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84 IL Waldgebiet des östlichen Kontinents
Nebelbläschen wieder auflösen. Wäre das Ganze nicht in Bewegung,
so würde es im Walde noch häufiger regnen, aber der Wechsel der
waldigen und waldlosen Strecken ist die günstigste Bedingung für
örtlich begrenzte Niederschläge, die auch dann eintreten, wenn die
allgemeine Windesrichtung Trockenheit ankündigt. Die häufige Benetzung
des Bodens ist im Grunde nur eine Folge von der mannigfaltigen
Gliederung der Erdoberfläche nach verschiedenen Graden
der ErwärmuDgsfähigkeit. Wäre Europa noch durchaus mit Wäldern
bedeckt, so würde dieser Einfluss aufhören, und doch nehmen
Naturforscher, wie Dove, an, dass derselbe der einzige sei, den die
Bekleidung des Bodens mit Bäumen auf das Klima ausübe. Dieseigrosse
Kenner der atmosphärischen Bewegungen spricht die Ansicht
aus, dass die Wälder auf die Menge des Regens nicht wesentlich einwirken,
sondern nur auf die Zeit, in der die Niederschläge herabfallen
«). Er führt als Grund seiner Meinung an, dass die Regenmenge
im Grossen von der unsymmetrischen Vertheilung des Meersund
des Festlands abhänge, dass das Wasser selten da herabfällt,
wo es verdunstet, und dass das Meerwasser die allgemeine Quelle
ist, aus welcher die Kontinente ihre Feuchtigkeit beziehen. Die
Sonnenwärme ist es, die den Dampf aus dem Meere emporhebt, und
wie in einem Destillirkolben verdichtet sich derselbe da, wo er mit
kälteren Körpern in Berührung tritt. Jede Verdichtung, jede Bildung
von Nebelbläschen und Tropfen, schafft wieder Raum für neuen
Wasserdampf, und daher sind die Gebirge, die kältesten Theile des
Festlands, die Zielpunkte, zu denen der Wasserdampf des Meers am
entschiedensten hinstrebt, wo die Atmosphäre durch Niederschläge
am stärksten ausgetrocknet wird. Je mehr Wasserdampf verloren
. geht, desto mehr strömt auch wieder aus den seitlich gelegenen Luft -
schichten herbei, und desto stärker wird die Verdunstung, die ihn in
der Ferne immer wieder aufs Neue erzeugt. Aber wirken nicht
auch die Wälder in einem ähnlichen Sinne auf die Bewegungen des
Wasserdampfs, wie die Gebirge, wenn auch in niederem Grade?
sind sie nicht auch kälter, als die offenen Landschaften des Festlands?
Lässt sich dies nachweisen, so muss auch in den Waldgebieten
der Erde die Regenmenge unter übrigens gleichen Bedingungen
grösser sein. Wenn die Beobachtungen in den verhältnissmässig
trockenen Ebenen Sibiriens gegen diese Folgerung zu sprechen
Einwirkung der Wälder auf das Klima. 85
scheinen, so ist zu berücksichtigen, dass entgegengesetzte Einflüsse
•diese Wirkungen aufheben können, dass durch die Entfernung des
Meers oder durch vorliegende Gebirgszüge den Wäldern der Wasserdampf
entzogen werden kann. Es lassen sich drei physiologische
Verhältnisse anführen, von denen die Temperatur des Waldes abhängt,
und die, in gleichem Sinne zusammenwirkend, während der
Vegetationsperiode eine örtliche Abkühlung und damit eine Vermehrung
der Niederschläge herbeiführen. Zuerst die Beschattung durch
die Laubkronen, welche die Sonnenstrahlen von den erwärmungsfähigsten
Körpern, von den unorganischen Erdkrumen abhalten, sodann
der Wasservorrath sowohl in den festen Geweben, worin derselbe
einen bedeutenden Theil von dem Gesammtgewicht des in der
Fülle der Vegetation stehenden Baums ausmacht, als auch im Boden,
der die Feuchtigkeit zurückhält, endlich die Verdunstung der Blätter,
wodurch die Wärme der Umgebungen gemindert wird : alles dies sind
stetig wirksame Quellen der Abkühlung. Ihre Wirkungen zeigen
sich in den Messungen der Temperatur theils des Holzgewebes der
Bäume im Sommer, theils des beschatteten Bodens im Gegensatz zu
der Erdwärme offener Landschaften. Im Winter treten freilich entgegengesetzte
Bedingungen ein, dann überwiegt die Strahlung aus
dem unbewaldeteu Erdboden, und bringt hier grössere Kälte hervor,
während zugleich die Verdunstung mit dem Laubabfall aufhört.
Aber was im Sommer für die Beschleunigung der Wassercirculation
durch die Atmosphäre von den Wäldern geleistet wurde, ist als ein
positiver Werth in der Regenmenge des ganzen Jahres enthalten. In
den Gebirgen mag die Verminderung der Niederschläge, M'enn sie
entwaldet wurden, nicht immer nachzuweisen sein, weil die Wirkung
der Bäume viel geringer ist, als die des kalten Bodens selbst, aber
in den Tiefländern der tropischen Zone, in Indien, in Brasilien, hat
man stets den Waldverwüstungen eine Schwächung der Regenzeit
folgen sehen. Ich glaube daher gegen die vorhin angeführte Ansicht
den Satz aussprechen zu dürfen, dass die Lichtung der Wälder in
Europa die Niederschläge verringert und das Wärmeklima kontinentaler
gemacht hat. Dieses Ergebniss aber ist nicht bloss wichtig, um
im Interesse des Ackerbaus die Schonung der Wälder zu empfehlen,
sondern wird auch weiterhin eine Anwendung auf die Frage finden,