
l .1
(
17-] iV. Steppengebiet.
Im russischen Armenien erreichen nur der Ararat und der Alages
die S c h n e e g r e n z e u n d zwar in einem bedeutend höheren Niveau,
alri am Kaukasus und als in den pontischen und anatolischen Gebirgen.
Im Verhältniss zum Kaulcasus beträgt die Elevation 2200 Fuss
und erklärt sich aus dem Plateauklima, zu dessen Wirkungen am
Ararat die Gestaltung des Bergs und die vulkanischen Gesteine beitragen,
die durch die Insolation stärker erwärmt werden. Mit dem
westlichen Armenien und Anatolien verglichen, liegen diese Hocligipfel
tiefer im Inneren des Landes und sind daher dem Einflüsse
des Meers in höherem Grade entzogen, dessen Nähe die Schneelinie
der pontischen Ketten herabdrückt. Ganz abweichend verhalten
sich die Baumgrenzen Armeniens, wo die Wälder so selten sind.
Während die Schneelinie des Ararat so bedeutend elevirt ist, sehen
wir die Bäume daselbst fast in demselben Niveau aufliören, wie am
öritlichen Kaukasus, und doch höher ansteigen, als am Pontus. Denn
durch die Trockenheit der Atmosphäre ist der Baumwuchs eingeschränkt
und kann den Wärmeeinflüssen, welche die Schneelinie
nach aufwärts drängen, nicht in gleichem Grade Folge leisten, findet
aber doch vermöge der beträchtlicheren Anschwellung des Bodens
günstigere Bedingungen, als am Pontus und in Anatolien, nicht um
zu Waldregionen sich auszubreiten, sondern nur um an geeigneten
Standorten ein höheres Niveau mi erreichen. Reicher bewaldet sind
nur die dem kaspischen Meere freier gegenüberliegenden Abhänge,
die Thäler der Provinz Karabagh, wo die das Kurthal aufwärts
wehenden Luftströmungen das Randgebirge häufig in Nebel und
Regenwolken einhüllen. An der Binnenseite fehlen die Wälder gewöhnlich
ganz und werden durch Eichengebüsche ersetzt; oft hören die
vereinzelten Gehölze schon in einem tieferen Niveau auf (7000 Fuss).
Aber auch die alpine Region, die unter diesen Verhältnissen auf dem
armenischen Randgebirge einen so viel grösseren Umfang hat, als
am Kaukasus, erzeugt nur selten reine Alpenmatten, die Vegetation
der Hochsteppe überwiegt, und selbst auf dem Alages, wo diese
Matten am reichsten entwickelt sind, folgt am Südwestabliange über
der Region der Eichengebüsche und dem Wachholder-Krummholz
eine Bekleidung des Bodens mit Traganthsträuchern.
Aehnlich, aber in noch höherem Masse dem Steppen bildenden
Plateauklima unterworfen, verhalten sich die Gebirge Persiens. Die
Regionen der persischen Randgebirge 475
nördliche Kette des Elborus besitzt nur am kaspischen Abhänge die
dichten Laubwaldregionen von Masenderan und Gilan ; ausser vereinzeltem
Taxus fehlen demselben die Nadelhölzer. Auf der Höhe
der Pässe fand Bunge den Uebergang zur persischen Flora durch die
Abdachung genau bestimmt, welche das feuchte, kaspische Klima
von dem Einflüsse des trockenen Plateaus abscheidet. An der Südseite
herrschen Dornsträucher und Steppenpflanzen, in der oberen
Region mischen sie sich mit alpinen Stauden : von Bäumen findet sich
nur der Wachholder (bis 500 Fuss unter dem nicht gemessenen Pass).
üebrigens sind in Khorasan, zwischen Nischapur und Mesched, nur
Pappeln, Weiden und Platanen in den Flussthälern angetroffen. Auf
dem Zagros'i«), dem westlichen Randgebirge gegen Kurdistan und
Mesopotamien, ist der Eichenwald auf die unteren Abhänge über
dem Plateau von Schiras eingeschränkt (bis 6000 Fuss) : dann folgen
Gesträuche, und in der alpinen Region sind die Vegetationsformen
der Steppe noch sehr bemerklich. Denn auch hier steigen die Traganthsträucher
hoch hinauf (bis 9300 Fuss) und beschränken den
Raum, der auf dem dürren, felsigen Boden den alpinen Stauden nur
karg zugemessen ist.
Noch viel öder sind die Gebirge von Khorasan und der westliche
Hindukusch am Nordrande Afghanistans 120). Hier sind beide
Abhänge vollkommen baumlos, über beide verbreitet sich die Hochsteppe,
aber noch unfruchtbarer ist die dem Tieflande Turkestans
zugewendete Nordseite, wo die Halophyten zunehmen. Ueppig grünende
, von dichtem Gebüsch bewachsene Stellen sind nur an den
Flussufern zu finden. Bis zur Höhe der Pässe des Hindukusch
(12000 Fuss) reicht die Vegetation von dornigem Gestrüpp {Acantholimon)
und von Artemisien : doch gedeihen in feuchten Schluchten
und nur hier allein auch alpine Stauden (z. B. Gentianeen, Pedieitlaris).
Zu dem schon oben geschilderten Vegetationscharakter des inneren,
waldlosen Himalaja sind die Beobachtungen Lehmanns''^i)
an dem zum System des Bolor gehörigen Fontau bei Samarkand (4 0 «
N. B.) hinzuzufügen, wo aber das Niveau der Regionen noch nicht
gemessen wurde. Der Bolor begreift die hohen Gebirge, welche den
Künlün und Hindukusch mit dem Thianschan verbinden ; der Fontau
ist ein am Särafschän auslaufender, alpiner Nebenzweig. Die untere
' • 1. 1'.f ;i
,- ' • I • ' ; 1