
•i 156 IL Walckebiet des östlichen Kontinents.
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scliwankeuden Rasendecke überflutliete Boden ehemals bewaldet war.
So mehren sich die Beobachtungen, dass der durch Alluvioneu gehemmte
Abfluss des Wassers zuerst Waldmoore bildete und dann,
als die Bäume zu Grunde gingen, offene Moräste an ihre Stelle traten.
Auf den trockenen Haiden der baltischen Ebene scheinen ebenfalls
die Bestände verringert zu sein, indem der Baumschutz den herrschenden
Nordwestwinden gegenüber zu fehlen begann, nachdem
der Wald durch Verbrauch des Holzes gelichtet war : es ist daher in
neuerer Zeit der zweckmässig geleiteten Forstkultur gelungen, in
manchen Gegenden die Kieferbestände wiederum über die verödete
Fläche auszubreiten und dadurch neue Quellen des Wohlstandes zu
begründen. Anders verhält es sich mit den Pussten Ungarns, die
zwar auch der Vegetation von Bäumen klimatisch nicht unzugänglich
sind, aber, wie ihre wagerechte Oberfläche andeutet aus einem
Landsee hervorgingen, von dem die Theissniederung zurückbUeb
und neben dieser ein Steppenboden, der eine Vegetation von fremdartigem
Charakter aufnahm. In Russland und Sibirien endlich, wo
die Bahnen des fliessenden Wassers viel weniger als im Westen
Europas durch die Kultur geregelt sind, dürfen wir die unbewaldeten
Gegenden als durch den Mangel gleichmässigen Abflusses ursprünglich
veranlasst auffassen: die Formationen des feuchteren Bodens
finden wir hier entweder auf den Wasserscheiden oder im üeberschwemmungsgebiete
der Flüsse
Wenn wir die Wälder selbst mit denen anderer Floren vergleichen,
so ist die Reinheit ihrer Bestände die am meisten hervorstechende
Eigenthümlichkeit; eine Mischung verschiedener Baumarten
kommt bei Weitem seltener vor , als der einförmige und doch
durch individuelle Gestaltung so malerische Baumschlag des Buchen-,
des Eichen-, des Nadelwaldes. Nur wenn man auch hier in frühere
Zeiten der Erdgeschichte zurückgeht, lässt sich in vielen Fällen ein
säkularer Wechsel des Bestandes erkennen. Wie in Sibirien die Birke
sich nach und nach mehr ausbreiten soll i^»^), so ist durch archivalische
Zeugnisse nachgewiesen, dass in Norddeutschland die Nadelhölzer den
Laubwald allmälig zurückgedrängt haben^^^) und die Erfahrung lehrt,
dass sie in diesem Kampfe noch jetzt siegreich sind: am westlichen Harze
z. B. ist der Buche allgemein die Fichte gefolgt, an einigen Orten haben
sich beim Abtriebe der letzteren die Ueberreste von Eichen in einem
Bestandtheile des Waldes. 157
Niveau von 2000 Fuss gezeigt, d. h. in einer Höhe, in welcher dieser
Baum gegenwärtig längst nicht mehr fortkommt. Wird es hiednrch
wahrscheinlich, dass säkulare Aenderungen des Klimas dem
Wechsel der Waldbestände zu Grunde liegen, so lässt sich derselbe
in anderen Fällen von den mineralischen Nährstoffen im Boden ableiten,
von denen der eine Baum diese, der andere jene Bestandtheile
aufsaugt, und, nachdem die ersten erschöpft sind, die übrig bleibenden
einer neuen Vegetation Spielraum genug lassen, die absterbende
zu verdrängen. Was in den Erfahrungen des Landwirths bei dem
Fruchtwechsel einjähriger Kulturpflanzen binnen kurzer Zeit in die
Erscheinung tritt, vollendet sich bei dem Wachsthum der Bäume im
Laufe von Jahrhunderten mit gleicher Gesetzmässigkeit. Endlich
kann aber auch der Wechsel der Forstbestände nur eine Folge ökonomischer
Rücksichten sein, nachdem sie sich nicht mehr selbst überlassen
blieben, sondern künstlich gepflegt wurden; So ist die ganze
Erscheinung ein verwickeltes Problem, das in jedem Falle sorgsam
geprüft werden muss, ehe man eine Aenderung klimatischer Bedingungen
anzunehmen berechtigt ist. Eine solche Untersuchung verdanken
wir Vaupeir^^*^), der sich in Bezug auf die Wälder der dänischen
Inseln zu Gunsten veränderter Bodeneinflüsse entschied. Gerade
hier hatte Steenstrup bei seiner Untersuchung der seeländischen
Waldmoore den säkularen Wechsel der Bäume zuerst in grösserem
Umfange nachgewiesen, Vaupell setzte dessen Beobachtungen fort
und fand, dass den heutigen Buchenwäldern die Birke als herrschender
Baum daselbst vorausgegangen ist, der aber zugleich die Eiche
und die gegenwärtig auf Seeland ganz verschwundene Kiefer beigemischt
waren. Wollte man diesen Wechsel von klimatischen Bedingungen
ableiten, so würde auf eine gewisse Milderung des Klimas
aus der Eiche, in noch höherem Grade aus der Birke zu schliessen
sein, in sofern die heutige Polargrenze dieser Bäume als Massstab des
dänischen Klimas in alten Zeiten gelten dürfte. Allein Vaupell verwirft
diese Meinung, die durch die entgegengesetzten Erfahrungen in
Norddeutschland freilich durchaus nicht unterstützt wird. Es lässt
sich indessen doch nicht verkennen, dass dieselben Aenderungen der
Vegetation aus verschiedenen Ursachen entspringen können, und dass
die durch die Abnahme der Wälder herbeigeführte Milderung des
Klimas auch auf die Bestandtheile ihrer Ueberreste einen rück-
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