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108 IL Waldffebiet des östlichen Kontinents.
südlicheren Breite auf ihrem Wege sich erwärmen, sondern daraus,
dass alle Luftströmungen, von dem waldigen Karpatenkranze herabwehend,
ini Gebirge bereits Niederschläge verloren und ausgetrocknet
in die durch die Sommersonne gleichmässig erhitzte Ebene eindringen.
Hiebei ist es.möglich, dass bei dem Wechsel verschiedener
Windesrichtungen doch gelegentlich Niederschläge sich bilden, die
dem Ackerbau zu gute kommen, und hiemit stehen auch die Regenmessungen
ans dem Gebiete der Pussten in Uebereinstimmung'>^).
Zu Szegedin an der Theiss, wo das Klima der Pussten in voller Reinheit
entfaltet ist, fielen doch im Jahre 1856 während der Monate Juni
bis September über 5 Zoll Niederschläge, in Debreczin, wo die Berge
schon näher liegen, sogar beinahe 14 Zoll, und diese Befeuchtung
des Bodens, die in den russischen Steppen unerhört sein würde, vertheilte
sich so gleichmässig über die vier Monate, dass sie auch dem
Baumleben wohl genügen möchte. Die Pussten sind daher von dem
übrigen Ungarn nicht als ein selbständiges, klimatisches Glied auszuscheiden,
wenn sie auch, weil der Boden dazu einladet, einen Theil
ihrer Vegetation aus den russischen Steppen entlehnen, und wenn
auch künftig, nachdem der Sumpf entwässert, die Erdkrume gebessert
und der Ackerbau weiter ausgebreitet sein wird, doch in Jahren
der Dürre ihr Wohlstand leichter, als anderswo, gefährdet bleibt.
Die Bäume, welche zur Charakteristik der Zonen Westeuropas
dienen konnten, genügen diesem Zwecke insofern nur unvollkommen,
als sie dem Umfange der natürlichen Abschnitte der Flora nicht vollständig
entsprechen. Dazu kommt, dass ihre Verbreitung in anderen
Richtungen oft weit über deren Grenzen hinausreicht und daher nur
einzelne Theile ihrer Vegetationslinien für die klimatischen Werthe,
die hier in Betracht kommen, massgebend sind. Die Kastanie, die
Edeltanne und die Cerris-Eiche bewohnen in Südeuropa ein grösseres
Gebiet, als in Frankreich, Deutschland und Ungarn, nnd ebenso sind
die Eichen, Birken und Lärchen Russlands auch im Westen einheimisch.
Das Bezeichnende liegt nur darin, dass, wenn man das ganze
Wohngebiet dieser Bäume betrachtet, ihre Vegetationslinien in einer
bestimmten Richtung einen klimatischen Grenzwerth erreichen, der
mit den natürlichen Gliederungen der Flora zusammenfällt. Aber
eben weil der Wechsel der Vegetation von Frankreich bis Sibirien
und von den Alpen bis Lappland ein stetiger ist, führt uns die Aus-
Klimatische Grenzen der iimnergrlinen Sträucher. 109
wähl anderer Gewächse nicht weiter. Der Umfang der natürlichen
Zonen bezieht sich nur auf Mittelwerthe des See- und Kontinentalklimas,
die, aus zahlreichen, harmonisch verlaufenden Vegetationslinien
geschöpft und also gleichsam typische Grössen sind, denen
keine einzehie Pilanzenart vollständig entspricht. Zur genaueren
Begründung dieses Verhältnisses wäre es erforderlich, neben jenen
Bäumen solche Gewächse aufzusuchen, deren Vegetationslinien dem
Typus einer Zone am nächsten kommen, aber, ohne in ein topographisches
Détail einzugehen, lassen sich bis jetzt nur wenige Andeutungen
geben.
Weit vollkommener, als die Kastanie, bezeichnen den Umfang
der französisch-britischen Flora die immergrünen Sträucher, die von
den tiefer im Inneren des Kontinents gelegenen Ebenen Mitteleuropas
ganz ausgeschlossen sind, weil sie, als der Ausdruck des am höchsten
entwickelten Seeklimas, entweder einer längeren Vegetationsperiode
oder eines milden Winters bedürfen. Wie die immergrünen
Laubhölzer unter den eigenthümlichen Erzeugnissen des Mittelmeergebiets
voranstehen, so verbreiten sich Sträucher, die im Winter ihre
harten, oft glänzenden Blätter ebenfalls bewahren, von dort aus längs,
der atlantischen Küste und, wenn auch einige Arten darunter sind,
die fähig wären, zu Bäumen zu erwachsen, pflegen sie hier ihre
zweigiose Stammstütze zu verlieren {Querciis Ilex, Hex aquifolmm^
Laiirtis nobilis). Dass je nach der Empfänglichkeit jedes einzelnen
Gewächses dabei wirklich die Grenzen ihrer klimatischen Sphäre erreicht
werden, zeigt sich, wie bei der Kastanie, darin, dass von den
zahlreichen, immergrünen Laubhölzern Südeuropas fast nur solche
Arten in die Ebene Frankreichs eintreten oder weiter hin sich ausbreiten,
welche am Mittelmeer, ohne daselbst auf die warme Küstenregion
eingeschränkt zu sein, bis zu einer gewissen Gebirgshöhe angetroffen
werden, und dass manche von ihnen, je höher sie dort
ansteigen, auch im westlichen Europa weiter nach Norden gehen.
So entstehen von den beiden Klassen dieser immergrünen Sträucher,
die entweder an die atlantische Küste gebunden oder der Kastanie
in ihren physischen Bedingungen näher verwandt sind, mehrere
Reihen von Vegetationslinien, deren Glieder durch die ungleiche
Breite, bis zu welcher sie fortkommen, geschieden s i n d . Unter
allen diesen Sträuchern ist nur ein einziger geeignet, den nördlichen