
11
i i .' ^
• •
n
1 • ••.
l i i ' i i r ' ^ '
, .iiililiä
•ir.?!^
146 II. Waldgebiet des östlichen Kontinents.
Stellung der wilden Rebe in den Wäldern an der unteren Donau
wurde bereits angeführt.
Zu durchaus selbständigen Formationen ordnet sich , die Form
des Krummholzes an der Baumgrenze der Gebirge und die der Erikensträucher
in den Küstenlandschaften. Die langgestreckte Nadel des
eigentlichen Krummholzes [Pimis montana oder Mughus) entspricht
der der nahe verwandten Kiefer, aber in anderen Fällen geht dieselbe
durch Verkürzung in die Erikennadel über. Am bedeutendsten
ist die Krummholzregion in den Karpaten und Sudeten entwickelt,
wo sie eine dichte, 3—4 Fuss hohe Bekleidung des Bodens bildet,
die sich weithin zwischen der Waldgrenze und den alpinen Matten an
den Gebirgsabhängen entlang zieht. Die Eigenthümlichkeit des
Krummholzes besteht darin, dass die bogenförmig aufsteigenden
Zweige zu einem zusammenhängenden Strauchdickicht verflochten
und die gedrängten Nadeln nach oben zu plattenförmigen Polstern
geordnet sind, welche im Winter die schwersten Schneemassen zu
tragen vermögen, wodurch aber auch jede andere Vegetation am
Boden ausgeschlossen wird. Auf den Alpen, wo das Krummholz
zuweilen in die Thäler herabsteigt, nimmt es in westlicher Richtung
an Häufigkeit ab, im nördlichen Europa fehlt es ganz und wird nur
unvollkommen durch den Zwergwachholder [Juniperus nana) vertreten.
Auf den Gebirgen Sibiriens tritt an seine Stelle die strauchförmig
wachsende Arve (P. Cemhra var. pumila), die hier ebenfalls
eine eigene Region an der Baumgrenze bildet.
Die immergrüne Erikenform ist eine eigene Bildung des westlichen
Europas. Zwar findet sich die Calluna, der Haidestrauch der
baltischen Ebene, noch in R u s s l a n d a b e r hier bedarf sie in den
meisten Gegenden des Schutzes beschattender Bäume, die den Boden
feuchter erhalten. Schon hiedurch ist das Feuchtigkeitsbedürfniss
der Erikenform angedeutet. Die offene Haidefläche der baltischen
Ebene ist ein Erzeugniss des Buchenklimas: auch in Schottland geht
die Calluna (— 59 ö) nur wenig über die Buchengrenze (58 0) nach
Norden. Im Gebirge gedeiht sie im Bereiche der Wolkenregion, bis
zw bedeutender Höhe ist der nackte Abhang des Montblanc bei
St. Gervais von Calluna bedeckt. Auch den feuchten Bergwäldern
ist die Erikenform nicht fremd, eine eigenthümliche Art (-E'nca
bewohnt die Nadelwälder in der Osthälfte des Gebiets der Edeltanne.
Krummholz. — Erikenform. — Weidenform. 147
Auch ist das entschiedene Seeklima oder dessen Ersatz durch die
vermehrten Niederschläge im Gebirge nur ein Bedürfniss der eigentlichen
Eriken; andere Ericeen ersetzen sie in den Sümpfen (z. B.
Andromeda polifolia)^ und von diesen wachsen einige in Östlichen Meridianen
[Ledum, Andromeda calycidata).. Bei diesen so allgemeinen
Beziehungen zu der Feuchtigkeit der Luft oder des Bodens ist es indessen
auffallend, dass dieselben Eriken, die Calluna und die
Glockenhaide [Erica Tetralix) im nordwestlichen Deutschland sowohl
den dürren Sand, als den wassergetränkten Torf der Hochmoore bekleiden
98) und ungeachtet des grössten Gegensatzes in der Bewässerung
diesen Gegenden eine gleichartige Physiognomie ertheilen.
Aber diese scheinbare Unabhängigkeit von der Feuchtigkeit des
Bodens findet vielleicht darin ihre Erklärung, dass auch auf dem
trockenen Hügellande die Haidesträucher eine gebundene Humus-
•schicht über dem lockeren Sande ablagern, welche die atmosphärischen
Niederschläge des Seeklimas einige Zeit zurückzuhalten geeignet
ist. Wenn in einem grossen Theile der baltischen Ebene die
Calluna der einzige Vertreter der Eriken ist und die Glockenhaide
erst an der Vegetationslinie des Hülsenstrauchs auftritt und dann in
der Richtung zur Nordseeküste immer häufiger wird, so vermehrt
,sich die Mannigfaltigkeit der Arten in Frankreich, bis sie in den
Haiden der Gascogne am grössten wird, wohin sich die meisten portugiesischen
Formen längs des atlantischen Meeres verbreiten. In
der langen Vegetationsperiode dieses Klimas werden auch die Sträucher
selbst grösser. In der Lüneburger Haide ist es schon selten,
Sträucher von 2—3 Fuss Höhe anzutrefien, in der Gascogne beträgt
die gewöhnliche Höhe des Haidegesträuchs etwa 3 Fuss und zuweilen
fast das doppelte.
Die Weidenform bleibt auch im Waldgebiete grossentheils an
dieselben Bedingungen gebunden, welche ihre Verbreitung in den
arktischen und alpinen Gegenden bestimmen. Sie ist nur durch gewisse
Arten der Weidengattung [Salix) vertreten, an welche sich an
einigen südlichen Flussufern und an der Küste der Nord- und Ostsee
ausserdem eine Elaeagnee [Hippophae rhaninoides) anreiht. Denken
wir uns die Wälder als die ursprünglich allgemeine Bekleidung des
Landes, so lassen sich die übrigen Formationen, welche den Zu-
,sammenhang derselben bald in einzelnen Linien, bald auf grösseren,