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496 V. Cliinesiscli-japanisclics Gebiet.
Vegetatioiisformeii. Da, mit den übrigen Gebieten der alten
Welt verglichen, die Flora Chinas und. Japans ans eiiropäisch-sibi-'
rischen und indischen Vegetationsformen gemischt erscheint, und da
die ersteren nach ihren klimatischen Bedingungen bereits erörtert
wurden, die letzteren aber passender in dem tropischen Monsungebiete
Asiens darzustellen sind, so bleibt uns hier nur die Aufgabe,
bei den vorherrschenden oder in anderer Beziehung charakteristischen
Gewächsen z,u verweilen und auf dieser Grundlage ein physiognomisches
Bild der Vegetation zu entwerfen. Allein das Innere
Cliinas, Korea und Formosa sind botanisch noch fast ganz unerforscht
geblieben, die Nordgrenzen einzelner tropischer Formen lassen sich
noch nicht angeben, und somit kann eine solche Uebersicht auch in
diesem beschränkten Sinne keineswegs als abgeschlossen betrachtet
werden. Sie würde noch lückenhafter erscheinen, wenn nicht die
Uebergangslandschaften zu den Nachbarfloren im Norden und Süden,
auf den Inseln Sachal inund Hongkongbereits eine umfassendere
Bearbeitung gefunden hätten, und wenn China bis zur Grenze
der Steppen nicht so gleichartig gebaut wäre. Hier ist durch den
ausgedehnten Anbau des Bodens die ursprüngliche Vegetation zurückgedrängt
worden, und, wenn auch an Einzelnheiten in den unerforschten
Gegenden uns vielleicht das Meiste noch entgeht, so wird
doch in den physiognomischen Hauptzügen wenig Neues zu erwarten
sein.
Unter den allgemeinen Erscheinungen, wodurch die Flora des
östlichen Asiens von der europäischen abweicht, ist eine der merkwürdigsten
die im Verhältniss zu anderen Pflanzenformen ungemein
vermehrte Anzahl verschiedenartiger Holzgewächse, nicht so sehr der
Sträucher und holziger Schlingpflanzen, als der Bäume selbst. In
dieser Beziehung nähern sich China und Japan den Tropenländern,
deren Wälder sich durch ihren gemischten Baumschlag von denen
der gemässigten Zone unterscheiden. In den höheren Breiten des
östlichen Asiens ist dieses Verhältniss nicht etwa bloss die Folge von
dem Eindringen tropischer Baumformen in das Monsunklima, so sehr
dieses auch dabei mitwirkt, sondern es drückt sich in gleichem Masse
auch in solchen Pflanzenfamilien aus, aus denen in der gemässigten
Zone der Bestand an Holzgewächsen zusammengesetzt ist, so in
Japan bei den Coniferen, den Amentaceen und den Ericeen. In
Menge der Holzgewächse. 497
Hongkong, wo Bewaldung nur in wenigen, noch dazu zum Theil
angebauten Thalschluchten angetroffen wird, ist die Anzahl der Holz
bildenden Pflanzen beinahe halb so gross, als die aller übrigen Gewächse
(1:2). Hiemit verglich Bentham^) eine Insel des Mittelmeers
(Ischia), wo dieses Verhältniss um mehr als das Fünffache
vermindert sei (1:11.). Wenn aber auf Hongkong auch die tropischen
Bestandtheile überwiegen, so sind doch in Japan andere Holzgewächse
ebenfalls sehr zahlreich. Zuccarini^) schätzte hier das
Verhältniss der Bäume und Sträucher zu den übrigen Pflanzen aui'
ein Drittel (1:3) : durch die heutige Kenntniss der japanischen Flora
ist dasselbe etwas vermindert worden, doch beträgt es nachMiqueP")
immer noch ein Viertel (1:4) und ebenso viel im nördlichen China bei
Peking. Diese Mannigfaltigkeit von Holzgewächsen ist weit grösser,
als im nordamerikanischen Waldgebiet [1 : ß^i)], womit man Japan
in dieser Beziehung hat vergleichen wollen, wo aber das Verhältniss
dasselbe ist, wie am Amur und in Ostsibirien. Durch die Beimischung
der tropischen Baumformen, der Laurineen und Bambusen, wird in
Japan, wie in China, dieses Verhältniss erheblich gesteigert: von
den ersteren kennt man aus Japan bereits 26 , von den letzteren
14 Arten. Aus dem klimatischen Einfluss der stärkeren Niederschläge
ist nur das Vorkommen tropischer Formen, nicht aber die
Mannigfaltigkeit der Arten und Gattungen zu erklären, um so weniger
, als hier der Baumschlag in einem einzelnen Bestände nicht
nach Art der Tropenwälder gemischt, sondern oft ebenso einfach
ist, wie in anderen Ländern unter gleicher Breite. Wir erkennen
darin eine Eigenthümlichkeit dieser ostasiatischen Vegetationscentren,
die vielleicht mit ihrer insularen Absonderung zusammenhängt,
so dass es wünschenswerth wäre, sie mit dem inneren China vergleichen
zu können. Hierüber ist im Allgemeinen zu bemerken, dass
den Holzgewächsen durchschnittlich engere Wohngebiete zukommen,
als den Gewächsen von kürzerer Lebensdauer. Bentham^) versuchte
dies aus den geringeren Hülfsmitteln ihrer Fortpflanzung zu erklären.
Obgleich nämlich die Holzgewächse von dem Boden, den sie im Besitz
haben, viele andere Pflanzen durch Beschattüng und Entziehung
der Nahrungsstoffe fern halten, werde doch der Vortheil ihreigrösseren
Widerstandsfähigkeit durch die geringere Zahl ihrer Individuen
mehr als ausgeglichen. Die kleineren Gewächse erzeugen,
G r i s e b a c I i , Vegetation der Krde. 1. 32
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