
. . J .
'i
1i!:; !1' !
3 6 4 III. Mittelmeergebiet.
von einander absondern, auf ihren Wanderungen eine mechanische
Schranke gefunden. Ebenso umfassen von den 4 200 Arten nur
etwa 500 den ganzen Raum von Spanien bis Anatolien, 1000 sind
zwei oder mehreren Abschnitten gemeinsam und grossentheils klimatisch
bald auf die westlichen oder östlichen; bald auf die südlichen
Landschaften eingeschränkt. Es bleiben also 27 00^Arten übrige
deren Wanderung durch das Meer beschränkt wurde^ oder die nur
wenig von einer einzelnen Gruppe kontinental verbundener Vegetationscentren
sich entfernt haben. Hierin liegt daher der allgemeinste
Gegensatz des nördlichen und südlichen Europas. Während wir in
dem nördlichen Waldgebiete; so weit ununterbrochene Ebenen von
dem atlantischen bis zum pacifischen Meere sich ausdehnen, die
Wohnorte der Pflanzen vorzugsweise durch klimatische Linien
bestimmt fanden, äussern im Mittelmeergebiete mechanische Hindernisse
der Verbreitung einen weit grösseren Einfluss auf den systematischen
Charakter der Flora. Die ungemein grosse Küstenentwickelung,
welche das Gebiet zu abgesonderten, geographischen Räumlichkeiten
gliedert, wirkt auf die Wanderungen der Pflanzen viel
mehr trennend als verbindend. Die ursprünglichen Erzeugnisse
wurden in weit höherem Grade festgehalten, die Vegetationscentren
lassen sich noch jetzt viel zahlreicher erkei^nen, die Halbinseln
nähern sich in dieser Beziehung den Gesetzen der Anordnung, welche
von den endemischen Archipelen abgeleitet sind. Wenn im Norden
fast nur unter den Gebirgspflanzen Beispiele eng begrenzter Wohngebiete
nachgewiesen werden können, so ist zwar im Süden der
endemische Charakter auf gewissen Gebirgen ebenfalls stärker, als
im Tieflande ausgesprochen, aber auch die Mediterrangewächse im
engeren Sinne sind in manclien Fällen nur an einzelnen Standorten
bemerkt worden. Dieses ganze Verhältniss spricht doch entschieden
dafür, dass die Monotypen und andere seltene Organisationen nicht
oder doch nicht allgemein als die Ueberreste früherer Schöpfungen,
sondern als Zeugnisse für die produktive Kraft derjenigen Oertlichkeiten
zu betrachten sind, wo sie gegenwärtig gefunden werden,
und von denen sich zu entfernen ihnen die Mittel nicht zu Gebote
standen.
Die Monotypen sind besonders geeignet, die Verknüpfungen und
Absonderungen des Mittelmeergebiets zur Anschauung zu bringen.
Absonderung der Vegetationscentren. 3 G 5
Unter den 12 allgemein verbreiteten Gattungen gehören 2 zu den
Cruciferen, 6 zu den Synanthereen; sie sind fast sämuitlich einjährig
und Begleiter der Kulturgewächse, einzelne überschreiten auch ab
solche die Grenzen des Gebiets. Ihre weite Verbreitung hat daher
nichts Auffallendes, nichts deutet darauf hin, dass das Meer dabei
mitgewirkt habe. Nur bei einer Staude [Diotis) ist dies der Fall,
die als Halophyt auch längs des atlantischen Meers bis nach England
gelangt ist. Die vier übrigen Gattungen sind Holzgewächse der
Maquis und jede monotypisch in einer besonderen Familie. Zwei
grosse und kräftige Sträucher [Spartium iind Rosmarimis) sind weit
häufiger, als die beiden anderen, die schwach und niedrig bleiben
und also in dem Kampf um den Boden keinen so leichten Spielraum
fanden [Coris, Cressa). Allein an die warme Kegion gebunden,
konnten doch alle diese llolzpflanzen ohne Schwierigkeit den Küstenlinien
weithin folgen.
Hieran schliessen sich fünf andere Monotypen , von denen
mir eine, eine winzige Rubiacee {CallipeUis), dem allgemeineren,
später zu erörternden Verwandtschaftsverhältniss Spaniens mit dem
Steppengebiet sich unterordnet. Die übrigen, von Küste zu Küste
verbreitet, sind nur auf einzelne, südliche Abschnitte des Gebiets
eingeschränkt. Die Wanderungen dieser Gewächse haben etwas
Räthselhaftes, als wären sie, wie ein vom Sturme verschlagenes
SchilT, an irgend einen entlegenen Strand gerathen, ohne dass ihr
Ausgangspunkt sich leicht ermitteln lässt, oder wie wenn sie, anderswo
verdrängt und verloren, nur an gewissen Grenzpunkten sich erhalten
und behauptet hätten. Dass solche Wanderungen hier wirklich
stattgefunden, dafür spricht der Umstand, dass vier Monotypen
in und bei Sicilien zusammentreten, indem diese Insel wegen ihrer
centralen Lage in Bezug auf die Meridiane des Mittelmeers besonders
geeignet ist, als Ausgangspunkt oder als Ziel zu dienen und mit dem
fernsten Osten nnd Westen gleichmässig sich durch Strömungen zu
verknüpfen. So ist sie durch eine Ericee [Pentapera] mit Cypern,
durch eine Oleinee [Fontcmesia] mit Syrien verbunden , ohne dass
diese Sträucher jedoch bis jetzt an den dazwischen liegenden Küsten
von Kreta und Morea nachgewiesen wären. So weisen auch die beiden
anderen Gattungen [Lonas u. Apteranthes) auf die fernen, aber
im äussersten Westen gelegenen Standorte in der Nähe der Strasse
J.