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524 Quellenschriften und Erläuterungen.
I. Arktische Flora.
1. Die Schneelinie ist in Spitzbergen, wie in anderen Polarländern,
grossen Schwankungen unterworfen. Malmgren schätzt sie unter 80o
N. B. auf lOüü' (Peterm. Mitth. f. 1863. S. 4ül); unter 77 o bestimmten
sie Duner und Nordenskiöld auf 1400' (Behm's geogr. Jahrbuch, 1.
S. 258). Die Schneegrenze in Island (64°) ward erst bei 2880' erreicht
(das.) und in Grönland (61 — 730) fand sie Rink, ohne dass die geographische
Breite auf ihr Niveau von sonderlichem Einfluss war, zwischen
2000 und 3000' (Rink G-rönland : naturhistoriske Bidrag, S. 169).
2. In Spitzbergen sollen an einem einzigen Fjord, dem Eisfjord
(78 Oj während des Sommers von 1861 4—600 Rennthiere erlegt worden
sein (Malmgren a. a. 0. S. 49). Auf der Melville-Insel beobachtete schon
Parry das reich entwickelte Leben grosser Landthiere, des JBos moschatus
und des Rennthiers [Journ. of a voyage for the discovery of a North West
:passage): diese Nachrichten wurden auf den Expeditionen zur Aufsuchung
Franklin's vielfach bestätigt gefunden, und ebenso auf Koldewey's Reise
nach der Ostküste Grrönlands im J. 1870.
3. Die tiefste Mitteltemperatur, die man in den Polarländern kennt,
ist an der Nordwestküste Grönlands, in Rensselaers Hafen im Smith's
Sund (781/2von Kane beobachtet: sie wurde zu — 150,3 R. berechnet
[Kane, meteorol. observations in the Arctic seas, Smithsonian Contributions
Vol. 11). Auf der Melville-Insel (75 0) beträgt die mittlere Wärme nach
Parry — 130,7 (Dove's Temperaturtafein, S. 13) : die des Sommers wu.rde
zu + 20,3 bestimmt, wovon auf den Juni + 10,9, den Juli + 40,6 und
den August + 0 0^3 kommen.
.4. Middendor f f , Reise in den äussersten Norden und Osten
Sibiriens. I. Klimatologie; vergl. Jahresb. f. 1847. S. 32. Später (IV. 1.
S. 500) nahm der Verf. sogar eine Mächtigkeit des sibirischen Eisbodens
bis zu 1000' an.
5. Richardson, Arctic researching expedition; vergl. Jahresb. f.
1851. S. 50.
6. S chr enk, Reise nach dem Nordosten des europäischen Russlands;
vergl. Jahresb. f. 1850. S. 3.
7. Lange, Översigt over Grönlands Planter (in Rink's Grönland).
Wiewohl die grönländische Ostküste wegen ihrer Unzugänglichkeit so
wenig bekannt ist, so wird doch hier bereits (nach den Sammlungen
J. Vahrs und nach den Angaben Graah's) nachgewiesen, dass von 320 Gefässpflanzen
der grönländischen Flora 101 Arten an beiden Küsten vorkommen.
Hiebei sind noch 28 Arten der Ostküste übergangen, die, von
Scoresby gesammelt, in dessen Reisewerke von W. Hooker angeführt
werden. Rechnet man die von Kane entdeckten 21 Arten hinzu, welche
Durand bestimmte / sowie 3, welche mxr an der Ostküste von Scoresby
I. Arktische Flora. 525
gefunden wurden, so beträgt die Summe der bis jetzt aus Grönland bekannten
Pflanzen 344, wovon 126 an beiden Küsten nachgewiesen sind.
8 Scoresby, Journal of a voyage to the Northern Whale fishery
p 103 178. 204. Die Berge an der Ostküste wurden zwischen 71 o und
75o N B durchschnittlich auf 3000' geschätzt, aber sie trugen nur wenig
Schnee, weniger, als in Spitzbergen ; nur 2 oder 3 Gletscher wurden bemerkt.
Völlig abweichend erschien dem Reisenden das Land am Scoresby-
Sund (700) niedrig, wellenförmig gebaut, völlig schneefrei, der Boden
reich mit fusshohem Grase bekleidet, stellenweise den schönsten Wiesen
Englands gleichend. Und doch ist diese Küste wegen des mit der arktischen
Strömung an ihr vorüberziehenden Treibeises fast nie zu erreichen.
Die von Koldewey 1870 entdeckten hochalpinen Berge und
Gletscher am Franz Joseph's Fjord liegen zwischen 73o und T40 N. B
9 Osborn, stray leaves from an Arctic Journal, p. 302. Die Polarfahrer
unterscheiden drei Hauptformen der im Meere schwimmenden Eismassen,
die Eisberge, die Eisfelder und das Packeis. Die Eisberge
stammen von den Gletscherii des Festlands und sind daher eine reine
Süsswasserbildung; sie erreichen ein sehr beträchtliches Volumen (Ross
sah sie bis 1000' hoch) und kommen grösstentheils von der grönländischen
Westküste, da die übrigen Polarländer zu niedrig sind oder wenigstens
keine grossen Gletscherfragmente in das Meer entladen: auch bei
Spitzbergen bilden sich keine eigentliche Eisberge (nach Toreil m
Peterm Mitth. 1861. S. 53: alle grösseren Gletscher erreichen daselbst
zwar das Meer, aber in das Meer fallen nur Schollen von ihrem Eise). Im
antarktischen Meere sind die Eisberge allgemein, im atlantischen an bestimmte
Meridiane gebunden. Die Eisfelder sind das Erzeugniss des
Meerwassers während eines Winters und haben ihren Ursprung an allen
eisumsäumten Küsten. Dieses Eis hat gewöhnlich nur eine Dicke von
8—10' und löst sich im Sommer vom Festlande ab, dessen Küste es zusammenhängend
umsäumte, wird nun zu grossen Eisfeldern und kleineren
Schollen zertrümmert, folgt den Strömungen und gelangt zuletzt, ebenso
wie die Eisberge, in das atlantische Meer. Was man die feste Eisbarriere
des Meers im hohen Norden genannt hat, ist nichts wie dieses Treibeis,
dieser breite, aber mit Eisfeldern erfüllte arktische Strom, der von Sibirien
aus die Nordseite Spitzbergens berührt, längs der Ostküste Grönlands
nach Süden fliesst und häufig von offenen, aber wandelbaren
Wasserflächen (den Polynien) unterbrochen ist. Solche Strömungen
bieten also im Grossen ein ähnliches Schauspiel, wie der Eisgang der
Flüsse im Frühling. Wo sie einer entgegengesetzten, warmen Strömung,
begegnen, was namentlich in der karischen Pforte, zwischen Nowaja
Semlja und Spitzbergen, sowie im Smith's Sund der Fall ist, stauen sich
die Eisfelder, schmelzen im Sommer unvollständig oder werden, wo dies
möglich ist, in andere Richtungen abgelenkt. Wo sie sich aber stauen
oder wegen der grossen Entfernung vom offenen Meere nicht rasch genug
sich bewegen, um das Eis in einem einzigen kurzen Sommer fortzu