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434 lY. Steppengebiet.
Laube (uuter der Bezeichnung Furze) als charakteristisch für die
tibetanische Flora hervorgehoben, von denen einige zuweilen Mannshöhe
erreichen (Arten von Caragana, neben kleineren Traganthsträuchern).
Solches Gestrüpp hört erst bei 16000 Fuss auf, in
einem höheren Niveau, als die meisten Gräser, gerade wie die Sträucher
der Wüsten am Aralsee jenseits der Grassteppe auftreten. Zur
Feuerung ist man in Tibet auf diese Sträucher beschränkt und benutzt
hauptsächlich eine Art, welche die höheren Abhänge bekleidet
[Caragana versicolor). Aber auch die Gesträuchformationen sind
selten und finden sich nur da, wo die Feuchtigkeit im Boden sich
sammelt So begleiten auch die Flüsse Tamarisken, Weiden und
ähnliche Gebüschformen. An den Berggehängen, die von schmelzendem
Schnee getränkt werden, wachsen zahlreichere Weidenarten
mit jener Caragana in Gesellschaft. Ueberhaupt zeigt sich eine
durchgreifende Verschiedenheit zwischen der Vegetation der Thäler
und des geneigten Bodens über denselben: allein dies sind nicht, wie
Thomson meinte, zwei durch Höhe und Klima gesonderte Regionen,
sondern durch den Bodeneinfluss und dessen verschiedenartige Befeuchtung
gesonderte Pflanzenformationen. Die Beschränkung,'des
Begriifs einer alpinen Region auf die oberen Abhänge passt hier um
so weniger, als auch die Thäler ebenso wolil alpine Gattungen enthalten
und der Charakter der ganzen Flora daher auf der Vermischung
von arktischen und Steppen-Formen beruht. Darin besteht
eben die Eigenthümlichkeit Tibets, dass die Klimate der Steppe und
der alpinen Regionen hier verbunden sind, dass auf dem dürren Boden
die Vegetationszeit durch die Trockenheit ^der Luft und am
fliessenden Wasser durch die Dauer des Winters verkürzt wird. Aber
auch in den Flussthälern sind die Steppenpflanzen noch mehr, als
auf den Bergen, begünstigt, weil sich häufig in alten Seebecken ein
salzhaltiger Boden findet, der dann sofort Chenopodeen und Artemisien
hervorruft. Der wesentlichste Unterschied des landschaftlichen
Charakters der Thäler und der Gebirgsabhänge besteht offenbar
darin, dass jene eine zusammenhängende Pflanzendecke erzeugen
können, und dass diese grossentheils eine pflanzenlose Wüstenei darstellen,
weshalb J a c q u emo n f ^ s ) ^^^it Recht an den Pässen des Spiti-
Thals von einer 2000 Fuss breiten, nackten Region zwischen der
Vegetationsgrenze und der Schneelinie sprach: dies ist ein Gegen-
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satz, der nicht auf der Temperaturabnahme, sondern auf der Vertheilung
des fliessenden Wassers, der ersten und nothwendigsten
Bedingung des Pflanzenlebens in einem so trockenen Klima, beruht.
Allein die Oede der Natur auf einem grossen Theil der Oberfläche
des Gebirgs, die im Himalaja keine Sennwirthschaft sich hat entwickeln
lassen, wird einigermassen durch das ungemein hohe Ansteigen
alpiner Pflanzenformen auf befeuchtetem Boden ausgeglichen.
Die höchste phanerogamische Vegetation Tibets fanden die Gebrüder
Schlagintweit^ö) in dem Niveau von 18590 Fuss, gegen 600 Fuss
oberhalb der Schneegrenze. Nirgends ist die Unabhängigkeit der
Steppenflora von dem Niveau deutlicher ausgedrückt, als in Tibet,
wo man Gräser von besonderem Bau findet, die zugleich in dem kaspischen
Depressionsgebiete einheimisch sind .
Von der Gobi sind nur die östlichen Gegenden näher erforscht
worden, wo diese Steppe auf dem Wege von Sibirien nach Peking
gekreuzt wird, und wo sie über die russische Grenze in Daurien eintritt.
Aber gerade das Wenige, was man vom Klima und von der
Kultur der westlichen Landschaften (von Tchianschannanlu),weiss,
ist von besonderer Bedeutung. Hier erhebt sich über einer Reihe
blühender Städte der Thianschan beinahe waldlos, indem der Waldgürtel
dieses hohen Gebirgs grösstentheils seinen äusseren Abdachungen
anzugehören scheint, die dem songarischen Tief lande zugewendet
sind. In gleichen Breiten mit Buchara und der Kirgisensteppe
gelegen, aber diesen Tiefebenen als ein östliches Tafelland
gegenüber stehend, erstreckt sich die Gobi, vom Thianschan und
Altai im Norden und im Westen vom Bolor begrenzt, bis zu den
flachen Stromgebieten Chinas. Diese Randgebirge, welche sie nebst
dem Künlün im Südwesten und dem Chingan im Osten umkränzen,
sind an mehreren Stellen durch weite Lücken unterbrochen, wodurch
die Vermischung] ihrer Steppenflora mit den Erzreugnissen anderer
Gegenden erleichtert wird : solche üebergänge finden sich zwischen
dem Thianschan und Altai zur Kirgisensteppe, im Osten des Künlün
zu Tibet, und im daurischen Ononthal (50 ^N. B.) , welches das
Apfelgebirge von Chingan trennt, zu Sibirien. Auch an der chinesischen
Seite scheinen ununterbrochene Abdachungen zum Tieflande
vorzukommen. Das Niveau der Gobi ist durch Messungen nur an
einigen Ortens^) bekannt, wo es dem der persischen Hochebene
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