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408 IV. Steppengebiet.
Mau sieht also, wie bei dem europäischen Weinbau, auch hier, in
welchem Masse die Zuckerbildung in den Früchten durch die hohe
Sommerwärme befördert wird. Aber noch lehrreicher ist der Ackerbau
von Buchara dadurch, dass er zeigt, wie sehr die Vegetation der
Kulturpflanzen durch das kontinentale Klima beschleunigt und das
Wachsthum der Stengelglieder erhöht wird. Der Weizen, dasHauptgetraide,
wird schon im Juni geerntet, nachdem er, im September
gesäet, den Winter überdauert hatte, und er trägt zuweilen das vierzigste
Korn, worauf als zweite Frucht die Mungobohne folgt {P/ia~
seolus Mungo), deren Ernte noch in demselben Herbste stattfindet.
Selbst der Reis, dessen Entwickelungsperiode in anderen Gegenden
so viel Zeit erfordert, ist von diesem kontinentalen Klima
nicht ausgeschlossen. Die Luzerne [Medicago satma) ist das allgemeine
Fattergewächs und kann, in Folge wöchentlich wiederholter
Bewässerung, fünf- bis sechsmal im Jahre geschnitten werden, wobei
diese Pflanze doch zu ungewöhnlicher Höhe (5—6 Fuss hoch) aufschiesst,
wie auch die Hirse [ßorghmn) sechs bis neun Fuss hoch
wird und schon nach drei Monaten reif ist. Unmittelbar an die Felder
und Baumgärten grenzt, wie die Sahara an ihre Oasen, die salzige
Lehmsteppe, die noch öder ist, als die Wüste Kisilkum am
Aralsee. In dieser kommen doch dürre Sträucher und Halophyten
vor, während auf dem Lehmboden von Buchara die Fläche oft von
aller Vegetation entblösst ist. Die Bewässerung hat nicht bloss die
Erde auszusüssen, sondern auch die Temperatur zu massigen. Denn
die Luftwärme steigt während des Sommers im Schatten bis 35^,
und in der Sand wüste am Oxus wurde der Boden sogar bis zu 50^
erhitzt gefunden ^i). Der Ackerbau an diesem Strome, in der Kulturebene
von Chiwa (42 ^ N. B.), ist dem von Buchara ganz ähnlich,
aber reichhaltiger sind die Nachrichten über das Klima und die Entwickelungsphasen
der Kulturpflanzen, welche man der Reise Basiner's
nach diesem westlicher gelegenen Chanate verdankt. Der Eisgang
beginnt im Oxus in der ersten Hälfte des Februar, aber die Nachtfröste
dauern bisweilen bis in den April. Ende März wagt man die
Reben, die Feigen- und Granatbäume, die im Winter umwickelt
werden, zu entblössen. Um diese Zeit belauben sich auch die
Bäume. Schon im April wird die Hitze sehr gross und steigert sich
ununterbrochen bis gegen Ende Juli zum Unerträglichen. Im Juni
Kaspisches Depressionsgebiet, 409
oder spätesfens zu Anfang Juli reift der Weizen: gleichzeitig die
Pflaumen und Aprikosen, die essbaren Cucurbitaceen und die frühen
Weintrauben. Mit dem August nimmt die Wärme allmälig ab : schon
im September stellen sich zuweilen Nachtfröste ein, durch welche die
Ernte der Hirse, des Reis und der späten Trauben vereitelt werden
kann. Die Entlaubung der Bäume dauert von der zweiten Hälfte
des Oktober bis Anfang December. Der December ist der kälteste
Monat, in welchem der Oxus und der Aralsee zufrieren : eine Eisschicht
von 16 Zoll Dicke kommt vor, obgleich die Kälte hier, durch
Nebelbildungen gemildert, mässiger zu sein scheint, als in den nördlicher
gelegenen Steppen.
Vergleicht man die Irrigationskultur Turkestans mit dem Ackerbau
Aegyptens, so sind die Vorzüge und Nachtheile eines trockenen
Klimas in den höheren Breiten Asiens und in den niedrigeren der
Sahara nicht zu verkennen. Dort kann das Flusswasser, welches
vom schmelzenden Schnee der Hochgebirge gespeist wird, während
der ganzen Dauer der warmen Jahrszeit benutzt werden, aber die
Vegetation ist im Winter unterbrochen. Hier ist der hohe Nilstand
von tropischen Sommerregen abhängig und von kurzer Dauer [vom
Juni bis zum September 22)], so dass die Bestellung des Ackers gerade
in den wärmsten Monaten unmöglich wird. Die Ernten, die
grösstentheils im Winter und Frühling stattfinden, wiederholen sich
häufiger auf demselben Boden, und sie bestehen auch aus tropischen
Gewächsen von längerer Entwickelungszeit, aus Zuckerrohr und
Datteln, die in dem Kontinentalklima Asiens nicht mehr fortkommen,
aber nidit in gleichem Masse ist die Süssigkeit der Baumfrüchte gefördert.
Der Kaukasus und die Gebirgszüge, welche in Chorasan den
Elborus mit dem Hindukusch verbinden, bilden, wie bereits bemerkt
wurde, die Südgrenze des kaspischen Depressionsgebiets. Auf dem
geneigten Boden, der die wagerechte Strömung der Winde ablenkt,
sind auch in der warmen Jahrszeit die Bedingungen von Niederschlägen
gegeben, welche die Vegetation der nördlichen Wälder im
Bereiche der Steppen erneuern. Die Gebirgsketten verhalten sich
ähnlich, wie sie in Südeuropa der Mediterranflora gegenüberstanden,
aber mit dem Unterschiede, dass die unteren Regionen wegen der
Trockenheit der Atmosphäre gewöhnlich noch dem dürren Steppen-
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