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160 IL Waldgebiet des östlichen KoBtinents.
sich wölbende Torfmasse fast mir aus der Hiimiisbildnng von Eriken
hervorgeht, indem neue Generationen auf den durch die Verwesung
unter Wasser aufgespeicherten und nun dnrch den Wechsel der
Jahreszeiten unverweslich gewordenen, organischen Stoifen ebenso
gut, wie auf einer unorganischen Erdkrume fortzuwachsen fähig sind.
Da der Torf oft bis zu beträchtlicher Tiefe die Senkungen des Bodens
ausfüllt nnd ausser dem, was seine Asche liefern könnte oder der
Wind mit seinem Staube herbeiführt, von mineralischen Bestandtheilen
frei bleibt, so erkennt man, wie gering die Ansprüche der
Eriken an die gelösten Nährstoffe sind, welche sie mit der Feuchtigkeit
aufsaugen. Ebenso arm ist in der baltischen Ebene der sandige
Boden der Diluvialfovmation, und hierin liegt ohne Zweifel das
Uebereinstimmende in den Vegetationsbedingnngen der Haiden und
Moore, so dass die Eriken jedes andere Gewächs überwuchern nnd
verdrängen, dass sie sich der Oberfläche fast vollständig bemächtigen.
Indessen sind die Eriken des Hochmoors doch schon minder gesellig,
als die Calluna^des trockenen Bodens. Die Zwischenräume zwischen
ihren gewölbten Zwerggesträuchrasen (den sogenannten Bülten) werden
mit zunehmender Nässe des Bodens mehr nnd mehr durch Cyperaceen,
dnrch Seggen und Eriophoren ausgefüllt, nnd so kann das
Hochmoor in das Wiesenmoor übergehen, dessen zusammenhängende
Vegetationsdecke, wo sie rein ausgebildet ist, ans dieser letzteren
Pflanzenform nnd einigen Sumpfgräsern und Standen besteht. Die
Wiesenmoore oder Brüche, deren Torf ans diesen Rasen bildenden
Pflanzen hervorgeht, trocknen in der Sommerdürre nicht so leicht
aus, wie die Hochmoore; die organische Substanz, welche die Verwesung
ihrer Organe znrücklässt, ist minder dicht und als Brennstöff
weniger werthvoll; unter der Rasendecke, die beim Betreten
schwankt nnd zittert, sammelt sich das Wasser wie in Cisternen: so
wird die Formation zuweilen zu einer schwimmenden Insel, die, vom
Ufer losgerissen, auf den Finthen eines Landsees umhertreibt. Die
Verschiedenheit der Cyperaceen-und Erikenvegetation besteht darin,
dass die erstere ihren Rasen leichter seitwärts erweitert, ohne selbst
das offene Wasser zu scheuen, die letztere hingegen eines festeren
Grundes bedarf, den sie sich freilich selbst durch die Verwesung der
Wurzeln erst erzeugt und aufbaut. Ist das Wiesenmoor sodann erst
mit einer'zusammenhängenden Vegetationsdecke ausgestattet, so
Haide, Moor, Erlenbruch. 161
bietet die aus dem Rasen entstandene Torfmasse nun auch Sträuchern
einen geeigneten Boden, nicht den Eriken, sondern höheren Laubsträuchern.
Dies führt uns zu dem bedeutenden, geographischen
Gegensatze der Hochmoore und der Erlen- und Birkenbrüche, von
denen die ersteren dem westlichen Theil der baltischen Ebene, die
letzteren dem europäischen Russland vorzugsweise angehören. Diese
Brüche des Ostens dehnen sich über einen viel grösseren Raum aus,
als die Erikamoore, und sind ebenfalls überall verhältnissmässig
gleichartig gebildet. Zuweilen sind die Sträucher so hoch und gedrängt,
dass, wenn sie sich nicht vom Boden aus verzweigten, man
sie für Mittelwald halten könnte, und so erscheinen sie, aus der
Ferne betrachtet, namentlich dann, wenn die nordischen Erlen {Alnus
incana) vorherrschen. Weit häufiger sind die Birkengesträuche
[Betula friiticosa u. nana) ^ etwa von Mannshöhe, durch Zwischenräume
von Cyperaceenrasen getrennt, von kleineren Weiden [Salix
rosmarinifolia) und Ericeen [Ledum, Vaccinium) begleitet. Im Norden
hat auch diese Formation ihre Beeren und unter denselben die
wohlschmeckendste Frucht der ganzen Flora, die Moltebeere [Rubus
ckamaemoriis)^ das Erzeugniss einer kleinen, aber geselligen, etwa
handhohen Staude, die in solchen Brüchen und in versumpfenden
Wäldern gedeiht. Die Frucht gleicht der Himbeere, die sie an
Grösse übertrifft, und steht nur einzeln an der Spitze des einfachen
Stengels. In Skandinavien und im nördlichen Russland allgemein
verbreitet, erreicht sie Deutschland nur in den nördlichsten Brüchen
und Wäldern Preussens und Pommerns, sie hat sich dann noch einmal
an einzelnen, hochgelegenen Standorten der Sudeten angesiedelt.
Die Grenze der Erlenbrüche und der Hochmoore selbst ist durch den
Stromlauf der Elbe in der Mark bezeichnet. Von Mecklenburg bis
zur Lausitz sind die Erlen- und Birkenbrüche bereits ebenso ausgebildet,
wie in Russland. Am weitläuftigsten entwickeln sie sich in
den Sümpfen Litthauens, weil hier die Quellengebiete der nördlichen
und südlichen Ströme am wenigsten durch Bodenschwellungen gesondert
sind: hier werden sie oft nur von Weidengesträuch gebildet
und auch auf trockenerem Boden verwandelt sich der Eichenwald
häufig zu niedrigem Gestrüpp Diesseits der Elbe giebt es noch
einen grösseren Erlenbruch, den Drömling an den Grenzen von Hannover,
Braunschweig und der Altmark. Es ist nicht anzunehmen,
G r i s e b a c l i , Vegetation der Erde. I. 11
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