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210 II. Waldgebiet des östlichen Kontinents.
die Wohngebiete der einheimischen Pflanzen am vollständigsten bekannt
sind.
Die Vergleichung dieser Wohngebiete zeigt, dass sie nicht bloss
in den meisten Fällen abgeschlossen, sondern anch dass sie von ungemein
verschiedener Grösse sind. Von den Pflanzen, die fast den
ganzen i]rdkreis bewohnen oder eine von dessen Zonen einnehmen,
findet ein stetiger üebergang zu solchen statt, die an engere oder im
äussersten Falle an einzelne, zuweilen höchst beschränkte Räumlichkeiten
gebunden sind. Was diese im strengsten Sinne endemischen
Gewächse betrifft, so ist eine zwiefache Vorstellung über ihr Vorkommen
möglich, entweder dass sie, an Ort und Stelle entstanden, die
Hindernisse, die ihrer Ausbreitung entgegenstanden, nicht überwinden
konnten, oder dass sie, in früherer Zeit auf grösseren Räumen wachsend,
allmälig im Kampfe mit anderen Organismen zu Grunde gingen
und nur noch da sich erhalton haben, wo wir sie jetzt antreffen.
Beide Ansichten sind ohne Zweifel auf thatsächliche Vorgänge begründet.
Einzelne Fälle sporadischer Verbreitung lassen sich kaum
anders als durch Verdrängung von ehemaligen Standorten erklären,
z. B. das Vorkommen eines sibirischen Rosaceenstrauchs [Potentilla
fruticosa) in der alpinen Region der Pyrenäen, auf den britischen
Inseln, auf Oeland und in Russland, ohne dass die centrale Flora
Deutschlands denselben darbot, als auch hier gleichsam die letzten
Spuren davon im bayerischen Ries entdeckt wurden i^O) ^ Indessen
wird durch die Lage und Gestalt der verschiedenen Wohngebiete der
Schluss gerechtfertigt, dass die Vorstellung von der Verdrängung
und dem Untergehen gewisser Arten nur bei sporadischer Verbreitung
Gründe der Wahrscheinlichkeit für sich hat, dass hingegen diejenige,
welche eine dauernde Beschränkung auf den Entstehungsort
annimmt, bei den streng endemischen Gewächsen die allein berechtigte
ist. Solche Vergleichungen im Bereich der europäischen Flora
nämlich ergeben, dass die endemischen Pflanzen in dems
e l b e n Masse zahl reicher werden, als die Hindernisse
i h r e r Verbreitung wachsen. ^ Stellen wir uns vor, dass die
auf bestimmten Vegetationscentren entstandenen Organisationen
den physischen Bedingungen derselben am vollständigsten entsprachen,
so ist bei der Anpassungsfähigkeit, die wir an den Gewächsen
kennen, anzunehmen, dass sie von da aus in einem gewissen
Umfang der Wohngebiete. 211
Umfange sich durch Fortpflanzung ausbreiten mussten, wenn sie ungehemmt
durch äussere Einflüsse sich selbst überlassen blieben.
Wenn sie aber zarter waren, als diejenigen, welche den Raum bereits
inne hatten, wenn abweichende Bodenverhältnisse, Gebirge oder
Wasserflächen ihren ürsprungsort abschlössen, so mussten sie da
verharren, wo sie entstanden waren. Sind sie hingegen früher auf
grösseren Räumen als gegenwärtig vorhanden gewesen, so werden
sie bei ihrem allmäligen Untergange sich hier und dort längere Zeit
als anderswo erhalten, eine Weile zeigen sie sich noch sporadisch,
aber ihr Vorkommen ist nicht durch mechanische Hindernisse bezeichnet,
welche ihre Wanderung beschränken.
Die Pflanzen, die wir in Europa an einen einzigen Standort gebunden
finden, sind zwar wenig zahlreich, aber sie sind fast ausnahmslos
Gewächse des Hochgebirgs, deren Wanderungen bei eingeschränkter
klimatischer Sphäre und geringer Portpflanzungsfähigkeit
schon die Thalbildungen als ein unüberwindliches Hemmniss
entgegenstehen. Sie gleichen den endemischen Erzeugnissen einsamer
Inseln imOcean und sind, wie diese vom Meer, von Abgründen
rings umschlossen, die sie nicht überschreiten können. Fast nur in
den Alpen sind solche Fälle bekannt, wo die gruppenweise geordneten
alpinen Gipfel so geeignet sind, in diesem Sinne zurückhaltend
zu wirken. Solche Erscheinungen sind ziemlich regellos und fast
nur über die südliche Alpenkette vertheilt, wo die örtlichen Einflüsse
am verschiedenartigsten sind, auf einzelne Punkte Piemonts, der
Lombardei, Südtirols und Kärnthens. Einzelne Beispiele kennen wir
auch aus den Pyrenäen, deren klimatische Gliederung den Wanderungen
hinderlich ist.
Wenden wir uns von diesen äussersten Graden der Beschränkung
des Wohnorts, auf welche wir zurückkommen werden, zu der
Verbreitung endemischer Pflanzen des Gebiets überhaupt, so ist auch
hier der Gegensatz des Gebirgs zu den Ebenen höchst auffallend.
Weit überwiegend sind die Gebirgspflanzen an engere Räume gebunden
und kehren auf entfernt gelegenen Höhenpunkten nicht wieder,
wo sie dieselben Bedingungen des Fortkommens finden würden. Die
Grösse des Raums, den die Pflanzen bewohnen, steht in geradem
Verhältniss zu ihrer Wanderungsfähigkeit, in umgekehrten zu den
Hindernissen, die der Wanderung entgegenstehen. In den grossen
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