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478 IV. Steppengebiet.
Im Waldgebiete war der Wechsel der Flora an die klimatischen
Linien geknüpft. Das Klima der Steppen aber ist in den meisten
Gegenden so wenig abgestuft, dass die Vegetationscentren durch die
Verschiedenheiten, denen es unterworfen ist, selten gehindert werden,
ihre Erzeugnisse auszutauschen. Da nun auch dieselbe Beschafifenheit
des Bodens in den entferntesten Landschaften wiederkehrt,
so ist die dauernde Absonderung der Specialfloren ein nicht so
ganz einfach zu lösendes Problem.
Am nächsten liegt anzunehmen, dass die mechanischen Hindernisse
der Verbreitung, welche in Südeuropa von der Gestalt des
Mittelmeers abhängen, in den Steppen auf den Gebirgsketten, oder,
wo diese fehlen, auf den die fruchtbareren Landschaften trennenden
Wüsten beruhen möcliten. Es bedarf einer näheren Vergleichung,
um zu erkennen, in welchem Umfange diese Einflüsse wirksam sind.
Arten, Avelche das ganze Steppengebiet bewohnen, giebt es verhältnissmässi^;
nur wenige : in meiner Sammlung sind noch nicht hundert
enthalten Kine etwas grössere Anzahl ist dem kaspischen Tieflande
mit den angrenzenden Tafelländern gemeinsam, sie beweist die
Unabhängigkeit solcher Pflanzen von dem Niveau des Standorts und
iln-e Fähigkeit, auch die noch höhern Gebirgsketten des Plateaurandes
auf ihrer Wanderung zu überschreiten. Endlich ist ein sehr
bedeutender Theil der Steppen- und Gebirgspflanzen über mehrere
Abschnitte des Tafellandes ausgebreitet und zeigt also ebenfalls, dass
die wechselnden Erhebungen des Bodens ihre Wanderangen nicht
beschränkt haben. Dass indessen bei der Sonderung oder Mischung
der Centren die Organisation eine Hauptrolle spiele, erkennt man
, leicht und besonders deutlich an den der Sahara und den Steppen
gemeinschaftlichen Pflanzen, von denen ich eine Reihe von etwa
hundert Arten nachweisen kann (s.u.). Von den vorherrschenden
Familien sind unter diesen die Cruciferen und Gräser am reichsten
vertreten, schwächer die Synanthereen und Chenopodeen, die Leguminosen
fast gar nicht. Die winzigen Samen der Gramineen und der
Cruciferen können leicht durch die Steppenstürme in weite Fernen
getragen werden. Auch in den Steppen selbst sind die einzelnen
Astragaleen grösstentheils nur auf beschränktem Räume angetroffen,
und von den Chenopodeen, die in der Kirgisensteppe und in der Gobi
6—7 Procent von der Summe der Gefässpflanzen a u s m a c h e n ^23) ^
Absondeiaing der Vegetationscentren. 479
kommen so viel weniger Arten auf den südlichen Tafelländern vor,
dass sie in dem ganzen Umfange des Gebiets auf die Hälfte jenes
Verhältnisses herabsinken. Da es aber auf den Plateaus doch durchaus
nicht an Salz führenden Erden fehlt und das Wachsthum der
Halophyten.daselbst ebenso gesellig ist, wie im Tieflande, so muss
die überwiegende Mannigfaltigkeit der kaspischen Chenopodeen als
eine ursprüngliche Eigenthümlichkeit dieser Gegenden betrachtet
werden.
Der Einfluss der Wüsten auf die Sonderung der Vegetationscentren
ist in den kaspischen Steppen und in Persien deutlich zu
erkennen. Die fruchtbaren Erdkrumen der Songarei werden von
denen Südrusslands durch die ödere Kirgisensteppe getrennt, und
diese wiederum ist durch die Wüsten am Aral mehrfach gegliedert.
Ebenso scheidet die grosse Salzwüste m Verbindung mit der Kohrudkette
das nördliche Persien von dem südlichen. In beiden Fällen
aber finden wir die Vegetation zu beiden Seiten weit weniger übereinstimmend,
als es der Fall sein würde, wenn die reicheren Landschaften
in unmittelbarer Verbindung ständen.
Wir können daher den Gebirgsketten und dem Wechsel der
Gras- und Sandsteppen einen bedeutenden Einfluss auf die Sonderung
der Vegetationscentren einräumen, wenn derselbe auch hauptsächlich
auf bestimmte Organisationen beschränkt ist. Man könnte meinen,
dass überhaupt die ursprünglichen Verhältnisse in den Steppen sich
weniger geändert haben, als in den Kulturländern, weil die Natur
unter den Nomaden ungestörter sich selbst überlassen blieb, als wo
der Ackerbau sich ausbreitete: allein auf die Vegetation der sibirischen
Wälder haben die Bewohner noch weniger eingewirkt, als auf
die Steppen, die sie durch Feuer zu verwüsten pflegen. Und doch
ist die Flora dort durch die natürlichen Pflanzenwanderungen viel
gleichartiger geworden, als hier, ^^eil es in dem weiten Waldgebiete
und im Bereiche der grossen Flusssysteme jenes Tieflandes keine
Hindernisse, sondern nur Förderungen der Verbreitung gab. Von
grösserer Bedeutung möchte es sein, dass die Steppenpflanzen den
grössten Schädlichkeiten, die das organische Leben treffen können,
widerstehen müssen. An ihrem Entstehungsorte hiezu am vollständigsten
ausgerüstet, werden sie die Erzeugnisse anderer Centi
en nicht leicht verdrängen können, weil sie bereits da, wo sie
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