dalmatien. So sehr täuschen die blossen Vei'gleichungen
der Menge des Niederschlags, die ohae Zweifel in Triest nur deshalb
auch während des Sommers so bedeutend ist, weil einzelne Gewittergüsse
eine grössere Menge Wasser liefern können. Ueber dem
adriatischen Meere entwickelt sich, wenn auch durch die Lage der
Küsten abgelenkt, der Sommerpassat bis zur änssersten Spitze des
Golfs während dieser Wind der norditalienischen Ebene durch den
ApeMiin entzogen war. Verstärken sich die nördlichen Luftströmungen
zur Bora, so sind die Wirkungen auf die illyi-isch-dalmatische
Küste ähnlich, wie die des Mistral in der Provence, und da der Ursprung
der Bora in den karnischen und kroatischen Gebirgen liegt,
die ebenso schroff, wie die Seealpen, von dem schmalen Vorlande
ansteigen, so ist auch hier der Gegensatz der immergrünen Region
zu der Vegetation des ianeren Landes im höchsten Masse ausgeprägt.
Nur innerhalb des Meerbusens von Fiume, wo die Mjrte, noch auf
Lussin einheimisch, von der Insel Cherso ausgeschlossen ist 3i), eileidet
dieser Saum der Mediterranflora eine Unterbrechung. Uebngens
herrschen die gleichen klimatischen Bedingungen von der MunduBg
des Isonzo in Illyrien bis zum See von Scutari in Albanien.
Grisebacli, Vegetation der Erde. I. ^^
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