
484 IV. Steppengebiet.
Verhältniss der Steppen zu den Nachbarfloren. 485
tion und der Fortpflaiizungsorgane abhängig. Wir finden daher
manche Organisationen nur auf einem engen Raum, aber auf Standorten
von sehr ungleicher Höhe, das Wohngebiet anderer umfasst
den ganzen Umfang der Steppen oder einen grossen Theil derselben.
Die verglichenen monotypischen Gattungen sind folgende: die Cruciferen
SchiwerecUa: Podolien—Kirgisensteppe, Anatolien—Persien;
Le.ptalmm : Wolga und Transkaukasien—Beludschistan; Diptychocarpns:
Kaspische Steppe — Afghanistan; Tauscheria: Kaspische
Steppe—Tibet [GoldhacUa ebenso, aber bis Indien) ; Hymenophysa :
Sougarei, Persien; Octoceras: Turkestan, Persien—Beludschistan ;
Coluteocarpus: Anatolien—Armenien und Syrien ; Parlatoria : Mesopotamien
, eine zweite Art in Persien; die Crassulacee Tetradiclis
(bisher als Rutacee aufgefasst) : Südrussland—Beludschistan (auch
Tunis) ; die Boraginee Caccinia : Syrien—Persien; die Synanthereen
Acroptilon-. Don—Songarei, Anatolien — Afghanistan; Chardmia:
Anatolien — Persien, Gundelia: Armenien und Syrien — Persien ;
Siehera-. Syrien—Persien; Pentanema: Mesopotamien, eine zweite
Art in Persien; Strahonia: Persien—Afghanistan ; Varthemia : Persien—
Afghanistan; die Thymelaee Diarthron: Kaspische Steppe
bis Songarei, Anatolien—Persien, eine zweite Art in der Gobi; die
Chenopodeen Anthochlarmjs •. Transkaukasien—Persien, Panderia:
Songarei, Armenien—Talüsch ; die Graminee HeterantMium : Syrien
bis Persien.
Aus der Vertheilung der Pflanzenfamilien werden sich, wenn
erst die endemischen von den weiter verbreiteten Arten genauer zu
unterscheiden sind, künftig noch bestimmter, als aus denMonotypen,
die systematischen Eigenthümlichkeiten der Vegetationscentren herausstellen.
Was in dieser Beziehung einigermassen sicher erschien,
habe ich in den Noten z u s amme n g e s t e l l t ^26). Das Gesammtergebniss
ist dadurch merkwürdig, dass die Reihe der im ganzen
Steppengebiete vorherrschenden Familien der iö der spanischen
Flora, wo das Klima des Tafellandes ähnlich ist, am nächsten
kommt. Aber in den Specialfloren sind die Abweichungen sehr
erheblich. Die Zunahme der Chenopodeen in den nördlichen Gegenden,
der Labiaten, Caryophylleen und ümbelliferen in den
Hochländern des Orients geht aus diesen Untersuchungen am deutlichsten
liervor.
Die Verknüpfung der Steppenflora mit den Vegetationscentren
der Nachbarländer steht in Verhältniss zu den klimatischen Analogieen,
aber die Vermischung ist eine weit beschränktere, als zwischen
Nord- und SUdeuropa, wo sie doch durch die trennenden Gebirgsketten
in viel höherem Grade erschwert erscheint. Allein noch stärkere
Schranken stehen im ersten Falle diesen Verbindungen entgegen.
An der nördlichen Grenze der Steppen, wo sie sich mit den
Wäldern fast überall auf einer ebenen Grundfläche berühren, ist der
klimatische Gegensatz zu gross und die Einwanderung daher auf die
Flusslinien und Gebirgsketten beschränkt, wo derselbe aufhört wirksam
zu sein. Flussverbindungen zwischen beiden Floren aber finden
sich fast nur in Südrussland, und, was die Gebirge betriffst, so sind
sie durch weite Räume oder durch das Meer geschieden, sofern man
vom Altai und Ural absieht, die orographisch mit den übrigen nicht
unmittelbar verbunden sind, und deren bewaldete und alpine Regionen
nicht mehr zum Steppengebiete gehören. So ist es erklärlich,
dass unter ähnlichen klimatischen Bedingungen die Gebirge zwar
niemals einer Reihe von nordeuropäisch-sibirischen Gewächsen entbehren,
aber doch um so ärmer daran sind und sie um so mehr
durch eigene Erzeugnisse ersetzen, je grösser der geographische
Abstand ist. Der Kaukasus und der Taurus sind daher diejenigen
Gebirge, wo die Vermischung mit europäischen Pflanzen den verhältnissmässig
grössten Umfang erreicht, der Alatau steht dem Altai
gegenüber in derselben Beziehung zu Sibirien. Die Bäume des Kaukasus
beweisen deutlich, dass dieses Gebirge gleichsam wie eine
Brücke die Waldregionen Europas und Asiens verbindet, und unter
ihnen ist keine streng endemische Art bekannt geworden. Der orographische
Zusammenhang mit den Gebirgsketten Anatoliens, die den
Verzweigungen des Balkan am Bosporus genähert sind, macht den
europäischen Charakter dies,er Wälder erklärlich. Leicht ist auch
der Uebergang zum persischen Elborus, aber von da ist die Lücke
bis zu den Waldregionen des Hindukusch und Himalaja gross, und
so ist auch die Anzahl übereinstimmender Baumarten erheblich gemindert.
Die Laubwälder des Kaukasus sind grösstentheils aus den
nordeuropäischen Buchen {Fagus u. Carpinus), Eichen, Birken,
Linden, Ulmen, Erlen, Ahorn [Acer platanoides) und Pappeln gebildet
; von Nadelhölzern finden sich die Kiefer, die Edeltanne und der
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