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404 IV. Steppengebiet.
Avie aus Lehm oder Thou gebildet sein und mehr oder weniger Humus
erzeugen; in den Wüsten besteht sie aus durchlassenden Erdschichten
. . Da in einer früheren geologischen Periode das ganze Depressionsgebiet
ein grosses Meer war, so ist es nicht auffallend, dass der
tiefste Raum desselben, der die Mitte bildet, vorzugsweise von sandigen
Erdkrumen bedeckt wurde, die nun zu den Wüsten am Aralsee
geworden sind, und dass gegen die ehemaligen Küstenlinien hin
der Thongehalt wächst, der die Steppenvegetation begünstigt. Denn
gerade so setzen in der Gegenwai't die Flüsse den feineren Detritus
in den Marschen und Deltabildungen ab, wogegen der gröbere und
schwerere Sand erst in weiterem Abstände von ihrer Mündung zu
Boden fällt und in den tieferen Räumen des Meeresbodens gesammelt
wird. Die Fruchtbarkeit des Depressionsgebiets ist von dem nördlichen
Waldsaume aus gleichsam zu drei Terrassen geordnet, wobei
indessen bedeutende Unregelmässigkeiten leicht begreiflich sind. Am
deutlichsten ist diese Abstufung in der Richtung von den südrussischen
Grassteppen bis zum Aralsee. Die untere Wolga scheidet das.
bessere Weideland von der öderen Kirgisensteppe, und diese grenzt
südwärts, unter dem 46. Parallelkreise, an die Wüste Karakum am
nordöstlichen Gestade des Aral.
Dass das Klima der Steppen dem südeuropäischen näher als
dem des Waldgebiets verwandt sei, erkennt man daran, dass der
Uebergang im Westen minder schroff ist, als im Norden. Dort ist
es die allmälig gesteigerte Dauer des Winters, welche eine ebensO'
allmäUge Vermischung von Mediterran- und Steppenpflanzen gestattet,
hier die schärfer bestimmte Grenze des Sommerpassats, wodurch
die Floren geschieden werden. Die Verbindungen mit dem Mittelmeergebiet
würden noch häufiger sein, wenn nicht die Randgebirge
der anatolischen Halbinsel bis zum Libanon nebst dem westlichen
Kaukasus den Austausch erschwerten. Eine unmittelbare Berührung
aber scheint in Thracien stattzufinden, und hier ist die JSTordküste der
Propontis als eine Uebergangszone zu bezeichnen. Das ausgedehnte
Weideland, in welchem die Kräuter vorherrschen oder kleine Dornsträucher
den dürren Boden einnehmen, erinnert schon entschieden
au die Steppe, aber die herrschenden Arten gehören doch noch zur
Mediterranflora. Erst im Delta der Donaumündung, dessen Inseln
gerade wie am kaspischen Meere und am Aral von unermesslichen
Kaspisches Depressionsgebiet, 405
Schilfdickichten bedeckt sind, und in der unteren Moldau i«) zwischen
dem Sireth und Pruth, wo hochwüchsige Stauden auf dem Humusboden
wachsen und doch die trockene Jahrszeit schon vor Ende Mai
eintritt, sind die Formationen der russischen Steppe rein ausgeprägt.
Von hier aus lässt sich die Waldgrenze durch Russland bis zum Altai
mit grosser Schärfe feststellen. Dass die Ursache dieses schroffen
Wechsels eine klimatische sei und derselbe nicht, wie man gemeint
hat, auf den geognostischen Formationen beruhe, geht aus der Verbreitung
des sogenannten Tschernosem, einer äusserst fruchtbaren,
schwarzen Humuserde hervor, welche die Uferlandschaften des Diluvialmeers
bezeichnet, von dem die Steppen Russlands ehemals bedeckt
waren. Dieser Humus, die Quelle des reichen Bodenwerths
der Ukraine, wo Roggen gebaut wird, ohne jemals der Düngung zu
•bedürfen, reicht zuweilen zehn bis fünfzehn Fuss tief i^) und kann
daher nicht von der heutigen Vegetation herrühren, sondern ist als
«ine Gabe vorweltlicher Pflanzen an die Bewohner Russlands anzu-
,sehen. Der Tschernosem ist dem Baumwuchs ungemein günstig,
und doch ist die Fläche des Landes in den Dnjepr gegen den bei Kiew
.schon waldleer, der Ackerbau hört »in der Mitte der Humuszone
^uf« 18). Nur in den Sumpfniederungen und in der Tiefe der Flussthäler
finden sich die Eichengehölze, gemischt mit wilden Obstbäumen,
aber auch hier sind die Wälder nicht zusammenhängend.
Bei Charkow beginnen sodann auf demselben Humusboden die schattigen,
feuchten Laubwälder der Ukraine und, wie an anderen klimatischen
Baumgrenzen, ist auch hier am Rande der Steppe ein Gürtel
von dichten, niedrigen Gesträuchen eingeschaltet. An der Wolga ist
beiSimbirsk (54 O) die Flora noch rein mitteleuropäisch, aber schon bei
•Sysran (53 o) tritt dieser Strom in die Steppe eini9). Hier hat sich
bereits im Juli das Grün ihrer Gräser in ein falbes Gelb verwandelt,
zu der Zeit, wo jenseits ihres Nordrandes die Vegetation in voller
Frische steht und eben ihren Höhenpunkt erreicht hat. An der
Grenze beider Floren genügt ein geringfügiger Schutz gegen die
Sommerdürre, um Baumformen hervorzurufen, eine leise Böschung,
wodurch die Richtung des Windes geändert wird, eine Senkung des
Bodens, die ihn länger feucht erhält. Auch hier strecken sich daher
bald Waldzungen in die Steppe vor, bald dringt die Steppe in den
Wald ein. In den Schluchten des Hügellandes, welches an der