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270 III. Mittelmeergebiet.
auszubilden und das geistige Leben dadurch noch mannigfaltiger zu
bereichern.
Zu künstlichen Irrigationen ist das Gebiet des Mittelmeers mit
der reichen Gliederung seines Niveaus ganz besonders geeignet, und
was durch die Schuld erschlaffter Zeiten vernachlässigt oder verloren
wurde, können die Nachkommen wieder herstellen. In der gegenwärtigen
Zeit, wo in, so weitem Umfange der Ackerbau danieder
liegt, wo in Spanien und vielen Gegenden des Orients durch die Entwaldung
der Gebirge der Wasserzufluss ärmlicher und unregelmässiger
geworden und dadurch die Erneuerung ehemaliger Bewässerungsanstalten
erschwert ist, sind die fruchtbarsten Landschaften,
wo sie sich erhalten, wie der Garten von Valencia, zuweilen den
verödeten so unmittelbar in die Nähe gerückt, dass die Nachtheile
des trockenen Sommerklimas für die Vegetation nirgends deutlicher
hervortreten. Ihren einheimischen Formen hat zwar die Natur
mannigfache Hülfsmittel der Organisation verliehen, der Dürre
Widerstand zu leisten, aber der rege Saftumtrieb, das Wachsthum
der Organe ist doch nur in denjenigen Monaten möglich, in denen
atmosphärische Niederschläge stattfinden. Die Theorie zeigt, dass
an den Südgrenzen des Gebiets dieselben eigentliche Winterregen
sind, dass sie nordwärts allmälig zu zwei Perioden grösserer Feuchtigkeit,
zu Herbst- und Frühlingsregen aus einander treten, bis diese
dann endlich diesseits der Alpen zu dem Maximum des Sommerregens
in Mitteleuropa sich wieder vereinigen . Aber wie die örtlichen
Einwirkungen diese Vertheilung der Niederschläge vielfach verändern,
so sind auch auf der Nordküste Afrikas, der Zone des Winterregens,
die Herbst- und Frühlingsmonate noch feucht genug, um die
Pflanzenwelt zu beleben. Die Masse des Regens in den feuchtesten
Monaten ist ein üeberfluss, dessen die Vegetation nicht bedarf.
Ihre Entwickelungsperiode beginnt daher mit den ersten herbstlichen
Niederschlägen und dauert zuletzt noch eine Zeit lang im Anfang der
trockenen Jahrszeit fort, bis die Wurzeln keine Feuchtigkeit mehr in
den Bodenschichten finden, in welche sie eindringen. Aber diese
lange Dauer der Vegetationszeit, welche der Vertheilung der Niederschläge
entspricht, wird auf der anderen Seite durch den Gang der
Temperatur wiederum eingeschränkt. Wo im kontinentaleren Klima
die Winterkälte das Wachsthum unterbricht, ist die Periode in zwei
Vegetationsperiode. 271
Abschnitte geschieden, die durch die Blüthen des Herbstes und des
Frühlings bezeichnet sind. Allein auch da, wo die Temperaturgrade
eine stetige Vegetation vom Herbst bis zum Frühling gestatten würden,
sind es nur gewisse, oft nur einzelne Gewächse, die gegen den
Wechsel des Sonnenstandes sich ganz gleichgültig verhalten. Um
dieses Verhältniss zu erläutern, ist näher auf das Verhältniss zwischen
Wärme und Vegetation einzugehen.
Suchen wir zuerst die mittlere Temperatur der Vegetationszeit
zu bestimmen, so ergeben sich Schwierigkeiten, die zwar bis jetzt
nicht zu heben sind, aber auch, wenn sie gelöst wären, gewisse
Thatsachen nicht erklären würden. Es müssten genauere Beobachtungen
über die Zeit des Stillstands im Wachsthum vorliegen, und
an diesen fehlt es in den meisten Gegenden noch ganz. Nur wo die
Vegetation ununterbrochen vom Herbste bis zum Anfang des Sommers
fortdauert, könnte man die klimatischen Messungen dazu benutzen.
So berechnet, liegt der mittlere Temperaturwerth der Vegetationszeit,
also die Wärme, die den Pflanzen bei ihrem Wachsthum
wirklich zu Gute kommt, durchschnittlich etwa ebenso hoch,
nicht höher, als in Nordeuropa, oder nur um einen oder wenige
Grade 47). Hiedurch kann der verschiedene Charakter der Vegetation
nicht erklärt werden, auch wenn weitere Beobachtungen zeigen sollten,
dass dieser Werth in östlicher gelegenen Meridianen nach Abzug
des winterlichen Stillstandes sich nicht wesentlich ändere. Der
Unterschied in den Wirkungen der Temperatur auf die Vegetation
in Nord- und Südeuropa liegt nicht darin, dass hier ein Grenzwerth
überschritten wird , sondern in dem erweiterten Spielraum für die
Dauer der Entwicklungszeit, weil die südlichen Pflanzen mit ungleichen
Kräften in die trockene Jahrszeit eintreten und daher eine
weit grössere Mannigfaltigkeit der Formen möglich wird. Wäre es
die Winterkälte allein, die sie zurückhält, in ein nördliches Klima
einzudringen, so würden sie an den atlantischen Küsten ihr Gedeihen
finden, und dass dies bei manchen der Fall ist, lehrt ihre Verbreitung.
Andere bedürfen einer längeren und mit der Wärme unseres
Sommers verbundenen Entwickelung, und diese sind es, die gegen
die trockene Jahrszeit am besten geschützt sind. Dann giebt es
wiederum andere, die gleichsam rasch vorübereilend die Erde mit
vergänglichem Blüthenschmuck bekleiden, aber entweder einer langen
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