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234 n . Waldgebiet des östlichen Kontinents.
Abstand ist in Norddeutschland (z. B. in Magdeburg) kleiner als im
Süden (Elsass, Dauphine) , was wohl dem Abschluss des mittleren
Rheinthals durch das Schiefergebirge, die Vogesen und deren Verkettung
mit der Auvergne zuzuschreiben ist. Andere Unregelmässigkeiten
dieser Vegetationslinie beruhen auf den geognostischen Einflüssen
des Bodens, wie die Unterbrechung derselben auf dem bunten
Sandstein Hessens zwischen den Muschelkalken Thüringens und den
kalkhaltigen Erdkrumen in der Wetterau und am Rhein.
Der Endemismus Ungarns ist noch nicht überall sicher festzustellen,
weil die Flora Rumäniens und Bulgariens bis jetzt fast unbekannt
geblieben ist. Indessen kann man nach dem Verhältniss
derjenigen Pflanzen, welche in den Nachbarländern bereits nachgewiesen
sind, sich eine Vorstellung davon machen, in welchen Richtungen
ein mehr oder minder grosser Austausch stattgefunden hat.
Hier überwiegen nun in Bezug auf das eingeschlossene Flachland
Ungarns die Steppen und Wälder Russlands, deren Flora freilich
viel genauer bekannt ist, als die der südöstlichen Halbinsel. Allein
die Verbindungen mit der letzteren beschränken sich grossentheils
auf gemeinsame Gebirgspflanzen oder auf Gewächse der Mediterranflora
, die in die wärmeren Gegenden des südlichen Ungarns eintreten.
So sehr auch die Ansichten der Systematiker über viele
Gewächse der ungarischen Flora getheilt sind , so lässt sich
doch bereits sicher erkennen, dass die Pussten, die späteste Bildung
des Landes, keine eigenthümliche Pflanzen besitzen, sondern ihre
Vegetation grösstentheils aus den russischen Steppen entlehnt haben.
Die endemischen Pflanzen des ungarischen Flachlandes bewohnen
besonders die- Wiesen und Wälder der Hügelgelände oder den Felsboden
ihres anstehenden Gesteins. Eine monotypische Malvacee
[Kitaihelid), die, zuerst auf dem niedrigen Höhenzuge Syrniiens entdeckt,
später auch in Slavonien gefunden wurde, ist die ausgezeichnetste
Erscheinung unter diesen eigenthümlichen lirzeugnissen. In
der bedeutenden Grösse derselben erkennen wir den früher erwähnten
Charakterzug der osteuropäischen Flora, dass daselbst der Stengel
bei den Stauden an Höhe zunimmt, eine Erscheinung, die mir in
dem üppigen Pflanzenwuchse an den Ufern der Donau bei Orsova im
Banat besonders auffallend entgegentrat.
Die Gesammtzahl der im europäisch-sibirischen Gebiete beob-
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Monotypisclie Gattungen. — Bestaudtheile der Flora. 235
achteten Gefässpflanzen schätze ich auf etwa 5500 Arten, die aber
init den Nachbarfloren so reichlich gemengt sind, dass man davon
kaum 40 Procent als eigenthümlich oder jenseits der Grenzen nur
sporadisch wiederkehrend ansehen kann. Da die klimatischen Bedingungen
der Vegetation sich auf den Gebirgen Südeuropas grossentheils
wiederholen, die alpine Région der Alpen in der arktischen
Zone, die dürren Landschaften Ungarns und Dauriens in den Steppen
einen ähnlichen Ausdruck finden, so ist die Selbständigkeit der Flora
in höherem Grade durch ihren physiognomischen Charakter, als
durch ihre systematischen Bestandtheile ausgedrückt. Indessen finde
ich doch von 37 monotypischen Gattungen 201) 19 als streng endemisch
zu bezeichnen, und bei 8 anderen ist nach ihrem sporadischen
Vorkommen in den Nachbarländern der Ursprung aus dem Gebiete
ebenfalls als sicher anzusehen. Wir können daher diese 27 Monotypen
als charakteristisch für die Vegetationscentren desselben bezeichnen.
Sie dienen, unregelmässig vertheilt, den Ansichten über deren
Anordnung durchaus zur Bestätigung. Denn die grösste Reihe (11)
stammt auch hier wieder aus den Alpen : hierauf folgen die Amurflora
(4), die Pyrenäen (3); das europäische Tiefland wird von einer
monotypischen Gattung in weiterem Umfange bewohnt, von einer
zweiten innerhalb des Buchenklimas und von einer dritten im Norden ;
endlich besitzen je eine die Karpaten, das Flachland Ungarns, Serbien,
Bosnien, der Altai, die Ebene Sibiriens.
Die Versuche, welchè ich anstellte, die Bestandtheile der Flora
nach ihren klimatischen Bedingungen zu ordnen, haben zu keinen
sicheren Ergebnissen geführt, theils weil die Nachrichten über das
Vorkommen der einzelnen Arten häufig nicht genügen, theils weil
bei denjenigen, die durch mehrere Vegetationszonen oder zugleich in
die Nachbarländer verbreitet sind, die ursprüngliche Heimath ungewiss
bleibt. Einige meiner Schätzungen, die zur Uebersicht von
den Bestandtheilen der Flora, dienen können, glaube ich indessen in
den Noten mittheilen zu dürfen 202).
Der Austausch der Pflanzen zwischen den einzelnen Abschnitten
des Gebiets und mit den Nachbarländern verdunkelt zwar die Frage
über die Heimath mancher Arten, es lässt sich indessen in vielen
Fällen die Richtung der Wanderungen, welche stattgefunden, erkennen.
Forbes^^ö) suchte in seiner Arbeit über den Ursprung der