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422 IV. Steppengebiet.
Libanon reichen, entziehen sie den herrschenden Seewinden die
Feuchtigkeit, aber auch der südlichen Hochlandsterrasse sind auf
dem ganzen Kaume zwischen der fruchtbaren Küstenebene und dem
Jordan bis zur Breite des todten Meers (31 Mittelgebirge der Juraformation
aufgesetztes), deren abgerundete Bergformen ebenfalls
austrocknend auf die steilen Thalschluchten wirken, die in das tiefe
Jordanthal sich hinabziehen. Klima und Vegetationscharakter werden
in Palästina theils durch den Einfluss der arabischen Wüste,
theils durch die Nähe des Meers bestimmt: daher die winterliche
Regenzeit im Norden weit ergiebiger ist, als im Süden. Russegger-^^)
vergleicht Judäa mit den wild felsigen, unfruchtbaren Höhen des
illyrischen Karsts, und gegen das todte Meer geht diese Landschaft
in ausgeprägte Felswüste über, wo Äur in überaus engen Schluchten,
sich Erdkrume sammelt, wie in der am Grunde nur einige Klafter
breiten Rinne, die tief unter dem Kloster Saba zwischen 1200 Fuss
hohen, fast senkrechten Felsen der Bach Kidron bewässert. Judäa
kann daher nur in den Thälern, die fliessendes Wasser führen, die
Kulturpflanzen Südeuropas erzeugen, unter denen Oliven und Reben
hauptsächlich bemerkt werden. Samaria hingegen hat eine reichliche
Vegetation, und mehrere Gebirge sind bis zum Gipfel mit Wald
bedeckt. An den Vorbergen des Dschebel Nabud fand Russegger
freundliche Thäler mit Buchenwald, von Gazellen belebt und mit
schönen Wiesen wechselnd, an den Abhängen der zum Karmel auslaufenden
Kette kräftige Mischwälder von Eichen und Buchen. Dieser
Charakter steigert sich jenseits dieses Höhenzuges in Galiläa, wo der
Tabor bis zur Spitze bewaldet ist und das Thal desKison die reichste
Gartenerde besitzt. Hier breitet sich das üppigste Kulturland aus,
in südhcher Vegetationsfülle schwelgend, von bedeutenden Bergströmen
bewässert, mit reichem Weideland an den Berggehängen.
Auch noch jenseits des Jordan trägt das Gebirge von Adschlun in
Peräa dichten Eichenwald mit Pistazien und Arbutus .
In Syrien ist, wie in Mesopotamien, der Sommerpassat unterbrochen
, den der Taurus in die tiefer gelegene Hochebene einzudringen
abhält. Aber die westlichen Winde, die hier fast das ganze
Jahr herrschen , indem das mesopotamische Tiefland wie ein örtliches
Aspirationsceritrum auf das Mittelmeer zu wirken scheint, sind
ebenso trocken, wie jener Nordostwind. Die Regenzeit des Winters
Persien. 423
dauert bis zum März; bis zum Oktober bleibt nun die Hochebene
verödet, und da die Niederschläge in einzelnen, starken Güssen zu
erfolgen pflegen, so ist die Wassermenge oft bedeutender ^v), als ihre
Einwirkung auf die Vegetation erkennen lässt. Mit Mesopotamien
verglichen, dessen milden Winter es theilt, unterscheidet sich Syrien
durch eine weit geringere Sommerwärme und dadurch, dass der
Ackerbau, e b e n s o wie dort der Irrigationen bedürfend, in den meisten
Gegenden durch das Relief wenig begünstigt ist. Was die Bewässerung
indessen leisten könne, wenn das Niveau sie fördert, zeigt auch
im Inneren die reiche Kulturoase von Damaskus. . Der manmgfaltige
Wechsel der Hebungen und Senkungen des Bodens, auf engem
Räume zusammengedrängt, gestattet zwar eine bunte Mischung mit
Pflanzen aus den Nachbarländern, aber vermehrt auch zugleich die
Anzahl der endemischen Gewächse Syriens. Die in der Bibel genannten
A r t e n v o n Bäumen und Sträuchern, deren Systematik
genau erforscht worden ist, geben eine Vorstellung von diesem Eindringen
der Vegetation aus der Mediterranflora und aus der Sahara:
noch heute sind sie, wie auch die Kulturpflanzen, unter unveränderten
klimatischen und örtlichen Bedingungen dieselben gebheben, wie
in jenen fernen Zeiten des Alterthums. Am deutlichsten zeigt sich
der Einfluss der Sahara in dem eingesenkten Thaleinschnitte des
todten Meers, aber, wenn man behauptet hat, dass hier in Folge des
Niveaus ein tropisches Klima herrsche und dies durch indische Gewächse
angedeutet sei, so ist dabei die Uebereinstimmung nicht berücksichtigt
worden, welche die wüsten Landschaften Asiens und
Afrikas verbindet. Von tropischen Vögeln hat man einige m der
Oase von Jericho bemerkt, von tropischen Pflanzen finden sich nur
solche die auch in der arabischen Sahara einheimisch sind, mit welcher
die Landschaften am todten Meere durch die Sinaihalbinsel sich
unmittelbar berühren. Die ausgezeichnetste Pflanzenform des tropischen
Afrikas, die daselbst vorkommt, ist der Oschur [Calotropts
procera), welche von Sudan aus über die Oasen der Sahara, sowie
nach Asien sich weithin verbreitet,
Persien bildet eine nach Osten geneigte Hochebene, die, von
Gebirgsketten rings umschlossen, die Charaktere des Plateauklimas
rein ausbildet. Alle Gewässer, die, in den Randgebirgen entsprmgend
in ihrem Bereich, sofern die Irrigationen nicht vernachlässigt
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