
228 IL Waldgebiet des östlichen Kontinents.
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silesiaca). Die südlichen Karpaten bilden eine zusammenhängende,
alpine Kette, welche, nur an einem Punkte (im Aluta-Thal) unterbrochen,
längs der Grenze liumäniens vom Banat bis zur Marmarosch
sich erstreckt und vondemTatra sodann durch niedrigere, aus Sandstein
gebildete Höhenzüge getrennt wird. Sie umschliesst die Hochebene
Siebenbürgens wie ein engerer Wall im Hintergrunde des grösseren
von Ungarn. An Höhe (7830 Fuss) stehen die südlichen Karpaten
dem Tatra wenig nach, aber au Umfang und Ausdehnung der alpinen
Regionen übertreffen sie ihn bei Weitem. Dieser orographischen
Bildung entspricht der weit grössere Reichthum der südlichen Kette
an endemischen Gewächsen : so sind von den hieher geliörigen Saxifragen^'^
o) ¿^^f diesen Abschnitt drei Arten, auf den Tatra nur
eine beschränkt, und eine fünfte bewohnt die alpine Region des ganzen
Gebirgs. AVie der Tatra mit den Sudeten verknüpft ist, so weisen
in den südlichen Karpaten manche Erzeugnisse (z. B. unter den
Sträuchern die Ericee Bruckenthalia) auf die Gebirge Serbiens und
Rumeliens, deren orographischer Zusammenhang mit den Karpaten
des Banats nur durch die Stromengen der Donau unterbrochen wird.
Die serbisch-rumelischen Gebirge, soweit sie unserem Gebiete
angehören, sind viel zu unvollständig untersucht, als dass über ihren
Endemismus gegenwärtige schon sicher geurtheilt werden könnte.
Die Wanderungen entsprechen auch hier den orographischen Verbindungen
der so vielfach gegliederten Ketten mit Dalmatien, mit
Grieclienland und über die Dardanellen hinaus mit Anatolien, auch
das Klima weist bereits auf den Orient, Die Forschungen von Pancic
in Serbien haben für dieses Land eine Ausbeute von endemischen
Pilanzen (12, darunter die monotypische Umbellifere Pandcia] ergeben,
die ich nach den Mittheilungen dieses Botanikers untersucht
und als eigeuthümlich habe bestätigen können.
Die vereinzelten endemischen Erzeugnisse der übrigen mittelund
nordeuropäischen Gebirge beweisen nur, dass auch diesseits
der Alpen Vegetationscentren anzunehmen sind, von denen in Folge
des Austausches jedoch nur noch wenig Spuren erkennbar bleiben.
Ueber den Endemismus der sibirischen Gebirge ist bis jetzt noch
keine genügende Auskunft zu geben. Was den am genauesten erforschten
Altai betrifft, so ist in vielen Fällen die Steppenflora von
den Höheneinflüssen so unabhängig, dass man niemals wissen kann,
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Vegetationscentren des Tieflands. 229
wie weit selbst die alpinen Arten dieses Gebirgs sich nach Centraiasien
verbreiten. Hierauf beruhen ohne Z^veifel auch die zahlreichen
Wanderungen, welche über die aus dem Steppengebiet sich abgesondert
erhebenden Gebirge stattgefunden haben, und die den Kaukasus
und Vorderasien mit dem tibetanischen Himalaja und dem Altai verbinden.
Jenseits der Wüste Gobi endlich haben zwar die russischen
Botaniker Turczaninow, Maximowicz u. A. die endemischen Gewächse
Dauriens und des Amurlandes aufgezählt, aber es ist abzuwarten,
wie sehr die nähere Kenntniss der chinesischen Flora ihre Anzahl
dereinst beschränken mag.
Wie weit nun die Tiefländer gegen die Gebirge an Pflanzen
von beschränktem Wohngebiet zurückstehen, ist jetzt darzulegen.
Was auf engem Räume die mechanischen Hindernisse der Wanderungen
bewirken, das erfolgt in den Ebenen durch den langsamen
Wechsel der klimatischen Werthe. Um auch hier Sibirien auszuschliessen,
erhalte ich für den Enderaismus in dem europäischen
Antheil des Gebiets folgende Ziffernreihe, nachdem, wie in den
übrigen Fällen, die geographischen oder systematischen Bedenken
unterworfenen Arten ausgeschlossen wurden: Zone der Cerriseiche
(12), der Kastanie in Frankreich und Asturien (21), russische
Eichenzone (1).
Ausser Ungarn ist es also nur Frankreich, welches (auch abgesehen
von seiner Mediterranflora im Rhonegebiet) eine Reihe
eigenthümlicher Pflanzen besitzt. Ordnen wir diese französischen
Gewächse nach ihrem Vorkommen, so ergiebt sich , dass sie fast
sämmtlich von der atlantischen Küste stammen. Sie sind Glieder
jener Flora, welche Forbes die atlantische nannte, und die, wenn die
Wanderung den weitesten Raum umspannt, von Portugal bis zu den
britischen Inseln, in einzelnen Fällen sogar bis Norwegen und Isl
a n d reichen kann. Indem aber die Vegetationslinie, welche,
der Küstenentwickelung folgend, sie vom Innern des Kontinents
ausschliesst, von beiden Endpunkten aus durch allmälige Uebergänge,
aber in ungleicher Weise verkürzt wird, vertheilen sich die
atlantischen Pflanzen auf mehrere Centren, unter denen das portugiesische
das ergiebigste ist, indessen hier noch nicht berücksichtigt
werden kann Innerhalb unseres Gebiets zähle ich 29 endemische
Arten der atlantischen Flora und eine im Inneren Frankreichs,